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Lebenserinnerungen

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Bibliographic data

fullscreen: Lebenserinnerungen

Monograph

Identifikator:
173521986X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-110176
Document type:
Monograph
Title:
Die Exportkreditversicherung mit Unterstützung des Reiches
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Selbstverlag des Reichsverbandes der Deutschen Industrie
Year of publication:
1926
Scope:
55 Seiten
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Lebenserinnerungen
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil
  • Zweiter Teil. Die Weiterentwicklung meines Lebens und Strebens
  • Schluß
  • Index

Full text

ihnen nichts anderes zu bieten vermag! Damals ging man ins 
Leebad, um sich körperlich und geisiig auszuruhen und Kraft für 
die Ürbeit des Winters zu gewinnen. Vngenehm war auch das 
Verhältnis zu den einzelnen Insulanern, zu denen sich bald 
freundliche Beziehungen anspannen. Die meisten Männer waren 
Leeleute. Ihre Üuffassung betrachtete den Tod zur Lee nicht als 
ein besonderes Unglück. Die Küstenbewohner pflegen sich über 
haupt ihre eigene Lebensüberzeugung zu bilden. Der Leemann 
und seine Umgebung ist fesi überzeugt von dem Walten eines 
Lchicksals, dem sich niemand entziehen kann. Ls gilt dann als 
unmännlich, fa feige, sich gegen dieses Schicksal zu sträuben. 
Merkwürdigerweise kann dieser grundgedanke sehr verschiedene 
intellektuelle gestaltungen annehmen. Die Ltrengreligiösen sehen in 
,jenen Lreignissen eine unmittelbare Rügung gottes; die Minder 
gläubigen unterwerfen sich dem Schicksal als einer dunklen Macht, 
aber über die Tatsache eines allesbeherrfchenden Lchicksals ist 
nicht der mindeste Zweifel. „Vas sollte so sein", das ist der übliche 
Trost. Dieser Lchicksalsglaube lähmt keineswegs den Mut und 
die Lnergie des Handelns, aber er verbietet alles unnütze grübeln 
über das, was hätte kommen können. Ws ein teilnehmender Kur 
gast einem Langeooger die Trage vorlegte, wie es den Lin- 
wohnern ginge, wenn ein plötzlicher Unfall oder eine schwere 
Krankheit sie träfe, da doch kein Ürzt auf der Insel sei, so nieinte 
jener wetterharte Mann: „Kun ja, dann müssen wir unseren 
eigenen Tod sterben". — Inzwischen hat sich Langeoog zu einem 
stattlichen Leebade gehoben, die frühere Schilderung trifft nicht 
mehr zu. Ich aber denke mit groster Treude an die dort verlebten 
Wochen; sie waren entscheidend für meine Lntwicklung, weil sie mir 
gesundheit brachten und ich in tiefer Kühe graste Lindrücke empfing. 
Zu grasten Keifen kam es sonst nicht, auster jener hannover 
schen Keife 1852 habe ich Ostfriesland bis zu meinen Studien 
jahren nicht verlassen. Um so mehr war meine Mutter bemüht, 
durch kleine Tagesausslüge geist und gemüt zu erfrischen. Sie 
hatte einmal bei Zschokke, einem ihrer Lieblingsschriftsteller, gelesen, 
es tue der heranwachsenden Jugend gut, auch selbständige kleine 
Tagesausslüge zu unternehmen. Vas habe ich dann mit einigen 
Treunden öfters getan. Lin sehr einfaches Trühstück wurde mit 
gegeben. Unser gemeinsamer Trank war eine Mischung Sirup 
und Lfsig. Dann wanderten wir vergnügt durch die einzelnen, oft 
recht stattlichen Dörfer und hatten besondere Treude an den Tehnen 
(auf dem Moor angelegten Kolonien), wo uns ein eigentümliches, 
ungewohntes Leben umgab. Diese Kanäle verbanden nicht nur 
die einzelnen Orte, sondern sie hatten manche kleinere Werften, wo 
Legelfchiffe gebaut wurden. Lluch gab es dort glashütten, für die
	        

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Lebenserinnerungen. Verlag von K. F. Koehler, 1921.
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