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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Die Begründer
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

Kapitel I. Die Physiokraten. 
31 
als Durst spüre, während umgekehrt du mehr Durst als Hunger hast; 
folglich hat die Flasche Wein, dadurch, daß sie von mir auf dich 
übergeht, an Nützlichkeit gewonnen, wie gleicherweise das Brot, das 
von dir auf mich übergegangen ist. In dieser doppelten Nützlich 
keitsvermehrung sehen wir eine wirkliche Vermehrung an Wert. 
Dieser Gedankengang würde aber den Physiokraten absurd erschienen 
sein, da sie unter Werten (richesses) nur materielle Güter verstanden 
und nicht eingesehen hätten, daß man die Schaffung von weiter nichts 
als subjektivem Nutzen produktiv nennen kann. 
Was den Handel anbelangt, so wissen wir schon, daß sie den 
Kaufmann zusammen mit dem Fabrikanten in die sterile Klasse ver 
wiesen. Das ist an sich schon bezeichnend genug. Dieses einfache 
Wort schlägt alle seit 2 Jahrhunderten vom Merkantilismus gelehrten 
Theorien, die im Außenhandel das wahre Bereicherungsmittel eines 
Landes sahen, zusammen. Die Merkantilisten stellten sich den Staat 
unter dem Bilde eines reichen holländischen Kaufherrn vor; die 
Physiokraten aber unter dem eines Landedelmannes, der auf und von 
«einen Landgütern lebt. 
Der Außenhandel bringt, nach ihrer Ansicht, ebensowenig wie 
der Innenhandel irgendwelchen wirklichen Reichtum, sondern nur 
einen Gewinn, hervor, w r as etwas ganz anderes ist; denn das, was 
der Eine gewinnt, büßt der Andere ein. „Alle handeltreibenden Völker 
'eben in dem Glauben, daß sie sich durch den Handel bereichern; 
über, wie eigentümlich, alle glauben sich zu bereichern, indem sie an 
den Anderen verdienen. Man muß zugeben, daß dieser vorgebliche 
Gewinn, so wie sie ihn auffassen, etwas ganz Wunderbares ist, denn 
uach dieser Meinung gewinnt jeder und verliert keiner“ 1 ). Es unter 
legt keinem Zweifel, daß ein Land gezwungen sein kann, Güter aus 
dem Ausland kommen zu lassen, die es selbst nicht erzeugen kann, 
und ihm solche abzulassen, die es selbst nicht verbrauchen kann. 
Leshalb ist der Außenhandei unentbehrlich, aber er ist, sagt Mebcier 
de la Reviere, und er unterstreicht das Wort: ein notwendiges 
Übel 2 ). 
Quesnay begnügt sich, ihn einen Notbehelf zu nennen 8 ). Der 
einzig wirklich nützliche Tausch ist der, welcher die Erzeugnisse 
direkt aus der Hand des Landwirtes in die des Verbrauchers bringt, 
') Mercibb de la KivikEE, S. 545. 
2 ) S. 548. 
. “) .Geldbilanz ist im Außenhandel nur ein Notbehelf für die Völker, die für 
1 en gleichen Zweck keine Produkte zurückerhalten können . .. Auch ist der Außen- 
landtl selbst nur ein Notbehelf für die Völker, deren Innenhandel nieht genügt, um 
te Erzeugnisse ihres Landes vorteilhaft abzusetzen ... Es ist höchst sonderbar, 
aß man dieser Geldbilanz so große Bedeutung beimißt, die doch nur ein Notbehelf 
mr den Handel ist“ (Quesnay, Dialogues, S. 175).
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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