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Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft

Monograph

Identifikator:
1779855281
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-164105
Document type:
Monograph
Author:
Mahlberg, Walter http://d-nb.info/gnd/101605218
Title:
Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Gloeckner
Year of publication:
1928
Scope:
VI, 122 S.
graph. Darst
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Die Unmöglichkeit des Ausgleichs von Zahlungsbilanzsalden und der Denkfehler der Ausgleichsnotwendigkeit
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Reparations-Sabotage durch die Weltwirtschaft
  • Title page
  • Contents
  • 1. Die Unmöglichkeit des Ausgleichs von Zahlungsbilanzsalden und der Denkfehler der Ausgleichsnotwendigkeit
  • 2. Die Sabotage der Reparationszahlungen durch den Mechanismus der Weltwirtschaft
  • 3. Schlußfolgerungen für die Organisation des Geld- und Kapitalmarkts

Full text

Die Besonderheit des durch Tributzahlung entstehenden Saldos unserer Zahlungsbilanz. 43 
schaffen, wie es normaler Weise der „glückliche Gläubiger“ einem stark verschal- 
deten Debitor gegenüber tun müß? Der Grund liegt in der Diskrepanz zwischen 
Jer abstrakten Verschuldung und der abstrakten Unmöglichkeit der Tilgung des 
Saldos auf der einen Seite und den konkreten Schuldverhältnissen der einzelnen 
Personen und der juristischen Möglichkeit der konkreten Zahlungserzwingung 
auf der andern Seite. Denn bei normaler und freier Wirtschaft greift hier ein 
automatischer Konsolidationsprozeß ein, den wir im vorigen Abschnitt ausführlich 
geschildert haben und der diese Diskrepanz durch privatwirtschaftliche Finanz- 
transaktionen und aus Egoismus der handelnden Personen verschwinden bzw. 
nicht wirksam werden läßt. Bei normaler und freier Wirtschaft erfolgt 
hüben und drüben solange Schuldübergang und Forderungsübergang von Hand zu 
Hand, bis sich hüben langfristige Anlagezinszahler und drüben langfristige An- 
lagezinsnehmer gefunden haben, welche zueinander passen. Etwas anderes ist 
unmöglich, und nur dieses kann geschehen, und es ist so sicher, wie einstweilen 
Jie Anziehungskraft der Erde sicher wirkt. 
Daß bei dem Wandern der Forderungen von Hand zu Hand im Auslande und 
bei dem Wandern der Schulden von Hand zu Hand im Inlande die deutsche Wäh- 
rung trotzdem nicht zerstört wird, da ja jeder Handwechsel einen Druck auf den 
Markkurs bedeutet, wurde ausführlich dargelegt. Die internationalen Zinsdiffe- 
renzen, die zusätzlichen Kursgewinnchancen bei der internationalen Geldleihe, die 
„große“ ‘und die „kleine“ internationale Devisenspekulaton, endlich der Anreiz, 
gerade bei schlechtem Stande der Mark aus der kurzfristigen. in langfristige Anlage 
„umzusteigen‘, sind die Kräfte, welche dem Druck eines Passiv-Saldos auf den 
Wert der Mark entgegenwirken an tausenden und abertausenden Stellen der 
Weltwirtschaft und damit die konkrete Zahlungserzwingung in die abstrakte „Zah- 
(ungsverweigerung‘“ umwandeln, Wir sahen weiter, daß an diesem für die nor- 
male Weltwirtschaft geltenden System sich durch den zwangswirtschaftlichen Ein- 
griff der Reparationslasten nichts wesentliches geändert hat, sodaß es auch heute 
noch funktionieren muß. Wären diese geheimen, wegen ihrer Relativität nicht 
jedem Auge sichtbaren Kräfte tatsächlich nicht vorhanden, so hätte seit der Stabi- 
lisierung der Mark diese immer von neuem in den Orkus fallen müssen angesichts 
unserer großen Importe und der Reparationszahlungen. .... 
Nicht die unwichtigste dieser Kräfte ist die Devisenspekulation, die davon 
lebt, daß sie auf ein Umschlagen der Wechselkurse nach Erreichung der tiefsten 
und höchsten Kurspunkte — in der Zone der Goldexporte und -importe — speku- 
liert. Sie hat, wie schon gezeigt, im Zeitalter des Dawes-Planes eine besondere Note, 
die in diesem Zusammenhang nochmals unterstrichen werden darf. Die Dawes- 
Bestimmung, daß die Transferierung der deutschen Reparationszahlungen die 
Markwährung nicht tangieren dürfe, bedeutet einen Freibrief für die Devisen- 
Spekulanten der ganzen Welt. Die Transfereinschränkung bedeutet, daß die Spe- 
kulanten, wie wir sahen, bei Annäherung an die deutschen oberen Goldpunkte mit 
ziemlicher Sicherheit ihre Kursbremsgeschäfte einfädeln können, fast mit voller 
Garantie, daß sie höchstens die Spesen ihrer Geschäfte, nicht aber Kopf und 
Kragen durch einen Zusammenbruch unserer Währung verlieren können. 
Die Garantie, daß die wohltätigen Kursbremsgeschäfte der Devisenspeku- 
lation nicht durch Überraschungen seitens des Reparations-Agenten gestört werden 
dürfen — das ist ja der materielle Sinn der Bestimmung —, ist fürwahr die 
wichtigste Bestimmng des Dawes-Planes, Wäre es nicht so, daß durch einen Zu- 
sammenbruch der deutschen Währung die Reparationsgläubiger noch stärker ge- 
schädigt würden, so könnte man überspitzt sagen, daß in dieser Bestimmung ZuU-
	        

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Reparations-Sabotage Durch Die Weltwirtschaft. Gloeckner, 1928.
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