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Der Weltverkehr und seine Mittel

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Bibliographic data

fullscreen: Der Weltverkehr und seine Mittel

Monograph

Identifikator:
100624364X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-33077
Document type:
Monograph
Author:
Merckel, Curt http://d-nb.info/gnd/1024684814
Title:
Der Weltverkehr und seine Mittel
Edition:
Zehnte, durch einen Nachtrag ergänzte Auflage, Sonderausgabe aus dem Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von Otto Spamer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (X, 981 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Die Weltwirtschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der Weltverkehr und seine Mittel
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
  • Landstraßen
  • Die Eisenbahnen
  • Brücken und Viadukte
  • Wasserstraßen
  • Schiffbau
  • Posten und Postwesen
  • Entwicklung der Welttelegraphie
  • Die Weltwirtschaft
  • Die Fortschritte des Weltverkehrs seit 1900
  • Index

Full text

871 
Die Wirtschaft der höheren Naturvölker. 
Dabei erzeugt jede Familie so ziemlich alles, was sie bedarf, selbst. Eigene Berufs 
arbeiter, die ein bestimmtes Gewerbe betreiben, gibt es mit wenigen Ausnahmen nicht, 
die einzelnen Familienwirtschaften jedes Stammes bilden gewissermaßen eine Summe 
gleichartiger Einheiten, unter denen schon aus diesem Grunde zur Entwickelung eines 
wechselseitigen Ta lisch Verkehrs untereinander der Anlaß fehlt. 
Dazu kommt, daß in Bezug auf die Nahrungsmittel nahezu Gütergemeinschaft 
herrscht. Es gilt vielfach dem Diebstahle gleich, dem Nachbar von einem geschlachteten 
Stück Vieh nichts mitzuteilen, und ganze Gemeinden besuchen im Falle einer Mißernte 
ihre Nachbarn, um sich von ihnen erhalten zu lassen. Für Gebrauchsgegenstäude und 
Werkzeuge besieht unter den Stammesgenossen allgemein die Sitte des Leihens, die fast 
zu einer Verpflichtung wird. Übertragung von Gütern aus einer Wirtschaft in die andere 
kommt daher innerhalb des Stammes fast nur beim Frauenkaufe, bei der Entrichtung 
von Abgaben, Vermögensstrafen und Gaben an den Häuptling, Sänger, Tänzer oder Be 
schwörer vor. Dagegen hat sich wohl ein Verkehr von Stamm zu Stamm herausgebildet, 
der darin seinen Grund hat, daß einzelne Naturprodukte, wie z. B. Salz, Eisen, manche 
Tier- oder Pflanzenstoffe nicht überall vorkommen, oder daß die Angehörigen eines 
Stammes in der Herstellung einzelner Erzeugnisse besonders geschickt sind. 
Ursprünglich war dieser Verkehr kein Tauschverkehr. Die Einrichtung des Tausches 
ist dem Naturmenschen keineswegs etwas Geläufiges, und noch weniger kann von einer 
Neigung zum Tausche bei ihm gesprochen werden. Manche Stämme haben vom Tausche 
gar keinen Begriff, gleichwohl findet auch bei ihnen ein Verkehr von Stamm zu Stamm 
statt, der sich in der Form des Gastgeschenkes vollzieht. Der ankommende Fremdling 
erhält ein Geschenk, das er erwidert, worauf er bei der Abreise ein zweites Gastgeschenk 
erhält. Bezüglich der Gaben können Wünsche geäußert werden, und kein Teil ist seiner 
Gastpflicht eher ledig, als bis der andere sich befriedigt erklärt hat. Erst allmählich hat 
der Tausch sich hieraus entwickelt. Noch im Homerischen Zeitalter spielt das Gastgeschenk 
für den Gütererwerb eine Rolle, die jene des Tausches oder Kaufes lveit überragt, und 
bei der Beschreibung königlicher Schätze wird in den Homerischen Gedichten zumeist der 
Raub oder die Schenkung durch einen Gastfreund, nicht der Tausch als die Quelle des 
Erwerbes angeführt. Auch die Sitten und Gebräuche, von denen bei einzelnen Völker 
schaften der Abschluß des Tausches begleitet ist, deutet auf seinen Ursprung aus dem 
Gastgeschenke zurück. 
Mit der Zeit schuf sich dann der auf diese Weise entstehende Tauschverkehr seine eigenen 
Einrichtungen. Es entstanden die Märkte, zumeist auf Plätzen, die in der Nähe der 
Stammesgrenzen liegen, oft an Orten, welche durch eine religiöse Überlieferung geheiligt 
sind. Sie bilden ein neutrales Gebiet, auf dem alle Feindschaft ruhen muß, und strenge 
Strafen schützen den Marktfrieden. Jeder Stamm bringt auf den Markt, was ihm im 
Gegensatze zu dem anderen an Naturprodukten oder Erzeugnissen der Handfertigkeit 
eigentümlich ist, und er tauscht dafür Produkte ein, die er überhaupt nicht oder doch nicht 
ebenso gut wie der Nachbarstamm erzeugt. Auf diese Weise wird jeder Stamm wieder 
veranlaßt, jene Erzeugnisse, die seine Besonderheit bilden, in überschüssiger Menge hervor 
zubringen, um dafür auf dem Markte die eigentümlichen Erzeugnisse anderer Stämme 
eintauschen zu können. Es entwickelt sich eine Art internationaler Arbeitsteilung 
im kleinen, lange Zeit bevor innerhalb des Volkes eine Teilung der Arbeit von 
Wirtschaft zu Wirtschaft stattgefunden hat. 
Mit den Märkten und dem Tauschverkehr von Stamm zu Stamm steht zum Teil 
auch die Entstehung des Geldes im Zusammenhang. Es ist leicht begreiflich, daß für 
jeden Stamm die Ware, die er selbst nicht erzeugt, sondern von Fremden regelmäßig 
eintauscht, zum allgemeinen Tauschmittel wird, das jeder annimmt und wofür alles 
zu haben ist. Da er seinen Besitz an solcher Tauschware nicht willkürlich vermehren 
kann, so wird sie zum Wertmaße für den übrigen Besitz, und bald wird sie auch zu 
Wertübertragungen unter Stammesgenossen (z. B. beim Brautkaufe, bei der Ent 
richtung von Abgaben) und zur Schatzbildung benützt. Selbstverständlich ist das Um
	        

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Der Weltverkehr Und Seine Mittel. Verlag von Otto Spamer, 1913.
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