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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

Die verschiedenen Arten der Gemeinschaft. 
231 
modernen Ehe gilt das legtere bekanntlich in höherem Maße als von 
ihren älteren Formen. Aber auch die legteren haben nicht nur den Cha- 
rakter einer persönlichen Gruppengemeinschaft, sondern entbehren der 
rein persönlichen Grundlage ebenfalls nicht völlig — wie denn überhaupt 
die hier unterschiedenen Typen vielfach sich durchdringen zu einer Ein- 
heit und mehrere verschlungen auftreten. Der Umfang der Gemeinschaft 
erreicht bei diesem Typus sein Maximum, weil die beteiligten Personen 
hier nicht bloß durch ihre Zugehörigkeit zu einem Dritten, sondern rein 
als Personen mit einander verknüpft sind. Es besteht deswegen bei stark 
entfalteten Formen wie einer starken erotischen Leidenschaft eine Ten- 
denz, die Gemeinschaft möglichst auf alle Angelegenheiten auszudehnen, 
und ebenso hinsichtlich der übrig bleibenden, persönlichen Angelegen- 
heiten die Tendenz, daß die Angelegenheiten des einen Partners als An- 
gelegenheiten des andern erlebt, also von der Vergemeinschaftung mit- 
erfaßt werden. 
Betrachten wir als Beispiel den Anteil, den Eltern an einer Ehrung ihres Soh- 
nes nehmen können. Nicht hierher gehören würde der Fall, daß der Sohn dabei nicht 
als Person, sondern als Familienmitglied geehrt erscheint und mit ihm zugleich die 
ganze Familie als solche; denn dann würde der Typus der Gruppengemeinschaft vor- 
liegen. Wir segen vielmehr voraus, daß das einschlägige Schicksal des Sohnes nicht 
als Gruppenschicksal, sondern als sein persönliches Schicksal aufgefaßt wird — und 
zwar von innen betrachtet wegen eines weitgehenden Grades von Individualismus im 
Familienleben, und von außen betrachtet, weil die Umwelt den Sohn nicht mehr als 
Sippenrepräsentanten, sondern als selbständiges Individuum auffaßt. Und doch wird 
in diesem Fall bei hinreichend enger Verbindung der Personen seine Ehrung von den 
Eltern als die ihre erlebt. Ähnlich in der Ehe. Wenn die Ehefrau z. B. einen Beruf 
ausübt, so werden ihre einschlägigen Schicksale aus den gleichen Gründen nicht als 
Angelegenheiten des Ehepaares als einer Einheit erlebt. Auch werden alle hierher ge- 
hörige Einzelheiten als unwesentlich nicht von der Vergemeinschaftung miterfaßt. 
Wohl aber werden die Berufsverhältnisse der Frau im ganzen genommen, also ihre 
Ehre, ihre Erfolge und ihre soziale Stellung normalerweise vom Mann zugleich als 
seine Angelegenheiten und Schicksale aufgefaßt. Anderseits gibt es auch in einer 
modernen Ehe noch solche Angelegenheiten, die als „unsere“ Angelegenheiten erlebt 
werden. Dahin gehört die tägliche Wirtschaft, das Hausgerät, der Besig, namentlich 
Haus und Hof, auch der gemeinsame Umgang und die Erziehung der Kinder. 
Der innere Gehalt der mit der Vergemeinschaftung verbundenen 
Ichausweitung ist freilich nicht derselbe wie bei der Gruppengemein- 
schaft. Denken wir zunächst an den zweiten der oben unterschiedenen 
Fälle, also an den Typus: seine Angelegenheiten sind meine Angelegen- 
heiten, so bezieht sich die Ausweitung hier auf kein übergeordnetes, son- 
dern nur auf ein nebengeordnetes Gebilde, nämlich auf ein Wesen von 
gleicher Art, auf ein zweites Ich, statt auf ein Gebilde, das nach seinem 
Wesen dem Ich an Gehalt überlegen ist. Die Bereicherung, die der 
Mensch bei diesem Miterleben der andern Persönlichkeit erfährt, hat
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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