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Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien

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Bibliographic data

fullscreen: Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien

Monograph

Identifikator:
1776197003
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-171695
Document type:
Monograph
Author:
Zache, Hans http://d-nb.info/gnd/1096768860
Title:
Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Weimann
Year of publication:
[1928]
Scope:
39 S.
Ill.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Abschnitt. Die Schutzgebiete unter deutscher Verwaltung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien
  • Title page
  • Erster Abschnitt. Die Schutzgebiete unter deutscher Verwaltung
  • Zweiter Abschnitt. Die einzelnen Schutzgebiete und ihre Entwicklung
  • Dritter Abschnitt. Die Schutzgebiete im Weltkriege
  • Vierter Abschnitt. Die Schutzgebiete unter Mandatsverwaltung
  • Fünfter Abschnitt. Anerkennungen der deutschen Kolonialbetätigung aus Feindesmund
  • Sechster Abschnitt. Stimmen Eingeborener der deutschen Kolonien
  • Ausblick

Full text

Wirtschaftsgeschichte der deutschen Kolonien 
zu ergänzen im Kampfe gegen Feinde ringsum — 
Engländer und Inder, Südafrikaner und Portu— 
giesen, Belgier und Farbige aus ganz Afrika, ja 
aus Westindien — die hunderttausend Plantagen⸗ 
arbeiter, die als Träger im Trosse der Truppe 
folgten und auf den schnell gebahnten Etappen— 
straßen wie die Ameisen auf und ab marschierten, 
die ganze Beölkerung des Landes, die Nahrungs— 
mittel baute und brachte für das kämpfende Heer: 
sie alle zeigten, was deutsches Beispiel, was 
deutsche Erziehung in einem Menschbenalter zu⸗ 
wege gebracht hatte: die völlige Umwandlung 
einer fremdrassigen Bevölkerung, die Erfüllung 
mit deutschartigem Pflichtbewußtsein. Das ehrte 
beide Teile, den gebenden wie den empfangenden, 
den Lehrer wie den Schüler. Zwang“ Wer 
hinderte Askari und Träger am Weglaufen in 
den endlosen Buschwäldern? Freude am Krieger— 
leben? Wer fühlt noch Freude, wenn es Monat 
für Monat, Jahr für Jahr heißt: Rückzug vor 
einem hundertfach stärkeren Feinde, mit knurrendem 
Magen, in Frost und Hitze, in Regenzeiten und Tagen 
der Krankheit, abgerissen, halbuackt, ohne Arznei und 
ohne Sold? Und sie hielten aus, auch dann noch, 
außerhalb der Heimat, auf portugiefischem und 
britischem Boden, als es auch dem Blödesten klar 
sein mußte, daß auf Sieg nicht zu rechnen war: 
Pflichtgefuhl und Anhänglichkeit“' Brutale Aus— 
beuter hätten sich diesen Arbeiterschlag erzogen? 
Nie und nimmer! Und wenn sie die Treue hielten 
noch nach dem Abschub der deutschen Herren, 
wenn 1918 90, 880/0 trotz des feindlichen 
Besasungsdruckes für die Rückkehr der Deutschen 
stimmten, dann kann dem nur das Gefühl zu— 
grunde liegen: Treue um Treue. 
Schon seit mindestens zwei Jahrzehnten vor 
dem Kriege war in Verwaltung und Schutztruppe 
das Prinzip durchgeführt worden, daß die Besten 
gerade gut genug seien für den Kolonialdienst. 
Und das trug bei Tanga seine Früchte. Tanga 
ist ein Sieg der deutschen Methoden über britische, 
der deutschen Eingeborenenpolitik über die englische 
und damit der deuischen Kolonialpolitik, der 
deutschen kolonialen Befähigung über die angel— 
sächsischel Der zehn — von Engländern erzogene 
— indische Soldaten vor sich herjagende Askari 
aus deutscher Schule, der drei britischen Berufs— 
soldaten überlegene deutsche Pflanzer, zeigen das 
Ergebnis dreier Jahrzehnte deutscher Kolonial⸗ 
tätigkeit: eine zum Pflichtgefühl und zur Mannen— 
treue erzogene farbige Bevölkerung und eine aus 
Persönlichkeiten zusammengesetzte und zu Erziehern 
einer farbigen Rasse berufene weiße Amiedler— 
schaft. So ist der Tangatag mit Recht der allge⸗ 
meine Kolonialgedenktag. An ihm wurde das 
Wißmanndenkmal wieder aufgestellt als allgemeines 
deutsches Kolonialdenkmal. Es ist keine Frage, 
daß ein anderer Mann mehr als Wißmann den 
deutschen Kolonialwillen zum Ausdruck bringt: 
Carl Peters. Dieser wollte Kolonien schaffen. 
Als Jüngling noch, in Vondon, faßte er den Plan, 
Deutschland zur Kolonialmacht werden zu lassen. 
And er führte den Plan durch. Deuisch-Ostafrika 
rerdanken wir ihm. Wißmann ging im Äuftrage der 
Wissenschaft nach Afrika, nach dem internationalen 
dongostaat. Aber als das Vaterland ihn rief in 
)er Stunde der Gefahr, als die Rebellion der 
arabischen Sklavenbalter die Autorität der deutsch— 
»stafrikanischen Gesellschaft weggefegt hatte, da 
tellte er sich zur Verfugung und stabilifierte ver— 
nittels der schnell von ihm gegründeten Schutz— 
ruppe die Reichsautorität in Ostafrika wie einen 
ocher de bronce. Der ZSivilist Peters war der 
krupellose Eroberer, der Blutvergießen nicht scheute, 
der Milttär Wißmann rühmte sich, ohne Menschen— 
eben zu vernichten, Afrika zweimal durchquert zu 
zaben. Wißmann, der „mit weißer Weste aus 
Afrika zurückgekehrt ist“ Wismani akili arbain 
Wißmann mit dem vierzigfachen Verstande), wie 
hn die Sugheli noch heute bewundernd nennen, 
Wißmann ist deshalb mit Recht der Repräsentant 
inserer Kolonialmethode, die väterlich-patriarcha— 
isch war, und streng nur, wo es unbedingt sein 
nußte. Aber neben das Tenkmal unserer Kolonial⸗ 
nethode, die bei Tanga sich so siegreich erwies, 
zehört unbedingt das Denkmal unseres unent— 
vegten Kolonialwillens, den Carl Peters repräsen⸗ 
iert. Deshalb wird die Abteilung Hamburg der 
Deutschen Kolonialgesellschaft auch das Denkmal 
»es deutschen Cecil Rhodes hoch am Elbestrand 
rufstellen, den ausfahrenden deutschen Überseern 
ein Symbol unserer Hoffnungen für die Zukunft, 
hen Fremden aber ein Wahrzeichen, daß Deutschland 
iun und nimmer gewillt ist, auf seine kolonialen 
Ansprüche zu verzichten! 
Es ist auch nicht ohne Bedeutung, daß beide 
Denkmale Ostafrikanern errichtet sind. Ostafrika 
st die einzige unserer Kolonien, die eine Geschichte 
jat. Westafrika war gegen die Welt in viel 
)öherem Grade abgesperrt. Die Hafenarmut, 
»ie ungehemmt heranbrandende Kalema, machte 
»ie Westküste unzugänglich. Eine einheimische 
Zegelschiffahrt hat hier nie bestanden. Und 
zußerdem panzerte sich das ungastliche Gestade 
noch durch schier unüberwindliche Hindernisse, 
zurch den breiten Wüstengürtel der Namib im 
Züden, durch die wochenweiten Urwälder in 
damerun. Ostafrika, im Monsumgebiet gelegen, 
nit vielen leicht zugänglichen Häfen, lag im 
Zandelsgebiet Arahiens und Indiens und emp— 
ing von dort seine erste Halbkultur. Freilich 
zrachte ihm Arabien den Sklavenhandel mit allen 
einen Greueln. Aber dasselbe wurde auch 
Westafrika zuteil, nur noch härter und unmensch— 
icher. Die Organisation der grabischen Sklaven— 
sändler kam, verglichen mit Westafrika, über den 
dleinbetrieb nicht hinaus, weil auch das Bedürf— 
nis des fast nur an der Küste besiedelten Arabiens 
zeringfügig war. Anders Westafrika. Der un⸗ 
endlich überlegene Organisations- und Erwerbs— 
zeist des Europäers wirkte sich hier viel ener— 
zischer und skrupelloser aus, zumal Amerikas
	        

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Wirtschaftsgeschichte Der Deutschen Kolonien. Weimann, 1928.
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