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Die Arbeiterfrage

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Bibliographic data

Full text: Die Arbeiterfrage

Monograph

Identifikator:
1689791993
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-102080
Document type:
Monograph
Author:
Kaufmann, Paul http://d-nb.info/gnd/116074965
Title:
Leistung und Wert
Place of publication:
Würzburg
Publisher:
Memminger
Year of publication:
1926
Scope:
247 Seiten
graph. Darst.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Die Schenkung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Arbeiterfrage
  • Title page
  • A. Erhebungs-Methode
  • B. Das seelische Verhältnis der Arbeiter zu ihrer berufsmäßigen Arbeit und ihren Arbeitsbedingungen
  • C. Die positive Wünsche der Arbeiter in bezug auf die Umgestaltung ihrer ökonomischen Lage
  • D. Die Beziehungen der Arbeiter zu den sozialen Gemeinschaften
  • E. Die Stellung der Arbeiter zu den außenberuflichen Kultur- und Lebensproblemen
  • F. Schluß

Full text

über das unpersönliche Niveau eines Erzeugers ökonomischer 
.Werte emporzuheben, der Arbeiter wurde sich stolz bewußt, 
wieviel für ihn selbst, seine Familie, seine Klasse, ja, die ge 
samte Menschheit von seinem Verstehen, Denken, Wollen und 
Handeln abhing. Auch die Niederringung selbstsüchtiger In 
stinkte und deren Ersatz durch Gefühle der Gemeinsamkeit, 
Berufs- und Standessolidarität, ist als moralischer Erfolg zu 
buchen. „Ich bin nicht Sozialdemokrat, weil ich über Um 
gerechtigkeiten, die mir widerfahren, empört bin,“ schreibt ein 
Metallarbeiter, „sondern ich bin es, weil ich sehen muß, wie 
Tausende und Abertausende in Not und Elend dahinvegetieren.“ 
Wichtig bei beiden Bewegungen ist der Idealismus, mit dem 
der Arbeiter die daraus einströmende neue Gedankenwelt erfaßte. 
Man nimmt beiden Bewegungen ihr wert- und kraftvollstes Ele 
ment, wenn man sie nur als rein wirtschaftliche Bewegungen 
auffassen wollte. Nicht einmal historisch, geschweige denn psy 
chologisch, ist diese Auffassung richtig. „Meine Kinder werden 
einst stolz darauf sein,“ so klingt es immer wieder, „daß ich 
für die Befreiung der Menschheit mitgelitten habe.“ Der Un 
geheure Einfluß beider Bewegungen ist ohne Frage eine Kultur 
tat, ohne die wir eine Arbeiterklasse vielleicht ohne jede Ge 
fühlswerte hätten. 
Welchen Einfluß hat auf Sie die politische und Gewerkschafts 
bewegung? Haben Sie dadurch Hoffnung, daß es bald besser 
für Sie wird? Oder sind Sie hoffnungslos und warum? 
Berg 
arbeite r. 
Entlohnungsform: durchweg Akkord. 
U 
ü 
< 
jh7 
Wieviel Kinder 
I Durchschn. 
3 Wochen- 
| verdienst 
Art der 
Beschäftigung 
20 
19,- 
Berg 
mann 
Der Bewegung bin ich vollständig ange- 
schlossen, und ich hoffe, daß recht bald die 
Zeit kommt, wo wir den herrschenden 
Klassen die Regierungsmacht entreißen 
werden. (3.) [B. S.] 
286 
21 
23,— 
Berg 
mann 
Die politische und Gewerkschaftsbewegung 
hat mich erst zum denkenden Menschen 
gemacht. Der Einfluß hat sich soweit ver 
tieft, daß ich bereit bin, jede Waffe, die für 
die Befreiung brauchbar ist, zu benutzen. 
Ich bin nicht hoffnungslos, denn nur der 
Unverstand der Massen hindert uns daran, 
die schon reifen Früchte einzuernten. (3.) 
[B.S.] 
22 1 
28,— 
Berg 
mann 
Ich fühle mich wie ein Glied in einer Kette. 
Hoffnungslos bin ich zuweilen, wenn ich 
im Kreise alter Kameraden bin. Wenn ich 
dann in meinem jugendlichen Alter diesen 
alten Kameraden meine Hoffnungen ent 
wickle und die dann lächeln, so vergehe 
ich in Bitternis und Weh. Aber der Ge 
danke, wie viele Menschen ihr Leben 
schon gelassen haben für die Menschheits 
befreiung, erfüllt mich mit neuer Hoffnung. 
(2.) [B.R.] 
23 
24,- 
Berg- 
mann 
Einen guten. Denn ohne die politische und 
Gewerkschaftsbewegung würde ich nicht 
zu einer Erkenntnis meiner Lebenslage ge 
kommen sein. Die politische und Gewerk 
schaftsbewegung hat mir den Haß gegen 
die göttliche Weltordnung und die be 
sitzende Klasse eingeimpft. Und wer ehr 
lich hassen kann, kann auch hoffen. Sonst 
hätte ich mich schon von beiden Bewe 
gungen losgesagt aus Verachtung vor 
meinen Klassengenossen. (1.) [B. R.] 
281
	        

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Die Arbeiterfrage. Verlag Ernst Reinhardt, 1912.
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