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Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

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Bibliographic data

fullscreen: Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

Monograph

Identifikator:
1690625112
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-103086
Document type:
Monograph
Title:
Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes
Year of publication:
1926
Scope:
256 S., [1] Bl.
Ill., Kt., Graph. Darst.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
  • Title page
  • Contents
  • I. Kapitel. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten
  • II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
  • III. Kapitel. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten
  • IV. Kapitel. Die Arberterbanken

Full text

die wir besuchten, können wir guten Gewissens dasselbe berichten, 
und weder die Kellner noch die Barbiere zu New York bewegen 
sich flinker als in Berlin. Dagegen haben wir einen höheren Arbeits- 
effekt gefunden unter anderem und vor allem in verschiedenen 
Zweigen der Metallindustrie. Dies hat zwei augenfällige und ganz 
verschiedene Ursachen. Typisch für die erste ist der Fordbetrieb. 
Die „Vorleute“, ein Zwischenglied zwischen eigentlichen Werk- 
meistern und Arbeitern, haben für die Beschaffung der Zeichnungen 
und ähnlicher erforderlicher Hilfsmittel Sorge zu tragen. Zerbricht 
der Arbeiter ein Werkzeug, einen Hammerstiel u. dgl., so legt er 
das zerstörte Stück beiseite. Irgendein Tagelöhner, der zu diesem 
ausschliesslichen Zweck immer die betreffende Abteilung durch- 
wandert, greift das Werkzeug auf und schafft in wenigen Minuten 
den Ersatz heran. Diese Ersparnis unnötiger Verrichtungen setzt 
sich in höheren Produktionseffekt um; aber was beweist das 
für den besseren Willen des amerikanischen Arbeiters? Wer 
die Wallfahrten deutscher Metallarbeiter von einer Abteilung in 
die andere nach einer Zeichnung aus eigener Erfahrung kennt, wer 
die Konferenzen und Massenversammlungen vor den Werkzeug- 
ausgaben in unseren Maschinenfabriken schon erlebt hat, der weiss, 
dass der deutsche Arbeiter viel darum gäbe, wenn er dank einer 
entsprechenden Betriebsorganisation diese ärgerlichen Trödeleien 
in ein rhythmisches Arbeitstempo umsetzen könnte. Eine solche 
Organisation ist auch in Amerika nicht überall durchgeführt. Wir 
sahen Reparaturwerkstätten der Eisenbahn im Landinnern, wo an 
Gemütlichkeit des „Arbeitstempos“, gekreuzten Beinen und Spazier- 
gängen nach der Werkzeugstelle nichts zu wünschen blieb. 
Dann gibt es aber ausserdem den Typ von Betrieben mit 
„forschem Arbeitstempo“. Es sind dies technisch rückständige 
Betriebe, die jedoch nach echter Unternehmersehnsucht die 
mangelnde Ergiebigkeit ihrer technischen Einrichtung durch An- 
treiben ihrer Arbeitskräfte ersetzen. Sie beschäftigen mit Vorliebe 
hilflose Leute, Kinder, Frauen, sprachunkundige Einwanderer, die 
nicht überall Beschäftigung finden usw. Diese Art „Tempo“ findet 
man in kleinen und kleinsten Schokoladenfabriken, Konserven- 
fabriken, Metallwarenfabriken usw., aber auch in grösseren Unter- 
nehmen. Die riesigen Schlächtereien und Fleischfabriken von 
Chicago dürften z.B. nach unseren Eindrücken eine Kombination 
der erstgenannten und der letzteren Art der Arbeitsbeschleunigung 
darstellen und wahrscheinlich auch das grosse Versandgeschäft 
von Sears Roebuck in Chicago, das mit einer vortrefflichen Be- 
triebstechnik und dabei mit meistenteils weiblichen Kräften arbeitet. 
In der Hauptsache ist es aber die überaus bedeutende und rasend 
schnell gross gewordene Metallwaren- und Maschinenindustrie, die 
eine überlegene Betriebsorganisation aufweist. 
1m 
196
	        

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Amerikareise Deutscher Gewerkschaftsführer. Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes, 1926.
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