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Finanzwissenschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Finanzwissenschaft

Monograph

Identifikator:
1017727422
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56103
Document type:
Monograph
Author:
Földes, Béla http://d-nb.info/gnd/119338211
Title:
Finanzwissenschaft
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XIV, 686 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Finanzwissenschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

V. Abschnitt. Die Papiergeldschuld. 
629 
Zu den Staaten, deren Volkswirtschaft fast beständig unter den 
Miseren des Papiergeldumlaufes litten, gehört in erster Reihe Öster 
reich. Das erste Papiergeld repräsentieren die im Jahre 1762 aus 
gegebenen Bankozettel, die aber keinen Zwangskurs genossen und 
vom Publikum gerne angenommen wurden. Der Umlauf betrug 
12 Millionen. Mit dem wiederkehrenden Defizit wurde die Menge 
der Noten stets vermehrt und deren Emission wurde in der Periode 
der Napoleonischen Kriege stetig fortgesetzt. Im Jahre 1796 wird 
die Einlösung suspendiert, worauf die Entwertung immer größer 
wurde. Alle Verfügungen versagten, es wurden bezahlte Agenten 
ins Land geschickt, die dem Publikum die Ursachen der Teuerung 
erklären sollten, die Blätter wurden unter Aufsicht gestellt, die 
Leseräume wurden geschlossen. Überdies wurde eine Billigkeits 
kommission installiert. Man wollte eine Metallanleihe aufnehmen, 
alles versagte. Das Agio stieg zeitweise auf 1200. Endlich er 
schien am 20. Februar 1811 das Devalvationspatent. Der Wert des 
Papiergeldes wurde auf den fünften Teil reduziert, die im Umlauf 
befindlichen 1060 Mill. Gulden wurden mit 212 Million Einlösungs 
scheinen eingewechselt. Ganze Klassen verarmten. Bald sank aber 
auch der Wert der Einlösungsscheine, das Disagio betrug im 
Jahre 1816 : 372. Es folgt die Gründung der Nationalbank, die 
mit der Einlösung des Papiergeldes betraut wurde und die trotz 
großer Schwierigkeiten so viel erreichte, daß im Jahre 1847 der 
Umlauf der alten Banknoten auf 7,8 Millionen sank. Mit dem 
Ausbruch der Revolution, dem Kriege in Italien, mußte die Ein 
lösung wieder suspendiert werden, es werden Staatsnoten ausge 
geben und die Papiergeldwirtschaft kehrt bald zu den früheren 
Zuständen zurück. Die Versuche, der Papiergeldwirtschaft zu ent 
gehen, vereitelt der italienische Krieg im Jahre 1859 und der 
preußische Krieg im Jahre 1866. Das Agio steigt zeitweilig über 
50 Prozent. 
Die Geschichte dreier Staaten, Rußland, Italien und die Ver 
einigten Staaten bieten lehrreiche Daten über die Verwüstungen, 
die das Papiergeld anzurichten vermag. Im großen ganzen ver 
schont blieben namentlich zwei Staaten, Preußen und England. 
Preußen hat wohl mehrmals Papiergeld emittiert, da sich aber der 
Umlauf in sehr engen Grenzen bewog, so haben sich die schlimmen 
Folgen nicht eingestellt. Auch in England war der Umlauf nicht 
exzessiv, trotzdem haben die nachteiligen Folgen große Unruhe ver 
ursacht, die dann zur Herstellung des Hartgeldumlaufes führten. 
Wir ersehen aus diesen kurz skizzierten Fällen, welche Ge 
fahren mit der Inanspruchnahme der Papiergeldschuld verbunden sind.
	        

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Finanzwissenschaft. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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