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Der Weltverkehr und seine Mittel

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Bibliographic data

fullscreen: Der Weltverkehr und seine Mittel

Monograph

Identifikator:
100624364X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-33077
Document type:
Monograph
Author:
Merckel, Curt http://d-nb.info/gnd/1024684814
Title:
Der Weltverkehr und seine Mittel
Edition:
Zehnte, durch einen Nachtrag ergänzte Auflage, Sonderausgabe aus dem Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Verlag von Otto Spamer
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (X, 981 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Die Weltwirtschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der Weltverkehr und seine Mittel
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Die geschichtliche Entwicklung des Verkehrswesens
  • Landstraßen
  • Die Eisenbahnen
  • Brücken und Viadukte
  • Wasserstraßen
  • Schiffbau
  • Posten und Postwesen
  • Entwicklung der Welttelegraphie
  • Die Weltwirtschaft
  • Die Fortschritte des Weltverkehrs seit 1900
  • Index

Full text

881 
Die Volkswirtschaft. 
fassung des Arbeitsverhältnisses mit sich. Der Arbeiter, der jetzt die Gründung einer 
Familie und eines Hausstandes nicht mehr bis zur Erlangung der Selbständigkeit hinaus 
schieben kann, fordert eine unabhängigere Stellung; er tritt aus dem Familienverbande 
des Unternehmers heraus, und je hoffnungsloser er in Bezug auf seine produktive 
Thätigkeit in Abhängigkeit vom Unternehmer versinkt, desto freier und unabhängiger strebt 
er sich hinsichtlich seiner Konsumtion zu machen. Er erhebt die Forderung nach einem 
höheren Anteil am Arbeitsertrag, nach besseren Arbeitsbedingungen, nach einer Lebens 
haltung, welche ihm schon als Arbeiter die Anteilnahme an der materiellen und geistigen 
Kultur des Volkes ermöglicht. Es kommt zu Jnteressenkonflikten, zu Klassengegensätzen 
und Kämpfen zwischen Unternehmern und Arbeitern, die soziale Frage meldet sich an, 
und die merkaniilistische Wirtschaftspolitik begegnet ihr zuerst dadurch, daß sie durch Lohn 
satzungen und Reglements eine Regelung des Arbeitsverhältnisses herbeizuführen strebt. 
War früher das Arbeitsverhältnis durch das Herkommen und durch die autonomen Fest 
setzungen der Zünfte, denen Meister und Gesellen als bis zu einem gewissen Grade 
gleichberechtigte Mitglieder angehörten, geregelt worden, so tritt jetzt dessen staatliche 
Ordnung ein; dabei wird jedoch der Arbeiter noch keineswegs als ein dem Unternehmer 
gleichberechtigter Vertragschließender aufgefaßt, die alte Vorstellung vom Arbeitsknechte 
wirkte noch nach. Das Arbeitsverhältnis wird zunächst als ein Herrschaftsverhältnis des 
Unternehmers über den Arbeiter beurteilt, ähnlich wie das des Grundherrn zu dem 
hörigen Bauer oder Landarbeiter. 
So tritt, geführt und gefördert vom absoluten Staat, eine durchgreifende Umwälzung 
des ganzen Wirtschaftslebens ein. Doch würde man irren, wenn man glauben wollte, 
daß alles Alte verschwunden und ein gründlicher Umsturz eingetreten wäre. Im Gegenteil, 
durchsetzt und umsponnen von den Lebensäußerungen der neu entstandenen Volkswirtschaft, 
bestanden die Überreste vergangener Wirtschaftsepochen gewissermaßen versteinert noch 
fort: Die Grundlasten, die städtischen Wirtschaftsorganisationen mit ihren Zünften und 
Bannrechten, die zahlreichen Beschränkungen der Freizügigkeit. Im Verein mit den Be 
schränkungen, welche der Merkantilismus selbst nach anderer Richtung hin wieder mit sich 
brachte, wie die Monopole und Privilegien, die Ein- und Ausfuhrsbeschränkungen, die 
Reglementierung des gesamten Wirtschaftslebens, führte dies zu geradezu unerträglichen 
Zuständen, sobald die Volkswirtschaft erstarkt und der gängelnden Hand des Staates 
entwachsen war. Die geweckten wirtschaftlichen Kräfte verlangten nach freier, un 
gehemmter Entfaltung. Der Ausdruck dieses Strebens ist die physiokratische Lehre und 
der aus ihr entsprungene wirtschaftliche Liberalismus, welchervolle Freiheit des wirt 
schaftlichen Lebens, Beseitigung der bestehenden Schranken, Nichteinmischung des Staates 
in die wirtschaftlichen Verhältnisse fordert. Diese Lehre ist eigentlich nichts als die natur 
gemäße Folge des merkantilistischen Systems. Die Erziehungsmittel, die dieses gebraucht, 
wurden überflüssig, sobald ihr Zweck erreicht war. Das alte Wirtschaftsrecht mußte fallen, 
sobald es in Widerspruch mit der neuen Entwickelung stand. 
Auf politischem Gebiete entspricht dem das Streben des Bürgerstandes, als des 
Trägers der neuen Entwickelung, nach Anteil am Staatsleben, und der politische Sieg 
des bürgerlichen Liberalismus, der die Revolutionszeit von 1789—1848 abschloß, war 
größtenteils nur eine Folge der Umwälzung, die sich in den wirtschaftlichen Verhältnissen 
vollzogen hatte. An die erste merkantilistische Epoche der Volkswirtschaft 
schließt sich die liberalistische. Der Großgrundbesitz hatte aufgehört, die wirtschaftlich 
mächtigste Klasse im Staate zu sein, damit fiel auch die feudale Organisation der Land 
wirtschaft, die Leibeigenschaft wurde aufgehoben, die Grundlasten, und Fronden ab 
gelöst, die Frciteilbarkeit und die freie Veräußerung des Grundes und Bodens anerkannt. 
Auch das besondere bäuerliche Erbrecht, das die Nachfolge eines Haupterben in den Besitz 
des Hofes sicherte, wurde in den meisten Ländern beseitigt, und war in älterer Zeit das 
gesamte Rechtsleben von agrarischen Anschauungen beherrscht, so werden jetzt auch für 
die Ordnung der landwirtschaftlichen Verhältnisse Rechtsanschauungen maßgebend, die 
dem Verkehrsleben des Kapital besitzenden Bürgertums entspringen. Die Auflösung der 
111
	        

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Der Weltverkehr Und Seine Mittel. Verlag von Otto Spamer, 1913.
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