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Finanzwissenschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Finanzwissenschaft

Monograph

Identifikator:
1017727422
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56103
Document type:
Monograph
Author:
Földes, Béla http://d-nb.info/gnd/119338211
Title:
Finanzwissenschaft
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XIV, 686 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Finanzwissenschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

604 
5. Buch. Der Staatskredit. 
Schuld wird durch den Umstand noch besonders drückend, daß nur 
ein kleiner Teil derselben zu produktiven Zwecken verwendet wurde. 
3. Der Staatskredit Preußens zeigt die langsame Entwicklung, 
die überhaupt die Eigentümlichkeit des kontinentalen Staatsschulden 
wesens ist. Die primitivsten Methoden der Schuldenaufnahme sind 
in Anwendung. Stände, Städte, Domkapitel geben auf kürzere 
oder längere Zeit Darlehen. Dabei erhält sich lange das Prinzip, 
daß die außerordentlichen Staatsbedürfnisse aus dem Staatsschatz 
zu decken sind. Eine größere und systematischere Inanspruchnahme 
des Staatskredites ist die Folge der französischen Kriege. Alle 
Übel der Unentwickeltheit des Staatskredites machen sich geltend; 
die Anlehen werden unter drückenden Bedingungen aufgenommen 
und sind schwer anzubringen. Auch Zwangsaniehen müssen auf 
genommen werden, die Münzen werden verschlechtert, alles Er 
scheinungen unentwickelter Zeiten. Manchmal ziehen sich die Ver 
handlungen wegen Aufnahme eines Anlehens Jahre hindurch, so in 
einem Falle mit Holland, wo sie anstatt der Summe von 32 Millionen 
Franken bloß 4 Millionen einbringen. Auch die Konfiskation der 
Kirchengüter und der Verkauf von Staatsgütern bringt nur geringe Re 
sultate. Die Beamten, die Heereslieferanten konnten nicht bezahlt 
werden. Zwangskonversionen werden durchgeführt, und zum Schluß 
muß auch Papiergeld ausgegeben werden. Es ist beinahe unglaublich, 
daß nach so vielem Elend doch der Staatskredit sich rasch erholte. 
Im Jahre 1830 wird es möglich, die öprozentige Staatsschuld auf 
eine 4 prozentige und einige Jahre später auf eine 3 ’/s prozentige 
zu konvertieren. Ein Vorteil lag später darin, daß ein großer 
Teil des Staatskredites zu produktiven Zwecken in Anspruch ge 
nommen wurde, namentlich Eisenbahnbauten. Die Eisenbahnen 
liefern auch bald die nötigen Summen zur Verzinsung und Amorti 
sation der Eisenbahnschuld. Die Kriege Preußens waren glück 
lichen Ausgangs und belasteten den Staatskredit nicht und mit der 
Entwicklung des Volksreichtums, des Kapitals und der Berliner 
Börse zeigt sich nach allen Richtungen hin eine günstige Ge 
staltung des Staatskredites. 
4. Auch in Österreich haben hauptsächlich Kriege, in erster 
Reihe die Türkenkriege, zum Entstehen und Anwachsen der Staats 
schuld geführt. Ein wichtiger Fortschritt war das Reifen des Prin 
zipes, daß jeder Herrscher die Schulden des Vorgängers übernimmt, 
und ferner, daß die Schuld das Gebiet belaste, also staatlichen 
Charakters ist. Maximilian II. verteilt die Schuld noch auf die 
einzelnen Länder, doch wird nicht weiter an dem staatlichen 
Charakter der durch die Fürsten aufgenommenen Anlehen ge-
	        

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Finanzwissenschaft. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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