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Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

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Bibliographic data

fullscreen: Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

Monograph

Identifikator:
1690625112
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-103086
Document type:
Monograph
Title:
Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes
Year of publication:
1926
Scope:
256 S., [1] Bl.
Ill., Kt., Graph. Darst.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
  • Title page
  • Contents
  • I. Kapitel. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten
  • II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
  • III. Kapitel. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten
  • IV. Kapitel. Die Arberterbanken

Full text

kannte oder befreundete Besucher. Dennoch wird beides, das 
Fabrizieren wie das Kredenzen des „home brew“, mit äusserster 
Vorsicht ausgeübt, sei es, weil es die Familie um den Ruf als loyale 
Staatsbürger bringen kann, sei es, dass die Interpretation des 
Begriffs „bekannter oder befreundeter Gäste“ im Zweifelsfall allzu 
leicht gegen den hochherzigen Gastgeber ausschlägt. 
Auf der anderen Seite kann man aber der häuslichen Schnaps- 
fabrikation nicht gut entraten, denn man wird schwerlich einen 
Gast, an dessen Freundschaft einem gelegen ist, im Hause emp- 
fangen, ohne ihm seine Wertschätzung dadurch zu demonstrieren, 
dass man alle Gefahren der Alkoholbeschaffung zu Ehren seines 
Erscheinens auf sich nimmt. Selbst Babbitt, der Romanheld, das 
etwas in die Karikatur gezogene Muster eines loyalen Bürgers, 
der auf das herrschende Parteibekenntnis seiner Heimatstadt 
schwört, die dominierende Religionssekte unterstützt, über alle 
Fragen der Zeit und Ewigkeit die offiziell gestempelte Meinung 
eifrig vertritt und sich völlig der Konvention unterwirft, schleicht 
im Abenddunkel zu einer obskuren Lokalität, um für seine Gäste 
den verbotenen Labetrunk zu besorgen. — Und gar in den seligen 
Gefilden der Jazz-Band, auf dem Tanzboden, erobert man die 
begehrtesten Tänzerinnen durch das berühmte Fläschchen in Ge- 
sangbuchformat — „hier an dem Herzen treu geborgen“. 
Leider ist die häusliche Schnapsbereitung mit mancherlei Ge- 
fahren verbunden. Unkundige gelangen bei der Fabrikation zu 
einem dem Holzgeist ähnlichen Resultat, dessen Genuss zur Er- 
blindung führt. Die amerikanischen Krankenhäuser sind auch tat- 
sächlich, wie wir selbst bei Besuchen in solchen gesehen haben, 
voll von Menschen, die auf diese Weise ihr Augenlicht ganz oder 
teilweise verloren oder sonstwie an ihrem Körper schweren 
Schaden litten, so dass es gut wäre, entweder die sokratische 
Unterweisung in der Achtung vor dem Gesetz strikt durchzuführen, 
oder aber die angehende Hausfrau schon als „höhere Tochter“ über 
die gesundheitsgemässe Getränkezubereitung zu belehren. Man 
sagt, die verschlechterte Qualität stifte heute nicht weniger Schaden 
als früher die übertriebene Quantität. Ausgeschlossen wäre dies 
nicht. 
Betrachtet man aber die Verbotswirkung nach finanziellen Ge- 
sichtspunkten, so ist es vollends unzweifelhaft, dass für den ver- 
ringerten Konsum von heute bedeutend mehr Geld ausgegeben 
wird als für die grösseren Mengen von früher. Die Herkunft der 
verbotenen Getränke ist verschiedener Art. Sie werden von den 
Küsten der Ozeane und auch über die Landesgrenzen herein- 
geschmuggelt. Aber auch im Landesinnern ist die Herstellung nicht 
völlig unterdrückt, da ja die Verwendung geistiger Getränke sowohl 
für medizinische wie für kirchliche Zwecke erlaubt ist. Dass beide 
188
	        

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Amerikareise Deutscher Gewerkschaftsführer. Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes, 1926.
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