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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

348 
Die Gruppe. 
und der legten Revolution haben uns darüber hinreichend belehrt. Da- 
zegen verbirgt sich hinter .der Anwendung des Begriffes „Wahn- 
ideen“ auf das Völkerleben wieder eine falsche Gleichsegung der 
Sruppe mit dem Einzelnen. Im Ernst kann man nicht behaupten wol- 
len, daß ein ganzes Volk in gewissen Zeiten wie etwa der Periode der 
Hexenverfolgung geisteskrank gewesen sei. Es steckt hinter solchen An- 
schauungen das rationalistische Vorurteil, daß die menschlichen Hand- 
lungen durchweg den Anforderungen einer strengen Folgerichtigkeit ent- 
sprechen müßten, selbst wenn man die Maßstäbe dafür dem eigenen Zeit- 
ılter entnimmt. In Wirklichkeit haben die hier in Frage kommenden 
{rrationalitäten des kollektiven Verhaltens ihre Grundlage in derjenigen 
[rrationalität, die überhaupt dem Menschen eigen ist. Und darin würde 
Freilich an sich eine weitere Übereinstimmung zwischen Gruppe und In- 
Jdividuum liegen. Dagegen ist der Zustand der Psychose durchaus indi- 
viduell begrenzt. Es gibt hier freilich eine Art von Ansteckung in dem 
zanzen Verhalten, die jedoch nicht bis auf die legten seelischen Wurzeln 
geht. Es kann sich z. B. der Querulantenwahn unter besonderen Umstän- 
Jen in dem eben angedeuteten Sinn über die ganze Gruppe ausbreiten 
als eine Haltung, vermöge deren die Gruppe, etwa ein ganzes Dorf, im 
Kampf mit der Behörde oder in einem Rechtsstreit sich mit einer abnor- 
men Empfindlichkeit überall geschädigt glaubt. Doch sind derartige Aus- 
breitungen selten und durchweg auf kleine Kreise beschränkt. Gewiß 
können ganze Völker durch nationale Lebensfragen und was für ihre Ge- 
fühle damit zusammenhängt in den einschlägigen Angelegenheiten in 
;inen Zustand hochgradiger Erregung und Überempfindlichkeit verseßt 
werden, der bei der üblichen oberflächlichen Betrachtung fast krankhaft 
ınmutet. Doch handelt es sich in solchen Fällen natürlich nicht um eine 
Ausbreitung von einer oder wenigen geisteskranken Personen aus, son- 
dern um ein mehr gleichmäßiges Aufflammen der. Leidenschaften mit all 
seinen vereinseitigenden Wirkungen, wie sie an sich auch dem normalen 
Einzelmenschen eigen sind, hier freilich durch Wechselwirkung abnorm 
gesteigert werden. 
Wiederum stimmt die Gruppe mit dem Einzelnen überein in der 
Neigung zu einer gewissen Einseitigkeit des Verhaltens und über- 
haupt in gewissen Zügen bei der Reaktion auf neue Reize. Damit eine 
Tatsache oder ein größerer komplexer Tatbestand auf einen einzelnen 
Menschen wirkt, muß der Inbegriff von Reizen, der von ihnen ausgeht, 
einen gewissen Schwellenwert überschritten haben; insbesondere muß in 
der Regel eine gewisse Anhäufung von aufeinanderfolgenden Reizen erst 
stattgefunden haben, ehe es überhaupt zu einer Reaktion kommt. Ganz 
dasselbe gilt auch für eine Gruppe. Ebenso findet die Einseitigkeit des 
individuellen Geschmackes und des ganzen individuellen Verhaltens ihr
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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