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Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

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Bibliographic data

fullscreen: Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

Monograph

Identifikator:
1690625112
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-103086
Document type:
Monograph
Title:
Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes
Year of publication:
1926
Scope:
256 S., [1] Bl.
Ill., Kt., Graph. Darst.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
III. Kapitel. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
  • Title page
  • Contents
  • I. Kapitel. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten
  • II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
  • III. Kapitel. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten
  • IV. Kapitel. Die Arberterbanken

Full text

Ländern eine durch Jahrhunderte reichende fest verankerte Tradition. 
Das Proletariat von heute ist gesellschaftlich der Erbe der Leib- 
eigenschaft in der feudalen Zeit. Das herrische Wort, das vor 
einigen Jahrzehnten ein deutscher Kirchenfürst zornentbrannt der 
Arbeiterbewegung entgegenschleuderte: „Wer Knecht ist, muss 
Knecht bleiben!“ charakterisiert anschaulich das Gefühl der herr- 
schenden Schichten. Soweit die Geschichte zurückreicht, weiss 
man es nicht anders, als dass eine Klasse der Herren über die der 
Knechte herrscht. Innerhalb jeder Klasse haben sich hier die 
Knechtspflichten, dort die Herrenrechte von Generation zu 
Generation auf die Nachkommenschaft vererbt. Jede Klasse ist 
gesellschaftlich für sich abgeschlossen und führt, durch eine hohe 
Mauer von der anderen getrennt, ein eigenes Leben. Die Macht des 
Besitzes äussert sich in zahlreichen Privilegien der oberen Klassen. 
Lange genug waren die Angehörigen der unteren Klasse von jeg- 
licher staatsbürgerlichen Mitarbeit vollständig ausgeschlossen, 
waren nur Objekt, nicht Subjekt der Gesetzgebung, Rechtsprechung 
und behördlichen Verwaltungstätigkeit. Wenn auch schliesslich 
freiere Staatsverfassungen erkämpft wurden, so änderte das eben- 
sowenig an dem Fortbestehen der ökonomischen Herrschaft der 
kapitalistischen Klasse wie an der gesellschaftlichen Klassen- 
scheidung, und es zeigte sich, dass letzten Endes die politische 
Macht immer wieder zur ökonomischen Macht zurückstrebt. 
In einer geradezu lächerlichen Überheblichkeit sehen in den euro- 
päischen Ländern die besitzenden Schichten auf die arbeitende 
Klasse herab. Diejenigen, die, ohne selbst zu arbeiten, von den Er- 
trägnissen der Arbeit ein glänzendes Leben führen, gefallen sich 
nichtsdestoweniger in einer grenzenlosen Verachtung derjenigen, 
die mit ihren Händen arbeiten. Die Privilegierten haben sich mit 
einer hohen gesellschaftlichen Mauer umgeben, über die sie niemand 
lassen, der Schwielen an den Händen hat. Diese gesellschaftliche 
Ächtung der Handarbeit und ihrer lebendigen Träger hat zweifel- 
los sehr viel dazu beigetragen, dass die europäischen Arbeiter die 
ökonomischen Lehren des Sozialismus leicht begreifen konnten. 
In der amerikanischen Union liegen die Verhältnisse wesentlich 
anders. Hier fehlt die alte Tradition der Herrenkaste. Es gibt keine 
mit politischen Privilegien ausgestattete Geburtsaristokratie und 
kein Gottesgnadentum. Die Rothäute, die einstmals Herren des 
Landes waren, sind heute in Reservate eingesperrt und zählen über- 
haupt nicht mit. Die weisse Rasse hat das Land usurpiert, und die 
einzelnen Usurpatoren haben die Schätze des Bodens gehoben und 
sind um so reicher geworden, je besser sie es verstanden, die mit 
der Schatzhebung verbundenen Arbeiten andere machen zu lassen 
und nur den Gewinn einzustecken. So sind wohl Familienreichtümer 
entstanden, die sich von einer Generation auf die andere vererbten 
9204.
	        

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Amerikareise Deutscher Gewerkschaftsführer. Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes, 1926.
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