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Der Weltverkehr und seine Mittel

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Bibliographic data

fullscreen: Der Weltverkehr und seine Mittel

Monograph

Identifikator:
100624364X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-33077
Document type:
Monograph
Author:
Merckel, Curt http://d-nb.info/gnd/1024684814
Title:
Der Weltverkehr und seine Mittel
Edition:
Zehnte, durch einen Nachtrag ergänzte Auflage, Sonderausgabe aus dem Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von Otto Spamer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (X, 981 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Wasserstraßen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der Weltverkehr und seine Mittel
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
  • Landstraßen
  • Die Eisenbahnen
  • Brücken und Viadukte
  • Wasserstraßen
  • Schiffbau
  • Posten und Postwesen
  • Entwicklung der Welttelegraphie
  • Die Weltwirtschaft
  • Die Fortschritte des Weltverkehrs seit 1900
  • Index

Full text

466 
Schiffahrtskanäle. 
dem Roten Meere befahren habe. Der große Kalif Harun al Raschid (786—809 n. Chr.) 
faßte den Plan, entweder einen Kanal vom Nil oder vom Mittelländischen Meere nach 
dem Roten Meere herzustellen; er ließ jedoch diesen Plan fallen, da er einerseits fürchtete, 
dem Nil könnte hierdurch zu viel Wasser entzogen werden, anderseits weil hierdurch die 
Möglichkeit einer Bedrohung Mekkas durch griechische Seeräuber gegeben worden wäre. 
Das von dem Euphrat und Tigris durchflossene Land zeigte im Altertum eine 
Reihe hervorragender Kanalbauten. Unter Nebnkadnezar wurden zur Entwickelung des 
Handels Mesopotamiens umfangreiche Arbeiten ausgeführt. Zur Verbindung des Euphrat 
mit dem Tigris ließ der genannte Herrscher vier Querkanäle herstellen, von welchen der 
bedeutendste der Königsfluß (blallar malka) war, der ein Befahren mittels Seeschiffe ge 
stattete. Zur Versorgung dieses Kanals diente ein bei Sippira angelegtes großes Bassin 
von 1 l in Tiefe und einem Umfange von 60 km. 
Die Leistungen der Römer im Kanalbau sind im Vergleiche zu der von diesem Volke 
überhaupt entwickelten Bauthätigkeit verhältnismäßig gering. Verschiedene große Unter 
nehmungen dieser Art wurden zwar geplant, so von Nero die Durchstechung des Isthmus 
von Korinth und ein Kanal zwischen Misenum (bei Neapel) und Rom, keines dieser 
Projekte kam jedoch zur Ausführung. In der Campagna und Sirmien entstand eine 
größere Anzahl Kanäle, die zwar in der Hauptsache Entwässernngszwecken dienten, jedoch 
auch von Böten befahren tvurden, die den holländischen Trekschuiten ähnlich waren. 
Für die Herstellung der Kanäle waren in jenen frühen Zeiten und besonders bei den 
Römern meistens militärische und politische Gesichtspunkte maßgebend. Noch ein anderes 
Moment ließ die Herstellung von Bauwerken, die große Arbeitsleistungen erforderten, 
außerordentlich wünschenswert erscheinen. Eine Beschäftigungslosigkeit der zahlreichen 
Legionen barg große Gefahren in sich, denen die Feldherren am besten dadurch glaubten 
entgegenwirken zu können, daß sie die Soldaten bei der Herstellung der Landstraßen und 
Kanäle beschäftigten. Paulinus Pompejns und Lucius Vetus faßten nach Tacitus 
(Annal. L. III) den Plan zu einer Verbindung des Provencer Meeres mit dem Deutschen 
Meer. Drusus ließ große Deichbauten am Rhein ausführen und diesen Fluß durch einen 
Kanal mit der Issel verbinden. Unter den zahlreichen Spuren der einstigen Thätigkeit 
der Römer in Britannien befindet sich gleichfalls eine Kanalanlage, die Verbindung des 
Neß mit dem Witham (Car-Dyke). 
Für China ist die Anlegung von Kanälen im Altertum zwar nachgewiesen, doch ist 
nicht bekannt, inwieweit ein Befahren derselben möglich war. Die Erbauung der 
großen schiffbaren Kanalanlagen datiert erst aus der Mongolenzeit. Unter diesen Kanälen 
ist der den ganzen Küstenstrich vom Golf von Petscheli bis zum Alpensee Sihu durch 
ziehende Große oder Kaiserkanal der bedeutendste. Dieser Kanal besitzt eine solche 
Länge, daß er in Europa die Ostsee mit dem Adriatischen Meere verbinden würde. Der 
Großchan Kublai ließ diesen Kanal von Peking aus beginnen und die bereits bestehende 
Kanallinie teils erweitern und vertiefen, teils neu bauen. Die Schaffung dieses Riesen 
werkes war nur in einem Lande möglich, in dem über Millionen Handlanger despotisch 
verfügt werden konnte. Der Kanal hat keine Schlensenanlagen; seine Breite ist sehr ver 
schieden, bald beträgt sie 60 m, bald 300 na. Er hat fast nie stillstehendes Wasser. Bald 
ist er tief in die Berge eingeschnitten, bald läuft er innerhalb Dämmen, die mit Granit- 
quadern eingefaßt sind, durch Seen und Moräste. Zahlreiche Brücken überspannen den 
Kaiserkanal, und unzählige Vorrichtungen für Bewässerungszwecke sind vorhanden. An 
den Ufern ziehen sich steinerne Leinpfade entlang. In 40 Tagen konnte der Wasserweg 
bequem durchfahren werden. Eine gepflasterte Heerstraße lief dem Kanal parallel, die 
selbe war mit Bäumen und Weiden bepflanzt, und an ihrer Seite standen Wirtshäuser 
und Schuppen. Die Schaffung des Kaiserkanals war eine Notwendigkeit. Um die Ent 
stehung von Hungersnöten nach Möglichkeit zu verhüten, mußte bei der Abneigung der 
Chinesen gegen die infolge der heftigen Stürme des Gelben Meeres sehr gefährliche See 
fahrt eine binnenländische Verbindung von Süd- nach Nordchina hergestellt werden. Im 
vorigen Jahrhundert rechnete man, daß der Kaiser auf dem Kanal 9999 Schiffe zum 
Korntransport mit 200 000 Mann Besatzung hatte, die beständig in Thätigkeit waren,
	        

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Der Weltverkehr Und Seine Mittel. Verlag von Otto Spamer, 1913.
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