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Finanzwissenschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Finanzwissenschaft

Monograph

Identifikator:
1017727422
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56103
Document type:
Monograph
Author:
Földes, Béla http://d-nb.info/gnd/119338211
Title:
Finanzwissenschaft
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XIV, 686 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Finanzwissenschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

592 
5. Bach. Der Staatskredit. 
des Staatskredites in den internationalen Beziehungen geltend. Die 
schwächeren, fremden Kredit benötigenden Staaten geraten in poli 
tische Abhängigkeit der reichen kreditgewährenden Staaten, werden 
tributpflichtig und müssen oft deren Oberhoheit anerkennen, deren 
Kontrolle sich unterwerfen. Beispiele hierfür die Türkei, Ägypten, 
Griechenland, Serbien, Peru, China usw. Im Weltkriege sind alle 
Staaten der Entente zu Schuldnern von England, des Geldgebers, 
geworden, England selbst ist von Amerika abhängig geworden und 
mußte manche beschämende Bedingung annehmen. Die beschä 
mendsten Bedingungen aber stellte England an seine Bundesgenossen. 
In der Regel mußten sie Faustpfand geben, so Golddepots. Das 
im Juli 1916 in Amerika emittierte französische Anlehen wurde 
durch pfandweise Übergabe von argentinischen, norwegischen, däni 
schen, schweizerischen, holländischen, brasilianischen, ägyptischen 
Staatspapieren, Suezkanalaktien usw. sichergestellt. Jene Theorie 
des internationalen Rechtes, daß das Vermögen des Einzelnen in 
die Interessensphäre des Ganzen gehöre, verlieh den Staaten das 
Recht, den Interessen ihrer Untertanen eventuell auch durch mili 
tärische Intervention Geltung zu verschaffen Dies ist die Ansicht 
bedeutender Völkerrechtslehrer und Staatsmänner. Hieraus ist leicht 
ersichtlich, daß der Staatskredit auch den Keim internationaler 
Zwiste in sich birgt und Grund und Vorwand für Einmischung 
und Annexion abgeben kann. Auch staatsrechtliche Konflikte können 
sich aus dem Staatskredit ergeben, wenn in Staatenverbindungen 
Steuer- und Finanzwesen nicht auf gleicher Basis beruhen und auf 
dem einen Gebiete die Souveränität des Teilstaates nach anderen 
Prinzipien geordnet ist, wie auf dem andern. Auch insofern birgt 
der internationale Kredit Gefahr, als es immer mehr in Gebrauch 
kam, den Schuldnerstaat zu verpflichten, seine industriellen Be 
stellungen in dem Gläubigerstaat zu machen. Auch im Weltkriege 
haben die Ententestaaten einen großen Teil der gewährten Kredite 
in Munition und Lebensmitteln aufgenommen. 
Eine der politischen Folgen des Staatskredits erblicken manche 
(Dudley Baxter usw.) darin, daß derselbe die Konkurrenz unter 
den einzelnen Staaten ungleich macht, da im wirtschaftlichen Wett 
eifer jener Staat, dessen Produktion weniger durch Staatsschulden 
belastet ist, den stärker belasteten besiegen wird. Baxter ist be 
sorgt um die Hegenomie Englands gegenüber den Vereinigten 
Staaten von Nordamerika und Deutschland, die zwei gefährlichsten 
Konkurrenten, da die Vereinigten Staaten ihre Schulden stark 
amortisieren, Deutschland überhaupt nur eine geringe Staatsschuld 
hatte. Unleugbar ist die Staatsschuld unter gewissen Umständen
	        

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Finanzwissenschaft. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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