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Wirtschaftspolitische Tagesfragen

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Bibliographic data

fullscreen: Wirtschaftspolitische Tagesfragen

Monograph

Identifikator:
1756296928
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-133687
Document type:
Monograph
Title:
Wirtschaftspolitische Tagesfragen
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Selbstverlag des Reichsverbandes der Deutschen Industrie
Year of publication:
1928
Scope:
39 S.
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Dr. Trendelenburg, Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium : Die Wirtschaftsarbeiten des Völkerbundes seit der Weltwirtschaftskonferenz
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Wirtschaftspolitische Tagesfragen
  • Title page
  • Contents
  • Professor Dr. Ernst Schultze, Leipzig, Direktor des Weltwirtschafts-Instituts der Handelshochschule Leipzig : Die Möglichkeit wirtschaftspolitischer Prophezeiungen
  • Dr. August Weber : Welche Bedeutung hat die deutsche Landwirtschaft innerhalb unserer deutschen Wirtschaft ?
  • Dr. Trendelenburg, Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium : Die Wirtschaftsarbeiten des Völkerbundes seit der Weltwirtschaftskonferenz

Full text

nicht mehr. Es ist also schon hierin eine 
gewisse — ich möchte sagen — Bedachtsam- 
keit der Politik des Völkerbundes ohne 
weiteres gegeben. 
Außerdem herrscht im Völkerbund das 
Universalitätsprinzip, d. h. der Völkerbund 
will eine Zusammenfassung aller Nationen 
sein. Insofern ist der Völkerbund für die 
Betrachtungen weltwirtschaftlicher Probleme 
einerseits zu klein, andererseits zu groß. Zu 
klein, wenn man glaubt, daß diese weltwirt- 
schaftlichen Probleme unter Mitwirkung 
aller Staaten gelöst werden müssen, weil 
dem Völkerbund bekanntlich die Vereinig- 
ten Staaten und Rußland neben einigen 
anderen Staaten, die sich noch etwas abseits 
halten, nicht angehören. Andererseits ist 
er zu groß, wenn man die Probleme in erster 
Linie als europäische Probleme betrachtet, 
weil jedesmal, wenn nun ein Problem, das 
im Grunde ein europäisches Problem ist, 
erörtert wird, die ganz anders gearteten Ver- 
hältnisse der außereuropäischen Länder mit 
Berücksichtigung finden müssen. Ein kleines, 
etwas groteskes Beispiel: Als wir das 
Problem der Ein: und Ausfuhrverbote, das 
im wesentlichen ein europäisches Problem 
ist, da im wesentlichen nur europäische 
Staaten Ein: und Ausfuhrverbote haben, er- 
örterten, mußten wir, uns allen ziemlich un: 
vermutet, zu der Frage Stellung nehmen, ob 
es Ägypten erlaubt sein soll, ein Ausfuhr- 
verbot für Taubenmist aufrechtzuerhalten. 
(Heiterkeit.) 
Die Arbeiten des _Wirtschaftsaus- 
schusses seit dem Mai vorigen Jahres haben 
nun den Versuch gemacht, das ganze Terz: 
rain, das in den Beschlüssen der Wirt- 
schaftskonferenz behandelt worden ist, ge: 
wissermaßen abzutasten, wo die Dinge zu 
einer Verständigung reif sind, wo also die 
Möglichkeit besteht, zu einem plurilateralen 
Vertrag zu kommen, d. h. zu einem Vertrag 
mit vielen Teilnehmern, zu einer Art Karz 
tellvertrag im Gegensatz zu einem zwei: 
seitigen Vertrag, wie es die gewöhnlichen 
Handelsverträge sind. 
Ich darf Ihnen kurz die Gegenstände, 
mit denen man sich da in erster Linie be: 
schäftigt hat, darlegen. 
Zunächst die Frage der Zolltarif-: 
nomenklatur. Es wird ja dieser Frage 
auch in Deutschland ein sehr großes Inter- 
esse entgegengebracht. Es handelt sich da- 
bei nicht nur um eine rein technische Frage, 
wie es den Anschein haben könnte, um eine 
Frage der Erleichterung des Handelsver- 
kehrs im einzelnen und auch der Handels: 
vertragsverhandlungen im einzelnen, wenn 
lieselben Waren unter die gleiche Defi- 
ıtion, unter die gleiche Zolltarifposition in 
len verschiedenen Ländern gebracht wer: 
den. Die Bedeutung der Frage geht viel: 
mehr sehr weit darüber hinaus, und reicht 
bis in den Fabrikationsprozeß hinein. Denn 
as ist klar, daß bei der Verschiedenheit der 
Zolltarifnomenklatur, wie sie jetzt ist, viel: 
ach, um der Ausfuhrware in allen Ländern 
las Optimum der Zollbelastung zu sichern, 
:ür jedes Land eine besondere Konstruk- 
jon oder eine besondere Ausstattungs- 
ırt gewählt werden muß. Das spielt nament- 
ich bei zusammengesetzten Waren einc 
sehr starke Rolle. Also ich glaube, daß der 
Völkerbund mit Recht die Frage der Ver- 
»inheitlichung der Zolltarifnomenklatur auf- 
jegriffen hat. Die praktische Arbeit ist 
vom Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes 
n der Weise in Angriff genommen worden, 
daß zunächst eine ganz kleine Kommission 
‚on 5 Personen eingesetzt worden ist, die 
zinen allgemeinen Rahmen und Grundlinien 
ür die spätere Ausfüllung dieses Rahmens 
aufgestellt hat. In dieser Kommission ist 
Jeutschland durch. Herrn Geheimrat Flach 
vertreten, welcher über langjährige Erfah- 
‚ungen auf diesem Gebiete, namentlich auch 
ıinsichtlich der landwirtschaftlichen Ab- 
schnitte des deutschen Zolltarifs, verfügt. 
Die vorläufigen Ergebnisse dieser Kom: 
nissionsarbeiten sind kürzlich veröffent- 
icht worden, worauf Sie wohl der Reichs: 
verband schon hingewiesen hat. Ich würde 
Ihnen außerordentlich dankbar sein, wenn 
Sie dieser Veröffentlichung Ihr Interesse 
antgegenbringen und uns durch Vermittlung 
les Reichsverbandes Ihre Bemerkungen zu 
lem gegenwärtigen Stande der Vorarbeiten 
nitteilen würden. Die Beratungen des 
Jnterkomitees sollen im Juni fortgesetzt 
werden. 
Eine Gefahr wird bei den weiteren 
Arbeiten zur Vereinheitlichung der Zoll: 
:arifnomenklatur sich ergeben, und es wird 
jewiß Mühe kosten, sie zu überwinden. Es 
ıst klar, daß die Interessen jeder einzelnen 
Wirtschaft und jedes einzelnen Landes bei 
den verschiedenen Waren verschieden sind. 
Ein Land, das auf einem Warengebiete im 
wesentlichen Exportland ist, wird ein Inter: 
ssse daran haben, daß dieses Warengebiet 
nöglichst wenig unterteilt wird in dem 
Zolltarif, weil selbstverständlich bei einer 
geringen Unterteilung — jedenfalls soweit 
es sich um spezifische Tarife handelt — die 
Zxportmöglichkeiten größer sind als bei 
siner starken Unterteilung. Umgekehrt wird 
jedes Land, das gewissermaßen sich in der 
Verteidigung befindet, auf einem Waren:
	        

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Wirtschaftspolitische Tagesfragen. Selbstverlag des Reichsverbandes der Deutschen Industrie, 1928.
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