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Finanzwissenschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Finanzwissenschaft

Monograph

Identifikator:
1017727422
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56103
Document type:
Monograph
Author:
Földes, Béla http://d-nb.info/gnd/119338211
Title:
Finanzwissenschaft
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XIV, 686 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Finanzwissenschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

IV. Abschnitt. Staatsschatz und Reserve. 
173 
Bedürfnissen entzogen, so daß für Deckung der letzteren andere 
Einnahmsquellen in Anspruch genommen werden müssen, eventuell 
mehr Steuer eingehoben werden muß. Die Ansammlung entzieht 
die Edelmetalle der Verwendung, häuft dieselben in unproduktiver 
Weise an, verursacht großen Zinsverlust, abgesehen von dem Ver 
lust, der mit deren Ausschaltung auch sonst verbunden ist. Hierzu 
kommt, daß der eigentliche Zweck nicht immer erreicht wird. Der 
Schatz wird nicht immer für außerordentliche, namentlich Kriegs 
ausgaben zurückgehalten, da schon seine Existenz zu Ausgaben 
reizt, so daß derselbe Angriffen stets ausgesetzt ist. Natürlich eifert 
die Schatzbildung des einen Staates auch die anderen Staaten zu 
gleichem Vorgehen an, wodurch der Friede mehr gefährdet als ge 
sichert erscheint. Auch in politischer Beziehung ist der Schatz be 
denklich, da er die Regierung vom gesetzgebenden Faktor unab 
hängig macht und so leicht zu abenteuerlichen Entschlüssen führt. 
Diese Momente zusammengenommen haben im Laufe der Zeit die 
Auffassung gereift, daß die Ansammlung des Staatsschatzes irra 
tionell ist. 
Die Verteidigung der Institution des Staatsschatzes beschränkt 
sich demzufolge in der Gegenwart hauptsächlich auf das eine Mo 
ment, daß es wünschenswert erscheint, wonach eine Regierung bei 
Ausbruch eines Krieges nicht sogleich mit schweren Geldsorgen zu 
schaffen haben solle. Namentlich für die Kosten der Mobilisierung 
soll gesorgt sein, da oft die ersten Tage entscheidend sind und nach 
einem Erfolge auch der Geldmarkt sich entgegenkommender zeigt. 
Es hat auch eine Schule von Strategen gegeben, die gerade auf 
den ersten bedeutenden Erfolg Gewicht legten und erwarteten, daß 
ein solcher von endgültiger Entscheidung sein muß. Der lang 
andauernde Weltkrieg bestätigt diese Auffassung nicht, denn die 
großartigen Erfolge der deutschen Waffen in Belgien und Frank 
reich haben das Unglück eines langen Krieges nicht abzuwenden 
vermocht. 
In der Frage des Staatsschatzes, die die liberale Nationalöko 
nomie fast als entschieden hinstellte, haben namentlich die neueren 
Erfahrungen eine gewisse Wendung herbeigeführt. Bekanntlich hat 
auf preußischer Seite sich in den Kriegsjahren von 1860 und 1870/71 
der Staatsschatz bewährt. Bei Beginn des Deutsch-Französischen 
Krieges hatte in Berlin der Staatskredit mit großen Schwierigkeiten 
zu kämpfen. Der Norddeutsche Bund legte eine Anleihe von 120 
Millionen Taler zu 5 Prozent auf, zum Kurse von 88; hiervon 
wurde an der Berliner Börse bloß wenig gezeichnet; den größten
	        

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Finanzwissenschaft. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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