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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

112 Die sozialer"Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. 
Kaye, daß das junge Tier in seiner ganzen Lebensweise erheblich aus 
den gewohnten Bahnen abgelenkt wird*). Dieselbe Tätigkeit der Nach- 
ahmung gewahren wir bei vielen gemeinsamen Veranstaltungen höher- 
entwickelter Tiere. Dahin gehört, wenn ganze Vogelscharen gemeinsam 
auffliegen, zu gleicher Zeit dieselben Laute ausstoßen oder denselben 
Feind angreifen. 
Wenden wir uns jegöt der Menschheit zu, so erwacht bei den Kindern 
die Nachahmung sehr früh. Schon im ersten Jahre finden wir das Lachen 
nachgeahmt und gewisse einfache Bewegungen wie das Mundspigen oder 
Mundöffnen, auch das Zukneifen und Öffnen der Augen. Ebenso früh 
stellt sich das Nachahmen einfacher Laute ein. Wie sehr die weitere 
Entwicklung des Kindes und seine ganzen Spiele die Nachahmung zur 
Grundlage haben, bedarf keines Wortes. Insbesondere beruht auch die 
Einfügung des Heranwachsenden in die Lebensordnung, Sprach-, Um- 
gangs- und sonstigen Lebensformen auf der Nachahmung der Vorbilder, 
die die Erwachsenen geben. Dasselbe gilt auch vom Lernen aller 
Kunstfertigkeiten auf allen primitiveren Stufen des Lebens: die Kinder 
ahmen die Erwachsenen nach, wobei sich die Tätigkeit allmählich vom 
Spiel zum Ernst verschiebt. Wunderschön schildert das Verhältnis Nor- 
denskiöld (Indianerleben S. 64): „Das Indianerkind lernt das Leben im 
Spiel. Wenn die Mutter mit ihrem Töchterchen im Arme Wasser holt, 
zo trägt das Mädchen einen winzig kleinen, dem der Mama ganz gleichen 
Krug. Füllt die Mutter ihren großen Wasserkrug, so füllt sie auch den 
"hres kleinen Töchterchens. Das Mädchen wächst und der Krug wächst. 
Sie begleitet ihre Mutter bald zu Fuß und trägt gleich ihr einen eigenen 
Krug auf dem Kopfe. Spinnt die Mutter, so spinnt auch ihr Kind auf 
einer Spielzeugspindel. Der kleine Junge spielt mit seinem Neg5 im 
Dorfe. Er fängt Laub, er fängt Tonscherben ... Ist er größer, so er- 
hält er von dem Großvater ein größeres Neg und begleitet ihn auf den 
Fischfang. Anfänglich fängt er nicht viel. Er und das Net wachsen, und 
der Knabe, der Laub und Tonscherben gefischt hat, fängt große Silur- 
oiden, Palometas und vieles andere.“ 
Voraussegung für diese Art des Lernens ist natürlich der an- 
;schauliche Charakter der Tätigkeiten, d. h. eine solche Be- 
schaffenheit der Tätigkeit, daß der Lernende durch das bloße Wahrneh- 
men ihren Sinn, Zusammenhang und Aufbau zu erfassen vermag. Um- 
gekehrt ist die Nachahmung auch nötig für das Lernen überall, 
wo es noch keine planmäßige Unterweisung, also keinen Unterricht gibt. 
Hierin besteht ein wichtiger Unterschied zwischen niederen und höheren 
Kulturen. Das Rechtsprechen oder die Maschinenherstellung kann man 
1) Beispiele bei Karl Groos, Spiele der Tiere, S. 184 f.
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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