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Finanzwissenschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Finanzwissenschaft

Monograph

Identifikator:
1017727422
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56103
Document type:
Monograph
Author:
Földes, Béla http://d-nb.info/gnd/119338211
Title:
Finanzwissenschaft
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (XIV, 686 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Finanzwissenschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

672 
6. Buch. Die Verwaltung des Staatshaushaltes. 
« 
solchen Perioden vor sich gehen, wenn überhaupt das ganze Staats 
wesen große Umgestaltungen durchmacht. Dies ist die natürliche 
Folge der Relativität, der Wechselwirkung der staatlichen Institu 
tionen. Unter diesem Konservativismus ist aber nicht etwa das 
hartnäckige Kleben an Veraltetem zu verstehen; ist ja das Staats 
leben im steten Fluß von Werden und Vergehen, der morgige Tag 
findet schon Verhältnisse, die heute nicht waren. Das vorsichtige 
Weiterentwickeln sei die Maxime des Finanzministers. Er habe 
einen starken Willen und verschaffe demselben Geltung („Däs qu’il 
ne commande pas, il est commands"). Das oberste Organ muß 
ferner ordnungsliebend sein, wenn auch nicht pedantisch, denn in 
den materiellen Dingen ist die Ordnung die Hälfte des Erfolges. 
Ein Finanzminister, der die Bestätigung von auf Millionen sich be 
laufenden Summen auf einem auf einer Seite bereits beschriebenen 
Blatte ausstellt, kann den Staatshaushalt an den Rand des Abgrundes 
führen. Jenes Organ sei ferner vorsehend, denn sonst fehlt die 
planmäßige Führung des Staatshaushaltes und unangenehme Über 
raschungen können den Finanzen Krisen bereiten. Ein Minister, 
der am Fälligkeitstermine einer Schuld von einem Kreditinstitut 
zum andern läuft, oder die Kreuzer des Brückenzolles einer staat 
lichen Brücke zusammenscharren läßt, um seineu Verbindlichkeiten 
zu genügen, wird nicht nur unendliche Schäden verursachen, sondern 
die Regierung auch lächerlich machen 1 ). 
Ich kann mir nicht versagen, einiges aus jenem ebenso denk 
würdigen als lehrreichen Briefe hier anzuführen, den Turgot bei 
seiner Ernennung zum Finanzminister an den König richtete: 
„ . . . Majestät werden nicht vergessen, daß ich bei Annahme des 
Postens des Finanzministers vollauf den Wert des Vertrauens ge 
fühlt habe, womit sie mich beehrte; ich habe gefühlt, daß sie mir 
das Elend ihrer Völker und wenn es erlaubt ist zu sagen, die Sorge 
ihrer Person und ihre Autorität geliebt zu werden, anvertraue. 
Aber zu gleicher Zeit habe ich die volle Gefahr gefühlt, der ich 
mich aussetze. Ich habe vorhergesehen, daß ich allein dastehe, um 
gegen Mißbräuche aller Art zu kämpfen, gegen die Anstrengungen 
jener, die aus diesen Mißbräuchen Gewinn ziehen; gegen die Menge 
von Vorurteilen, die sich jeder Reform entgegensetzen und die ein 
so mächtiges Mittel sind in den Händen jener, die an der Ver 
ewigung der Unordnung interessiert sind. Ich werde sogar gegen 
l ) Mit welcher Leichtfertigkeit das Finanzportefeuille vergeben wird, das 
mag die Tatsache illustrieren, daß z. B. in Österreich im Verlaufe eines halben 
Jahrhunderts kaum 3—4 geeignete Männer diesen Posten bekleideten, hiervon 
abgesehen unwissende, oft geradezu gefährliche Persönlichkeiten.
	        

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Finanzwissenschaft. Verlag von Gustav Fischer, 1920.
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