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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

370 
Die Gruppe. 
zuheißen, der den Dodsonschen Traditionen nicht anhing. ... Nicht jedes Mitglied 
der Familie freilich schlug so gut ein wie die übrigen — das war leider richtig, aber 
da sie doch zur Verwandtschaft gehörten, so waren sie insofern notwendig besser als 
alle, die nicht zur Verwandtschaft gehörten, und besonders merkwürdig ist es, daß, 
während kein einzelner Dodson mit einem andern einzelnen Dodson zufrieden war, 
doch jeder oder jede nicht nur mit sich selbst völlig zufrieden war sondern auch mit 
den Dodsons im ganzen.“ 
Bei den Naturvölkern werden wir wegen ihrer ausgeprägten Gruppenbildung von 
vornherein ein starkes Selbstgefühl erwarten. Dazu- stimmen alle Mitteilungen über 
Jas selbstsichere Auftreten, das Eingeborene mit unberührten Zuständen bei der Be- 
rührung mit Europäern zeigten. Diese Sicherheit ist in erster Linie nicht aus einem 
individuellen Selbstgefühl (bei dem eine solche Stärke im allgemeinen schwer zu ver- 
stehen wäre), sondern aus einem entsprechenden Gruppenselbstbewußtsein zu erklä- 
renl). Weiter führen wir die folgende Äußerung einer australischen Quelle an (Eyl- 
mann, Die Eingeborenen der Kolonie Südaustraliens S. 35 u. 45): „wie bei uns die 
Leute, welche von der Welt abgeschlossen leben, so überschägt der Eingeborene sich 
sicht nur selbst, sondern auch alles das, was in enger Beziehung zu ihm steht wie 
Jie Heimat, die Stammesgenossen, .die heimischen Sitten und Bräuche.“ Und als Ge- 
zenstück dazu: „Den Stammesfremden wird meist jede Achtung versagt“. (Vgl. auch die 
usführlichen Erörterungen über diesen Gegenstand bei Walter Beck, Das Individuum 
bei den Australiern, Leipzig 1924 S. 67 flg., dessen Werk die vorstehenden beiden 
Äußerungen Eylmanns entnommen sind.) 
Ein weiteres dankbares Beispiel liefert der nordamerikanische Staat, zu dem 
zeine Bürger fast wie zu etwas Göttlichem aufblicken. Wir führen dafür die folgen- 
Jen Worte Sombarts an, in denen zugleich das hohe Maß von Distanz zwischen dem 
Staat und seinen Bürgern angedeutet ist: „Es ist. eine von vielen beobachtete Be- 
sonderheit des amerikanischen Bürgers, daß er in der Verfassung seines Landes eine 
Art von göttlicher Offenbarung erblickt und sie infolgedessen mit gläubiger Scheu 
verehrt. Er hat die Empfindung gegenüber der „Konstitution“ wie vor etwas Heili- 
gem, das der sterblichen Kritik entrückt ist. Man hat mit Recht von einem 5consti- 
zutional fetishworship<« gesprochen“). 
32. Die gegenseitige Hilfsbereitschaft. 
Inhalt: Der angeborene Hilfstrieb enthält in sich eine Tendenz zur gegenseiti- 
zen Hilfsbereitschaft da, wo der Gruppe ein gemeinsamer Angriff oder eine sonstige 
Not oder Gefahr von außen droht, oder wo sie in ihrem inneren Leben durch eine 
derartige gegenseitige Hilfsbereitschaft eine Förderung erfährt. Druck und Not stei- 
zern demgemäß im Gruppenleben typischerweise die gegenseitige Hilfsbereitschaft. 
Auch außerhalb des Gruppenlebens ist derselbe Tatbestand zu beobachten da, wo das 
Band einer entsprechenden Situation Menschen vereinigt. Diese Hilfsbereitschaft ist 
wohl zu unterscheiden von der Teilnahme am rein persönlichen Schicksal, die sich in 
viel geringerem Maße im Gruppenleben bemerklich macht. Ihre Grundlage bildet nicht 
egoistische Berechnung, sondern eine angeborene Anlage, sich gegenseitig zu fördern, 
wo die Bedingungen für eine solche Förderung gegeben sind. 
1) Vgl. meine Natur- und Kulturvölker 5. 181 f. 
2) W. Sombart, Der Sozialismus in den Vereinigten Staaten. S. 77.
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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