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Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

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Bibliographic data

fullscreen: Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

Monograph

Identifikator:
1690625112
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-103086
Document type:
Monograph
Title:
Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes
Year of publication:
1926
Scope:
256 S., [1] Bl.
Ill., Kt., Graph. Darst.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
  • Title page
  • Contents
  • I. Kapitel. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten
  • II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
  • III. Kapitel. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten
  • IV. Kapitel. Die Arberterbanken

Full text

Ungarn, Südslawen sind zahlreich in den Stahlwerken von Pitts- 
burg und Bethlehem; sie sind stark vertreten unter der grossen 
Zahl der mit am schlechtesten bezahlten grösseren Lohnempfänger- 
gruppe der Eisenbahn-Streckenarbeiter und gleichfalls stark unter 
den schlecht bezahlten unorganisierten Textilarbeitern. In einem 
„open shop“ (Betrieb mit unorganisierten Arbeitern) sahen wir die 
Unfallverhütungsvorschriften in vier oder fünf slawischen Sprachen 
sowie in Italienisch und Ungarisch ausgehängt. Dagegen waren sie 
nicht in Deutsch zu finden, obwohl es in Milwaukee war, wo etwa 
die Hälfte der Bevölkerung deutsch ist. Und eine Tagelöhner- 
gruppe im River-Rouge-Betrieb von Ford wies drei Hautfarben 
und vier mit ziemlicher Sicherheit bestimmbare Europäertypen auf, 
ein Bild, das überhaupt am „laufenden Band“ bei Ford keine 
Seltenheit ist. Den Stahlwerken von Pittsburg und Bethlehem wird 
sogar nachgesagt, dass sie sich diese Nationalitäten in bunter Zu- 
sammenstellung für ihre Betriebe planmässig aussuchen, um durch 
diese, meist der Landessprache unkundigen Arbeiter die Ent- 
stehung gewerkschaftlicher Organisationen in ihren Werken zu 
verhindern, was ihnen bisher leider geglückt ist; Tatsache ist, dass 
die Grossindustrie während des Krieges und nach dem Kriege die 
Neger aus den agrarischen Südstaaten in grossen Massen ins Indu- 
striegebiet holte und noch immer holt. Eine Gruppenphotographie 
von Arbeitern, die wir aus einem Stahlwerk besitzen, sieht wie eine 
Bildertafel zur Völkerkunde aus. Auch in ihrem Privatleben sind 
die südosteuropäischen Einwanderer oft fast wie die Neger von 
den „Vollbürgern“ in Ghettos abgetrennt, und die blutsmässige 
Vermischung mit dem angelsächsisch-deutschen Element ist ziem- 
lich selten. Das italienische Viertel in der Gegend der Canal-Street 
von New York überbietet an Armut, zerfetzter Kleidung, be- 
sonders der Kinder, und an schmutzigen Strassenbildern, die oft 
genug die Begleiterscheinungen hoffnungsloser Armut sind, bei 
weitem den von Negern bewohnten Stadtteil „Harlem“. Diese Ab- 
sonderung zeigt übrigens auch deutlich, in welchen Grenzen die 
Redensart von dem grossen „Rassenschmelztiegel“ der Vereinigten 
Staaten zutreffend ist. 
b) Proletariat unter den weissen Vollbürgern. 
Töricht wäre es, behaupten zu wollen, dass alle in Amerika ge- 
borenen oder die englische Sprache beherrschenden Abkömmlinge 
des industrietüchtigen Britentums und Deutschtums nun ohne 
weiteres oberhalb des „Kulturdüngers‘“ rangierten. Ganz ab- 
gesehen davon, dass die einwandernden deutschen Arbeiter sich 
fürs erste durch die Schwierigkeiten der englischen Sprache hin- 
durchzuwinden haben und ausserdem genug Briten und Deutschen 
119
	        

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Amerikareise Deutscher Gewerkschaftsführer. Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes, 1926.
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