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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

Die Gruppe als Einheit. 
347 
gegenüber. Dahin gehört die Beeinflußbarkeit der Gruppen und 
die relative Berechenbarkeit ihres Verhaltens. Steht die Gruppe 
besonders hinter den höher entwickelten Individuen an Rationalität des 
Verhaltens zurück, so zeigt sie doch innerhalb ihrer Irrationalität eine 
zroße Berechenbarkeit und geht dabei freilich teilweise über das Indi- 
viduum hinaus. Die Demagogie stellt eine besonders hoch entwickelte 
und praktisch bewährte Technik dar, die Volksmassen in bestimmter 
Weise zu beeinflussen. Da es dabei nur darauf ankommt der Durch- 
schnittsnatur der Menschen gerecht zu werden, so läßt sich der Erfolg 
bestimmter Mittel einer Beeinflussung hier viel leichter berechnen als 
dem einzelnen Menschen gegenüber, sofern bei diesem persönliche Eigen- 
tümlichkeiten mitsprechen, die schwerer festzustellen und zu berechnen 
sind. 
Weiter stimmt die Gruppe mit dem Einzelnen überein in dem 
Gegensag von Oberflächen- und Tiefenmotiven bei ihrem 
Verhalten und in ihren Täuschungen über die wahre Natur der treiben- 
den Kräfte dabei. Der einzelne Mensch wird bei seinem Verhalten be- 
kanntlich durch eine ganze Reihe von Motiven bestimmt, von denen er 
selbst nur die wenigsten sich zum Bewußtsein bringt; und zwar übt er 
bei dieser Selbsterkenntnis durchweg eine Auslese aus im Sinne einer 
positiven Eigenbewertung: er beachtet vor allem die Motive, die in der 
Richtung des Nüßlichen, Besonnenen, Vernünftigen und Edlen liegen 
und täuscht sich dadurch einerseits über die Qualität seines Verhaltens, 
anderseits über den Tiefencharakter der wichtigsten Motive und ihren 
Zusammenhang mit dem angeborenen Triebleben. Für jede Tat des Nei- 
des oder der Rachsucht z. B. wird der Täter eine plausible Erklärung vor- 
bringen, die auf viel edlere Beweggründe hinweist, welche legteren selbst 
im günstigen Fall im allgemeinen nur mitgesprochen haben. Ganz ähn- 
lich ist der Sachverhalt bei der Gruppe. Wenn eine Nation einen Krieg 
führt, gesteht sie niemals ein, ihn aus bloßem Machtwillen oder bloßer 
Eroberungssucht oder aus Rachedurst unternommen zu haben, sondern 
weiß stets ihr Verhalten als durchaus notwendig zu rechtfertigen, indem 
sie es etwa in älteren Zeiten auf den Willen Gottes, in modernen Zeiten 
auf die Unvermeidlichkeit der Abwehr oder die Notwendigkeit einer 
Strafe für Rechtsverlegung zurückführt. Beim individuellen wie beim 
Gruppenhandeln haben wir wesentlich denselben Sachverhalt: über den 
wesenhaft wirksamen Tiefenkräften erhebt sich vielfach ein Überbau 
rationeller und edler Motive oder wird wenigstens vorgetäuscht. Ohne 
eine solche Ideologie lebt weder ein Volk noch ein Einzelner. 
Ferner kann man von einer kollektiven Erregbarkeit und 
Reizbarkeit sprechen ganz wie beim einzelnen Menschen und ebenso 
von einer kollektiven Erschöpfbarkeit. Die Erfahrungen des Weltkrieges
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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