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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

115 
ist die wahrgenommene günstige Wirkung der Einrichtung die entschei- 
dende Ursache für die Befolgung des Vorbildes. Dieses macht auf die 
Möglichkeit aufmerksam, einen Wert durch ein bestimmtes Verhalten zu 
verwirklichen (natürlich kann es auch ein andrer als ein Nüblichkeits- 
wert sein). Die Nachahmung wegen des Nugßens kann sich auch mehr 
oder weniger unbewußt abspielen, wenn z. B. eine Schar Wanderer einen 
Graben überschreiten will und einer aus der Gruppe den einzig mög- 
lichen Weg dazu gefunden hat und die übrigen ihm auf diesem folgen. 
Etwas abweichend liegt der Fall, wenn jemand, der bei starker Hige 
auf der Sonnenseite der Straße geht, dem Vorbild eines andern folgt, 
den er nach der Schattenseite hinübergehen sieht: der Wunsch nach 
Schatten war bei ihm vorhanden, aber bei seiner Abspannung zu schwach, 
um sich ohne äußeren Anstoß zu realisieren. Ebenso wird die Berufs- 
wahl bei den heutigen Verhältnissen vielfach weniger durch die Art der 
Tätigkeit selbst als durch die äußeren Folgen bestimmt, die man sich 
von ihr verspricht, weil man sie bei andern wahrnimmt. Desgleichen 
geht von jedem Aufsehen erregenden Erfolg im heutigen Wirtschafts- 
leben eine Tendenz aus, eine Menge Wettbewerber auf die gleichen Spu- 
ren zu locken. Endlich gehört auch die Anpassung an die Lebensord- 
nung der Gruppe in der Sprechweise, den Umgangsformen und dem gan- 
zen sonstigen Verhalten hierher. Man muß jedoch von einer Überschät- 
zung dieser Quelle der Nachahmung warnen. Eine so große Wichtig- 
keit wie innerhalb unserer extrem rationalisierten Lebensführung be- 
sit der Nuten in andern Kulturen bei weitem nicht; und auch bei uns 
ist die Mitwirkung anderer Motive wohl zurückgedrängt, aber nicht auf- 
gehoben. Gewiß kann es zu Zeiten nüßlich sein, sich in seinem Äußeren 
seiner Umgebung anzugleichen. Trotgßdem spricht der Eifer, mit dem die 
Mode befolgt, und der Respekt, der ihr erwiesen wird, für einen trieb- 
haften Kern bei ihrer Befolgung. Gewiß ist es nüglich, wenn bei Jäger- 
völkern der einzelne das Handwerk der Jagd gründlich lernt; aber die 
Technik der Jagd ist auf dieser Stufe zu schwierig, als daß sie vollstän- 
dig erlernt würde, wenn nicht Neigung und Leidenschaft dahinter stän- 
den, wenn nicht bereits die Kinder mit ihr begönnen, allmählich vom 
Spiel zum Ernst übergehend, also wiederum von der Neigung von Haus 
aus bestimmt. Anders ausgedrückt: die Nachahmung erfolgt im all- 
gemeinen hier nicht allein wegen gewisser Folgen des Tuns, son- 
dern mindestens ebenso sehr wegen der Freude am Tun selber. 
d. h. genauer wegen des Inhaltes der Nachahmung. 
3. Die dritte Quelle der Nachahmung bildet nämlich die Funk- 
tionslust, die durch die Betätigung anderer Anlagen gewährt wird, 
wenn diese bei der vorgemachten und nachzeahmten Tätigkeit hefriedigt
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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