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Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

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Bibliographic data

fullscreen: Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung

Monograph

Identifikator:
1033562599
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-54741
Document type:
Monograph
Author:
Kampffmeyer, Paul http://d-nb.info/gnd/116038365
Title:
Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Buchhandlung Vorwärts
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (122 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Kapitel. Die Ehe und die Prostitution
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung und ihre sozialpolitische Bekämpfung
  • Title page
  • 1. Kapitel. Die Ehe und die Prostitution
  • 2. Kapitel. Die Prostitution als soziale Klassenerscheinung der Stadt
  • 3. Kapitel. Der soziale Schuldbetrag der Prostitution
  • 4. Kapitel. Die staatliche Reglementierung der Prostitution
  • 5. Kapitel. Krankenkasseneinrichtungen zur unentgeltlichen Behandlung Venerischer
  • 6. Kapitel. Die wohnungsgesetzliche Bekämpfung der Mißstände der Prostituiertenwohnungen
  • 7. Kapitel. Die Zerrüttung der Familie und die Prostitution Jugendlicher
  • 8. Kapitel. Fürsorge-Einrichtungen für Minderjährige als Schutzwehren gegen die Prostitution derselben
  • 9. Kapitel. Staatliche und kommunale Zufluchts- und Erziehungsstätten für erwachsene Prostituierte
  • 10. Kapitel. Die Prostitution der dienenden Klasse und ihre Eindämmung
  • 11. Kapitel. Die Prostitution als Klassenerscheinung und ihre Ueberwindung
  • Contents

Full text

6 
Die Gesellschaft braucht durchaus noch nicht zur strengen Ein 
ehe fortgeschritten zu sein, wenn sie bestimmte Formen des außer 
ehelichen Beischlafes als Prostitutionsakte brandmarkt. Die alten 
Patriarchen des jüdischen Volkes lebten polygamisch, der Zwang zur 
Einehe bestand nur für die Frau, und dennoch tauchen in diesen 
patriarchalischen Tagen schon die sicheren Anzeichen der Prostitution 
auf. Auf offener Straße, wo sonst die Huren zu sitzen pflegen, er 
wartet Thamar tief verschleiert ihren Schwiegervater Inda. „Da 
sie nun Juda sahe," erzählt Me Bibel, „meinte er, es wäre eine 
Hure, denn sie hatte ihr Angesicht verdeckest" Juda läßt in ihren 
Händen ein Pfand zurück, das er gegen ein Böcklein als Lohn feiler 
Liebe eintauschen will. Jedoch der Knecht, der das Böcklein der 
vermeintlichen Hure überreichen will, findet sie nicht mehr. Nach 
einiger Zeit dringt das Gerücht aber zu Juda: Thamar sei von 
Hurerei schwanger geworden. Und nun soll Thamar als eine voll- 
bürtige Jüdin den Feuertod sterben; denn nicht die Jüdin, nein nur 
das landcsfremde Weib durfte ihren Leib verkaufen. Die Jüdin 
lebte in einer monogamischen Familie, jeder außereheliche Verkehr 
war für sie eine schwere Versündigung gegen Recht und Sitte. Das 
fünfte Buch Moses verkündet den Juden im 23. Kapitel: „Es soll 
keine Hure sein unter den Töchtern Israels und kein Hurer unter 
den Söhnen Israels." 
In Athen ist zur Zeit der Blüte dieser Stadt die Monogamie 
die herrschende Eheform. Nur die in einer Einehe mit einer 
athenischen Bürgerin erzeugten Kinder sind freie athenische Bürger. 
Der Athener selbst war an den Verkehr mit seiner legitimen Gattin 
durchaus nicht gebunden. Fm eigenen Hause waren ihm die 
Sklavinnen zu Willen, er erheiterte sich mit Flötenspielerinnen und 
vergnügte sich in den feilen Umarmungen von Hetären. 
Die Prostituierte Griechenlands, so auffällig und lärmend sie 
sich auch im öffentlichen Leben bewegte, ist sozial mißachtet. Die 
Prostituierte treibt einen wirklichen Schacher mit ihren Um 
armungen. Die Prostitution ist in Griechenland eine vom Volks 
bewußtsein abfällig beurteilte, eine sittlich tief eingeschätzte Sozial 
erscheinung. Die Hingabe der Frau an den Gastfreund, die in 
früheren Gesellschaftsepochen blühte und in der Geschichte 
der Prostitution vielfach mit Unrecht als ein Prostitutions 
akt gebucht ist, entbehrte aller wirklichen Merkmale der 
Prostitution. Diese Hingabe war nicht an Geschenke geknüpft. 
Sie. wurde allgemein als Volkssitte geübt, und auf ihr 
ruhte daher nicht der Fluch der sozialen Mißachtung. Auch 
wenn sich die Mädchen Babylons nach dem Berichte Herodots 
den Fremden in die Arme warfen und Geldgeschenke von ihnen 
empfingen, so prostituierten sie sich eigentlich nicht, das heißt, sie 
stellten sich nicht znr Schande aus, sondern sie huldigten nur einem 
allgemeinen, von dem Volksbewußtsein mit Ehrfurcht betrachteten 
Religionsgebrauche: Ter Geograph Strabo spricht von der Hingabe
	        

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Die Prostitution Als Soziale Klassenerscheinung Und Ihre Sozialpolitische Bekämpfung. Buchhandlung Vorwärts, 1905.
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