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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

226 Die Abstufung der Gesellschaft (Gemeinschaft und „Gesellschaft“). 
dern als Träger oder Verkörperungen der Gruppe. Diese Form der Ge- 
meinschaft ist sowohl für die Gattung wie für den Einzelnen die älteste 
und ursprünglichste und reicht bis in die Tierwelt herab. In ihr ist zu- 
gleich das Wesen der Gemeinschaft (und auch das Wesen der Gruppe im 
Sinne einer idealtypischen Betrachtung) am vollsten und reinsten ent- 
Faltet. | Die bekanntesten und verbreitetsten Formen dieses Typus sind 
die Familie, die Sippe und die Männerbünde samt den ihnen verwandten 
sonstigen engen Zusammenschlüssen von Männergruppen; ihnen ist bei 
kleineren Dimensionen der Stamm .anzureihen mit einem jedoch im 
Durchschnitt schon etwas schwächeren Gemeinschaftscharakter. Die 
hierbei in Frage kommenden Gruppen (die man wohl auch als Lebens- 
gemeinschaften bezeichnet) werden wir als solche erst in den folgenden 
Kapiteln nach der systematischen wie nach der historischen Seite zu 
betrachten haben. ‚Hier bildet unseren Gegenstand lediglich die be- 
sondere Form des Gemeinschaftsverhältnisses, die in ihnen auftritt. 
Wenn das Kind allmählich zum Bewußtsein erwacht, so sieht es sich 
in einen Kreis von Menschen eingeschlossen, der sich gegen alle frem- 
den Menschen in einer gewissen Weise abhebt und ihnen gegenüber zu 
einer gewissen (gegliederten) Einheit zusammenschließt. Diese Einheit 
aber wird nicht als etwas aufgefaßt, das über oder neben den einzelnen 
Menschen stände. Die Familie erscheint vielmehr als der Inbegriff aller 
ihrer Mitglieder und umgekehrt erscheinen alle dazugehörigen Personen 
als behaftet mit der Eigenschaft, zur Familie zu gehören, oder genauer 
gesagt Glieder der Familie zu sein oder diese in sich zu verkörpern. Und 
zo ist es überall bei diesem Typus. Gruppe und Individuum sind in der 
Auffassung auf das Engste verknüpft: entsprechend einer komplexen 
Auffassungsweise, wie sie überhaupt anderen Kulturen in viel höherem 
Maße als der unsern eigen ist, werden sie als ein gegliedertes Ganzes 
aufgefaßt. Die Gruppe erscheint als verkörpert in den Individuen, und 
die Individuen erscheinen als Gruppenträger, gleichsam als durchtränkt 
mit -dem Gruppencharakter. Es handelt sich dabei um ein einziges Ver- 
hältnis des Menschen zu seiner Umgebung, an dem nur zwei verschiedene 
Seiten zu unterscheiden sind. Die Gemeinschaftshaltung ist auf einen 
einheitlichen Gegenstand gerichtet, der jedoch in zwei verschiedenen For- 
men erfaßt wird: der Einzelne fühlt sich einerseits mit einem Ganzen 
verbunden, anderseits mit den einzelnen Menschen, die ihm dieses Ganze 
repräsentieren. Für einen Offizier z. B. ist jeder seiner Kameraden Trä- 
zer einer besonderen Qualität, nämlich der Zugehörigkeit zum Offizier- 
korps, und nur in dieser Eigenschaft wird er von der Gemeinschaftshal- 
tung umfaßt. Ebenso besigt, wo noch eine Familiengesinnung älterer 
Art besteht, für jeden Beteiligten jedes Familienmitglied die Familien- 
zugehörigkeit als spezifische Eigenschaft; und kraft dieser wird ihm
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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