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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

18 
Erstes Buch. Die Begründer. 
Mehrwert nicht öfter und nicht seltner in der landwirtschaftlichen 
als in der industriellen Produktion in Erscheinung treten. Er wird 
sich in der einen nicht mehr als in der anderen überall dort be 
merkbar machen, wo beide dem Gesetz der Konkurrenz unterworfen 
sind; im Gegenteil wird er überall dort, wo ein Monopol besteht, in 
der einen wie der anderen auftreten. Es bleibt daher nur die Frage, 
ob Monopolwerte in der landwirtschaftlichen Produktion öfter als in 
der industriellen Produktion Vorkommen. Ganz allgemein kann man 
diese Frage bejahen, da die Menge des Bodens der Natur der Sache 
nach begrenzt ist, und infolgedessen bleibt ein gewisser Teil Wahr 
heit in der physiokratischen Theorie bestehen, — obgleich die Auf 
stellung von Schutzzöllen in jedem Lande und die landwirtschaft 
lichen Krisen bezeichnend genug für den starken Einfluß der Kon 
kurrenz auf den Boden sind. Jedenfalls ist dies aber nur eine Frage 
der Praxis. 
Der Reinertrag im physiokratischen Sinne ist also nur eine 
Illusion; er kann weder in der Schöpfung eines Stoffes, noch in der 
eines Wertes gesucht werden. Diese Illusion läßt sich aber aus 
dem geschichtlichen Milieu, in dem die Physiokraten lebten, erklären. 
Was sahen sie damals? Eine ganze Klasse von Menschen, der Ade! 
und die Geistlichkeit, lebten von den Pachterträgnissen ihrer 
Ländereien; wie aber hätten sie leben können, wenn die Erde nicht 
die Kraft gehabt hätte, außer den von den Bauern verbrauchten 
Erzeugnissen noch den nötigen Überschuß hervorzubringen, um den 
Besitzern die Möglichkeit einer vornehmen Lebensführung zu ge 
währen? Es wirkt ganz eigentümlich, wenn man bedenkt, daß sie 
wohl in den Handwerkern Stipendienempfänger im Dienste der Land 
wirte sahen, aber nicht auf den Gedanken kamen, daß die müßigen 
Landbesitzer ebensogut als Stipendienempfänger der Pächter ange 
sprochen werden könnten. Wenn es zu ihrer Zeit eine zahlreiche 
Klasse von Aktionären gegeben hätte, denen ihre Renten gestatteten, 
ein ebenso „vornehmes“ Leben zu führen, würden die Physiokraten 
wahrscheinlich auf das Bestehen eines industriellen Reinertrages ge 
schlossen haben. 
Der Gedanke, daß die Natur oder Gott mittels der Erde Werte 
schafft, war übrigens ziemlich eingewurzelt, da ja A. Smith, wie wir 
sehen werden, ihn noch bis zu einem gewissen Grade gelten läßt. 
Erst bei Ricaedo erscheint das Einkommen aus Grundbesitz, in voll 
ständiger Umkehrung der Rollen, nicht mehr als ein Segen der Natur 
und des Bodens, als alma parens, mit der Bestimmung, zugleich 
mit dem Wachstum der natürlichen Ordnung größer zu werden, 
sondern als eine Folge der Beschränktheit und wachsenden Unfrucht 
barkeit des Bodens; nicht mehr als ein Gratisgeschenk Gottes an die
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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