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Finanzwissenschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Finanzwissenschaft

Monograph

Identifikator:
1017727422
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56103
Document type:
Monograph
Author:
Földes, Béla http://d-nb.info/gnd/119338211
Title:
Finanzwissenschaft
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XIV, 686 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Finanzwissenschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

590 
5. Buch. Der Staatskredit. 
ist von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Wenn es auch eine 
Übertreibung ist, daß der Staatskredit die großen Vermögen ge 
schaffen hat, so ist es doch gewiß, daß derselbe die Bildung großer 
Vermögen bedeutend gefördert und in dieser Richtung tätige Ten 
denzen verstärkt hat. Daß der Staatskredit nicht allein die Kon 
zentration des Vermögens geschaffen hat, ergibt sich schon daraus, 
daß er das Bestehen großer Vermögen zu seiner Voraussetzung 
hat. Wohl aber ist zu konstatieren, daß der Staatskredit insbe 
sondere die konjunkturale Vermögensbildung befördert, indem 
diejenigen, die in kritischen Zeiten den Staat mit Anleihen unter 
stützen, in friedlichen Zeiten auf die rasche und ansehnliche Ver 
mehrung ihres Vermögens rechnen können. Dies ist aber nur recht 
und billig, denn es ist ja mit großer Gefahr verbunden, dem Staate 
in trüben Zeiten Geld zur Verfügung zu stellen, das die Not und 
Gefahr beseitigen hilft. Übrigens ist darauf hinzuweisen, daß der 
Staatskredit nicht minder die Schaffung kleiner Vermögen befördert, 
denn Viele, die nicht in der Lage sind, größere Kapitalien zur 
Gründung von Unternehmungen usw. anzusammeln oder deren Beruf 
hiervon abhält, in bescheidenen Summen Vermögen ansammeln, das 
sonst nicht entstanden wäre, da dieselben zu anderen Schuldnern, 
Privaten, Aktiengesellschaften usw. kein Vertrauen haben. Darum 
ist es auch ganz besonders wünschenswert, daß die Staatsschuld in 
die breiten Schichten des Volkes eindringe. Freilich hat das auch 
manchen Nachteil. Erstens aus dem Grunde, weil je größer die 
Zahl der Staatsgläubiger, desto größer ist auch die Zahl derjenigen, 
die von Rentenbezügen arbeitslos leben, was viel Arbeits- und 
Kapitalkraft von produktiven Verwendungen ablenkt. Auch poli 
tisch zeigt sich die Gefahr, denn die Menge ist durch Vorgaukeln 
von Hoffnungen oder durch Andeutung von Gefahren leicht ein 
zuschüchtern. Finanziell ist jedenfalls eine stark pulverisierte 
Staatsschuld kostspieliger zu verwalten. Jede Staatsschuld ruft 
natürlich soziale Interessengegensätze hervor, da ein Teil der Be 
völkerung Gläubiger, der andere Schuldner des Staates ist, welch 
letzterer in der Steuer für die Befriedigung der ersteren zu sorgen 
hat, und da die letzteren natürlich die mit großen Vermögen Ge 
segneten sind, so vermehrt der Staatskredit jene Faktoren, welche 
soziale Reibungen hervorrufen und führt zu dem Bestreben, den 
Staat dem einen oder dem anderen Interesse zu unterwerfen. Schon 
Haller befürchtet, daß die Staatsschuld die Gesellschaft in zwei 
Lager teilt. Richelieu, Robespierre, Rothschild sind nach Heine jene 
drei terroristischen Namen, welche die gradweise Vernichtung der 
Aristokratie bedeuten, Europas fürchterlichste Nivelleure.
	        

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Finanzwissenschaft. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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