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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

344 
Die Gruppe. 
Gruppe ($ 19,2), in der sich die Gemeinschafts- und Gruppenangelegen- 
heiten noch in verhältnismäßig breiter Ausdehnung behaupten; in er- 
höhtem Maße gilt es natürlich für die abstrakt begründete Gruppe, in 
der die einzelnen Mitglieder typischerweise ihren persönlichen Zwecken 
nachgehen und sich nur ausnahmsweise als Gruppe betätigen. Aber auch 
wenn wir uns auf das Eigenleben der Gruppe selbst beschränken, auch 
wenn sich die Gruppe als Ganzes betätigt, wenn sie z. B. einem Ziele 
nachgeht oder zu einer Anschauung sich bekennt, so ist sie im allgemeinen 
dabei keineswegs als eine kompakte, geschlossene Einheit tätig: man 
darf sie sich nich t gleichsam als eine Person im großen vor- 
stellen. Diejenigen Vorgänge, bei denen diese Auffassung einigermaßen 
zutrifft, sind nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Dahin gehört z. B. 
der Fall eines von einem Begeisterungstaumel erfaßten Theaterpubli- 
kums oder einer von einer einmütigen Entrüstung beseelten Massen- 
versammlung. Hier verhält sich die Gruppe in der Tat nach außen ganz 
wie eine absolute Einheit, und auch nach innen tritt das Bewußtsein der 
sinzelnen Persönlichkeit sehr in den Hintergrund. Wer sich aber nach 
diesem Beispiel sein Bild von der Einheit der Gruppe gestalten wollte, 
würde übersehen, daß eine derartige geschlossene Einheit nur einen sel- 
ten auftretenden Grenzfall bildet auch da, wo es sich um die eigenen An- 
velegenheiten der Gruppe handelt. Man spricht hier wohl von einem Ge- 
samtwillen oder überhaupt einem Gesamtbewußtsein. Aber dieser Name 
erweckt leicht falsche Vorstellungen. Tatsächlich bedeutet ein Gesamt- 
bewußtsein im allgemeinen nicht ein Zusammenklingen aller Gruppen- 
zenossen in einem einheitlichen Akte. Ferner bringen es die Betätigungen 
des Gemeinschaftsbewußtseins unter sich nicht zu einem solchen Grade 
von Einigkeit und Zusammenhang wie die Angelegenheiten des persön- 
lichen Lebens oder diejenigen Bezirke des Gemeinschaftsinteresses, die 
von beauftragten Einzelpersonen verwaltet werden. Das Prädikat der 
Persönlichkeit im Sinne eben jener Einheit und Geschlossenheit kann 
demgemäß der Gruppe und ihren seelischen Äußerungen nicht beigelegt 
werden. Höchstens könnte man es mit Wundt dem Staate zuerkennen; 
doch auch hier würde der Gehalt an Einheit und Geschlossenheit weit 
hinter demjenigen der individuellen Persönlichkeit zurückstehen, ganz 
abgesehen davon, daß die hinter dem Staate stehende Gruppe in ihrem 
inneren Aufbau des einheitlichen Zusammenklingens durchaus ermangelt 
angesichts ihrer Zerspaltung in Stände oder Klassen und Parteien. 
Selbst in einfachen Verhältnissen, die diese Zerklüftung nicht kennen, 
also auf der Stufe des genossenschaftlichen Gemeinwesens, kann man 
einen Stamm oder eine Ortsgruppe weder nach seiner inneren Beschaffen- 
keit noch nach seinem äußeren Verhalten als eine kompakte Einheit auf- 
fassen. Abgesehen von den sonstigen individuellen Verschiedenheiten
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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