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Finanzwissenschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Finanzwissenschaft

Monograph

Identifikator:
1017727422
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56103
Document type:
Monograph
Author:
Földes, Béla http://d-nb.info/gnd/119338211
Title:
Finanzwissenschaft
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XIV, 686 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Finanzwissenschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

I. Abschnitt. Allgemeine Lehren. 
583 
Kriegsschuld von 1000 Milliarden Mark verursacht. Die euro- [ 
päischen Staaten haben also für den Zinsendienst jährlich 50—60 
Milliarden Mark aufzubringen, was wenigstens das Doppelte des 
bisherigen jährlichen Bedürfnisses ist. Die Zentralmächte haben 
nur eine geringfügige Schuld im Auslande kontrahiert, schulden 
also nur den eigenen Staatsbürgern; die Ententestaaten haben große 
Beträge im Auslande ausgenommen, dem sie also jährlich be 
deutende Summen zu zahlen haben werden. Der größte Teil der 
Schulden der Entente an das Ausland diente zur Deckung der 
dortigen Einkäufe an Munition, Lebensmittel, Schiffe usw.; es hat 
also keine Übertragung von Geldmitteln stattgefunden, sondern nur 
eine Transaktion, indem der Schuldnerstaat nicht den Produzenten, 
sondern den Geldleihern obligiert ist. Auch sonst haben die 
Anlehen tief ins wirtschaftliche Leben eingegriffen, wie wir dies 
weiter unten eingehender untersuchen werden. Nur mit Hinsicht 
auf die fantastische Ausdehnung des Staatskredits liegt der Schluß 
nahe, daß diese faßt wahnsinnige Ausdehnung des Staatskredits ein 
gewichtiges Veto gegen Staatsschulden bildet, ganz abgesehen da 
von, daß diese kolossale Ausdehnung nur dem Geist der Vernichtung 
diente und kaum andere Resultate hinter sich lassen wird, als die 
Verarmung Europas. Die historisch entwickelten Formen des 
Staats- und Gesellschaftslebens sind in der Weise untergraben, daß 
ein Retablissement kaum denkbar ist, wenigstens für lange Zeit 
nicht. Dies hätte jedenfalls ein Zustand, der dem Staatskredit 
engere Grenzen gesetzt hätte, verhindert und wir stehen nicht an 
zu behaupten, daß wir die eventuell sich ergebenden politischen 
Folgen als weniger gefährlich betrachten, als jenes Resultat, wonach 
ein großer Teil der männlichen Bevölkerung auf dem Schlachtfelde 
modert, ein Teil auf dem siechen Bett ruht, der übrige verarmt, weite 
Landesgebiete verwüstet und verödet, wirtschaftliche, kulturelle und 
ethische Werte vernichtet sind, zu Nutz und Frommen einiger 
Politiker und Heereslieferanten. 
5. Die Grenznutzestheorie hat es versucht auch von ihrem 
Standpunkte die Erscheinungen des Staatskredits zu erklären (Sax, 
Ricca-Salerno usw.). Natürlich ist auch der Staatskredit jenem 
allgemeinen Wertgesetz unterworfen, wonach die Wirtschaft nach 
der höchstmöglichen Steigerung des Wertes trachtet. Wie in der 
Privatwirtschaft, so treten auch in der Staatswirtschaft außer 
ordentliche Bedürfnisse auf, welche Befriedigung heischen. Diese 
außerordentlichen Bedürfnisse erfordern eventuell solche Opfer, 
welche nur dann gebracht werden können, wenn andere Bedürfnisse 
nicht befriedigt werden und wenn das neue Bedürfnis große Opfer
	        

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Finanzwissenschaft. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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