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Kapitalismus und Sozialismus

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Bibliographic data

fullscreen: Kapitalismus und Sozialismus

Monograph

Identifikator:
1019428651
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-56798
Document type:
Monograph
Author:
Eckstein, Gustav http://d-nb.info/gnd/101214995
Title:
Kapitalismus und Sozialismus
Place of publication:
Wien
Publisher:
Verlag der Wiener Volksbuchhandlung
Year of publication:
1920
Scope:
1 Online-Ressource (120 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kapitalismus und Sozialismus
  • Title page
  • Contents

Full text

68 
kann, dafür aber doch nur 5 Mk. Lohn bekommt, dann stellt sich die Rech 
nung so: der Stotf u. s. tu. für zwei Röcke kostet 20 Mk., der Lohn 5 Mk., 
zusammen also 25 Mk. Verkaufen wird aber der Kleiderhändler die zwei 
Röcke um 36 Mk. Er hat also früher bei 15 Mk. Auslagen einen Gewinn 
von 3 Mk. gemacht, jetzt aber macht er auf 25 Mk. einen solchen von 11 Mk 
Da begreift man schon, daß es ihm um die Hetzerei zu tun ist. Das ist eben 
der Schaden des Stücklohnes, daß er die Arbeiter dazu zwingt, sich so ab 
zuhetzen." 
„Na, das bringen die Unternehmer sonst schon auch fertig, auch bein- 
reinen Zeitlohn", entgegnete ich. „Das ist schon eine eigene Kunst und Wissen 
schaft geworden, wie man aus dem Arbeiter die größtmögliche Leistung 
herauspreßt. Am abgefeimtesten sind darin heute die Amerikaner. Da las ich 
zum Beispiel neulich von einem Fabrikanten, der Arbeiter von verschiedenen 
Nationalitäten beschäftigte. Da wurde nun verkündet, daß die Fahne 
derjenigen Nation auf der Fabrik gehißt werden soll, die in der betreffenden 
Woche am tüchtigsten gearbeitet hat. Und richtig fielen die armen Teufel 
auf den groben Köder hinein. Zuerst legten sich die Russen furchtbar ins 
Zeug und erreichten es wirklich, daß ihre Flagge gehißt wurde. Aber schon 
in der nächsten Woche holten sie die Schweden herunter, zum Schluß aber 
siegten die Irländer. „Hoch die irische Fahne!" schrie ihr Vorarbeiter, als 
diese gehißt wurde, „und schaut zu, Burschen, daß kein verfluchter Protestant 
sie wieder herunterholt." Dieses schöne Mittel kostete den Unternehmer nur 
ein paar Lappen buntes Tuch, die Arbeiter aber strengten sich aufs äußerste 
an, wie sie glaubten, zur Ehre ihrer Nation, in Wckl)rheit aber nur für den 
Geldsack des Unternehmers. In den Schlachthäusern von Chikago zum Bei 
spiel haben sie wieder ein anderes System. Dort werden einige besondere 
gewandte und kräftige Arbeiter sehr hoch dafür bezahlt, daß sie mit Auf 
bietung aller Kräfte so schnell wie nur irgend möglich arbeiten. Die an- 
de«n, schlecht bezahlten Arbeiter müssen dann mit diesen Vorarbertern 
schritt halten, sonst werden sie entlassen. Diese sind gewöhnlich nach kurzer 
Zeit aufgebraucht, sie können die Hetzjagd nicht länger mitmachen. Dann 
werden eben wieder neue Vorarbeiter eingestellt, und die alten müssen froh 
sein, wenn sie in den Reihen der Gehetzten noch Platz finden. So geht die 
Zagd nach Profit schonungslos werter. Sie geht über die Leichen unzähliger 
Arbeiter hinweg, aber was kümmert das den Unternehmer, wenn es ein 
paar tausend Mark mehr zu ergattern gibt." 
Die Maschine. 
i. 
„Das wichtigste Mittel," meinte Karl, „diese Hetzjagd durchzuführen 
und noch zu beschleunigen, ist aber doch wohl die Maschine. Denn wird die 
in schnellerem Lauf gesetzt, so müssen die Arbeiter mit, ob sie wollen oder 
nicht. Deshalb stellen die Fabrikanten auch immer neue Maschinen ein." 
„Das dürfte wohl dabei keine so große Rolle spielen," antwortete ich: 
denn die Beschleunigung der Arbeit, die auf diese Weise erzielt wird, hat 
ziemlich enge Grenzen. Läuft die Maschine so rasch, daß der Arbeiter nicht 
mehr gut nachkommen kann oder will, dann wird nicht nur das Produkt 
verdorben, sondern auch noch die Maschine selbst. Das kann also jedenfalls 
nicht der Hauptgrund für die Einführung neuer Maschinen sein."
	        

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Die Theerfarben-Fabriken Der Herren Meister, Lucius & Brüning Zu Höchst a. Main, in Sanitärer Und Socialer Beziehung. Schumacher, 1880.
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