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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

21 
(Das äußere Beieinander ist wenigstens im engeren Sinn nicht einmal 
unbedingt nötig, wie man sich an der Tatsache des Fernverkehrs klar 
machen kann.) Dann ist aber auch die genaue Feststellung des Wesens 
und der Art dieser inneren Beziehung für den Soziologen wichtig. Der 
Gehorsam z. B., der in irgend einem Abhängigkeitsverhältnis erwiesen 
wird, hat einen ganz verschiedenen Charakter, je nachdem er dem Un- 
terordnungswillen als einem sozialen Trieb ($ 5) oder der Furcht als 
einem außersozialen Trieb entspringt. Der Charakter des ganzen Sozial- 
verhältnisses wird durch die verschiedene Art des Gehorsams jeweils ver- 
schieden gefärbt. Also gehört zu dem Hilfsgerät des Soziologen jeden- 
falls die Unterscheidung dieser beiden Arten von Gehorsam. Eine ähn- 
liche Bedeutung hat für ihn auch die Kenntnis der sozialen Urphänomene 
und der ihnen entsprechenden Kategorien. Es ist, wie schon bemerkt, 
offenbar von Wichtigkeit für den Soziologen zu wissen, wo er bei der 
Zergliederung der sozialen Tatsachen und der entsprechenden Begriffe 
Halt machen muß. Gäbe es ein Lehrbuch der Psychologie oder Sozial- 
psychologie, in dem die einschlägigen Tatsachen bereits erörtert wären 
oder wären Sie allgemein bekannt, so würde ein kurzer Hinweis auf sie 
(oder auf ein solches Lehrbuch) genügen. Da dem bekanntlich aber nicht 
so ist, so hat man als Soziologe diesen einschlägigen Fragen gegenüber 
nur die Wahl, ob man sich mit einer Art Gesamtvorstellung vorwissen- 
schaftlicher Art ihnen gegenüber begnügen und alles Weitere in der 
Schwebe lassen will (wie es Spann in seiner Gesellschaftslehre grundsätß- 
lich tut), oder ob man die einschlägigen Fragen selber behandeln und 
ihre Ergebnisse kurz darstellen soll. 
Da hier die Methodenfrage einmal gestreift ist, sei hier noch folgendes über den 
Wert der Klassifikation der sozialen Tatsachen bemerkt, welcher stellen- 
weise viel Arbeit gewidmet und große Wichtigkeit beigelegt wird. Vielleicht ist hier- 
für Tönnies unschuldigerweise die Ursache geworden. Denn man darf bei ihm nicht 
übersehen, daß seine Unterscheidung von Gemeinschaft und Gesellschaft im Zusam- 
menhang ganz neuer Erkenntnisse, nämlich der Erkenntnis zweier Typen des mensch- 
lichen Zusammenlebens erwachsen ist: die Klassifikation hatte in diesem Fall nur die 
Aufgabe, die gewonnenen Erkenntnisse gleichsam zu bergen, d. h. ihnen eine geeignete 
Formulierung zu geben. Was sich an diesem Beispiel zeigt, läßt sich verallgemeinern: 
die Klassifikation hat dann und nur dann Wert, wenn ihr neue Erkenntnisse voraus- 
gegangen sind und sie diesen zu einer passenden Formulierung verhelfen soll. Da- 
gegen eine Klassifikation vor der Untersuchung verhilft uns zu keinem Fortschritt des 
Erkennens, weil man nicht im voraus wissen kann, ob ihr Fächerwerk später über- 
haupt einmal durch neue Erkenntnisse ausgefüllt wird, ob diese nicht neue Gesichts- 
punkte für die Einteilung in einer garnicht zu berechnenden Weise mit sich bringen 
werden. Angesichts des schöpferischen Charakters, der der Erkenntnis innewohnt, hat 
es keinen Sinn zuerst ein festes Fächerwerk zu schaffen und dann auf seine Ausfüllung 
zu warten: neue Erkenntnisse können in unerwarteter Weise neue Formen der Auffas- 
sung und der Klassifikation mit sich bringen. Hätte man zur Zeit Calileis eine Klas-
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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