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Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

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Bibliographic data

fullscreen: Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

Monograph

Identifikator:
1690625112
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-103086
Document type:
Monograph
Title:
Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes
Year of publication:
1926
Scope:
256 S., [1] Bl.
Ill., Kt., Graph. Darst.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
  • Title page
  • Contents
  • I. Kapitel. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten
  • II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
  • III. Kapitel. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten
  • IV. Kapitel. Die Arberterbanken

Full text

als landwirtschaftliche Lohnarbeiter, sondern auch in grosser Zahl 
als Eigentümer und namentlich als Pächter. Aber auch in den 
Industriestaaten gehören nicht alle Neger zum untersten Prole- 
tariat. In Chicago haben Neger einen Teil der weissen Bevölkerung 
gegen sich aufgebracht, weil sie nach und nach die Häuser einer 
ganzen Strassenreihe käuflich erworben haben. Es gibt unter ihnen 
viele Tausende wohlhabender und sogar reicher Geschäftsleute, 
Kaufleute, Tingeltangelbesitzer und andere mehr. Auch Lehrer, 
Redakteure, Bürgermeister (in Gemeinden mit einer Negermehrheit) 
fehlen nicht unter ihnen!). Ausserdem haben sie in Betrieben und 
Bergwerken, deren Arbeiterschaft ganz oder grösstenteils aus 
Negern besteht, auch leitende Stellungen, z.B. in den Bergwerken 
West-Virginiens. Und selbstverständlich führen auch die südöst- 
lichen Einwanderer und deren Nachkommen nicht ausnahmslos die 
untergeordneten proletarischen Arbeitsleistungen aus. Da sind 
zunächst unter den Emigranten aus den slawischen Ländern zahl- 
reiche Juden, die, sofern sie nicht in der Konfektionsbranche als 
Arbeiter beginnen, sich in allen möglichen Zweigen des Handels 
bewegen. Von den Griechen ist drüben bekannt, dass sie durch 
Zusammenhalten und extreme Sparsamkeit sich aus Kellner- und 
Dienerstellungen manchmal zu Geschäfts- und Restaurations- 
inhabern emporarbeiten. Das gleiche mag auch Italienern glücken. 
Und nicht jeder Pole ist ein Bahnstreckenarbeiter oder Fabrik- 
tagelöhner. Jede dieser Einwanderergruppen hat sicherlich quali- 
fizierte Handwerker, wohlhabende Gewerbetreibende und An- 
gehörige der freien, gehobenen Berufe aufzuweisen. 
Diese gewiss zahlreichen Ausnahmen widerlegen indessen nicht, 
dass die typische Armut und der Brennpunkt des sozialen Problems 
— nach unserer eigenen Wahrnehmung und allen uns möglichen 
Feststellungen — zu einem auffallend grossen Teil unterhalb der 
„Zivilisationslinie“, „Kulturgrenze“, oder wie man es drüben noch 
nennt, liegen, d.h. bei jenem farbigen und neu zugewanderten Volks- 
element, von dem zuvor die Rede war. 
Der des öfteren schon erwähnte Südosten des Landes ist der 
Hauptsitz des Negerproletariats. Dort arbeiten sie sowohl als 
landwirtschaftliche Tagelöhner wie auch als Industriearbeiter in der 
Roheisengewinnung im Staate Alabama, in den Bergwerken von 
Westvirginien und besonders auch in der in den Südstaaten heimi- 
schen Baumwollgewinnung und -verarbeitung, Die Baumwoll- 
& 1) Abgesehen davon, dass Heiraten zwischen Schwarzen und Weissen in Amerika ungültig sind, 
ist der Neger in bürgerlicher und politischer Beziehung mit dem Weissen formell völlig gleich- 
berechtigt. Die politische Gleichberechtigung wird indessen nicht selten von den Weissen zu ihren 
Gunsten kräftig korrigiert. Das massivste Mittel hierzu sind die Gummiknüppel der Ku-Klux-Klan- 
Verbindung, die in den Südstaaten den Neger oft gewaltsam an der Wahlausübung hindern. Schmerz- 
loser, aber wirksamer ist das Verfahren von Behörden und Gesetzgebungen, die das Wahlrecht an 
die Voraussetzung von Hausbesitz, Vermögensbesitz oder dergl, knüpfen, diese Einschränkungen 
aber in der Praxis nur gegen die Neger anwenden, während der weisse Bürger ungehindert wählen 
darf, ohne nach seinem Besitz gefragt zu werden. 
109
	        

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Amerikareise Deutscher Gewerkschaftsführer. Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes, 1926.
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