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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

372 
Die Gruppe. 
Mitglied richtet: jeder nimmt von vornherein unbewußt zugunsten seines 
Kollegen Partei und ist gegebenenfalls. zur Entkräftung und Abweisung 
ler Beschwerde bereit und verhält sich, vor allem innerlich, so, als ob 
or selbst mitangegriffen wäre. Wo ein derartiges Zusammenhalten sich 
dauernd und in stärkerem Grade bemerklich macht, sprechen wir wohl 
von einer „Clique“ oder in einem halb scherzhaften Sinne von einer 
„Kamorra“. Einen bekannten Fall dieses Verhaltens bildet auch das, 
was man den Korpsgeist der Frauen nennt, ihre Neigung bei irgend- 
welchen ‚Kritiken oder Angriffen, die sich gegen eine einzelne ihres 
Geschlechtes richten, unbedingt für diese Partei zu ergreifen. In allen 
diesen Fällen handelt es sich, mindestens von der objektiven Seite her, 
uam eine Art Schug auf Gegenseitigkeit (man kann auch sagen: um einen 
Schug. des Ganzen); denn der Angriff, der heute dem einen widerfährt, 
äroht. morgen. auch jedem anderen, falls der Angreifer nicht so zurück- 
gewiesen wird, daß er.ein für allemal die Lust zur Wiederholung ver- 
liert und nach Möglichkeit auch die Zuschauer dadurch gleichzeitig ab- 
veschreckt werden. 
Der enge Zusammenschluß der Familien, Sippen, Lokalgruppen usw. auf tieferen 
Kulturstufen hängt wesentlich mit dieser Schugtendenz zusammen. Als Beispiel sei 
nier die folgende Äußerung über die Zustände eines heidnischen Stammes im Inneren 
Borneos angeführt: „Die Hauptgründe, welche die Kayan und ihre Siedlungen im all- 
gemeinen vor Angriffen schüßen, sind die Gefechtstüchtigkeit des Einzelnen, Anhäng- 
lichkeit und’ Gehorsam der Familie ihrem Häuptling gegenüber, das Nebeneinander 
mehrerer Landhäuser an einem taktisch gut gewählten Orte, endlich der starke Zu- 
zammenhalt. (strong cohesion) zwischen den Bewohnern verschiedener und selbst von- 
sinander ‚entfernter Siedlungen. Die Kayan suchen zwar keine Gelegenheit, sich in 
Blutschuld zu verwickeln, jedoch halten sie mit viel Stolz auf ihre Rechte und lassen 
keinem Stammesgenossen ein Unrecht widerfahren, ohne dafür Vergeltung za üben“ 
(Hose and Mc Dougzall, The pagan tribes of Borneo I, 158). 
9. Auchim inneren Verkehr innerhalb einer Gruppe zeigt 
;ich dieselbe spezifische Hilfsbereitschaft; und zwar hebt sie sich hier in 
‚harakteristischer Weise ab von der rein persönlichen Hilfswilligkeit. Es 
zeigt sich‘ nämlich ein einschneidender Unterschied in der Stärke der 
Hilfsbereitschaft, je nachdem das Übel, das nach Abhilfe verlangt, eine 
rein persönliche oder zugleich eine gemeinschaftliche Bedeutung hat. 
‘Vgl. $ 18,5.) Für das Verhalten einer Schulklasse macht es z. B. einen 
großen Unterschied, ob einer der Ihrigen von einer fremden Schule ge- 
<Xränkt oder angegriffen ist, oder ob er daheim krank daniederliegt; das 
lettere bedeutet keine gemeinsame Bedrohung und ruft dementsprechend 
keine gemeinsame Teilnahme hervor. So ist allgemein das Erweisen 
bner stärkeren Teilnahme daran geknüpft, daß die in solcher Weise han- 
Jelnde Gruppe gleichzeitig sich selbst als ein Ganzes zu fördern die Aus- 
sicht hat. Wir versuchen, diesen Sag induktiv zu erhärten durch. Zer-
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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