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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

Gegenseitige Hilfsbereitschaft. 
375 
Ort oder Stamm Neues an Liedern, Erzählungen und Nachrichten bringt, 
bedeutet eine wohltuende Anregung, ebenso wie sie der Gast seinerseits 
nach der Rückkehr den Seinen zu spenden vermag. Solange es keine 
gewerbsmäßige Verpflegung von Fremden gibt, ist die Gastfreundschaft 
das einzige Mittel zur Befriedigung dieses Bedürfnisses. Man könnte 
freilich zweifeln, ob die Gastfreundschaft bei der Einfachheit der ein- 
schlägigen Verhältnisse überhaupt ein Opfer fordert, oder ob sich nicht 
vielmehr der Ring der gegenseitigen Förderung hier bereits im Einzel- 
fall schließt. Deutlicher ausgeprägt ist unser Typus bei Fällen der folgen- 
len Art. Auch an Stellen, die für gewöhnlich unbewohnt sind, kann 
eine entsprechende Fürsorge walten. In gewissen Teilen Südamerikas 
gibt es für die Eingeborenen bestimmte regelmäßig besuchte Rastpläte, 
an denen der Ankommende Brennholz und vielfach auch kleine einfache 
Schußhütten vorfindet. In den legteren trifft er teilweise auch getrock- 
nete Maniokmehlpflanzen an, die (ähnlich wie das Brennholz) von den 
vorbeiziehenden Reisenden für später kommende Stammesgenossen 
deponiert werden und bei dem jedesmaligen Besuch von Reisenden 
nach Möglichkeit ergänzt werden!). Im großen war ähnlich das mittel- 
alterliche Handwerk auf dem Grundsatz aufgebaut: der einzelne Hand- 
werker hilft sich selber, soweit er es mit seinen Kräften kann; über 
diese Grenze hinaus aber springt die Zunft ein: ihr „obliegen alle 
Tätigkeiten, die über die Kraft des Einzelnen hinausgehen, etwa die 
Besorgung des notwendigen Rohstoffes im großen oder von weit her 
oder die Organisation des Absages der Erzeugnisse über ein größeres 
Gehiet*2\. 
Aus Beispielen von der Art der zulett angeführten, deren Zahl sich 
fast ins Unbegrenzte vermehren ließe, können wir induktiv einen all- 
gemeinen Sag über die Grenze der gegenseitigen Hilfs- 
bereitschaft ableiten: die Hilfe tritt normalerweise nur soweit in 
Aktion, wie die Kräfte der unverbundenen Elemente für die Leistung 
nicht ausreichen. Darüber hinaus aber bleiben die Elemente sich selbst 
überlassen. Anders ausgedrückt zeigt sich die Hilfsbereitschaft nur, soweit 
durch das Zusammenwirken eine Leistung verbessert oder erst ermöglicht 
wird: soweit sie aber ohne sie erfolgen kann, bleibt die Hilfsbereitschaft 
aus. Für die Bestellung des Bodens haben wir bereits oben auf 
diesen Zusammenhang hingewiesen. Für den Konsum der Nahrungs- 
mittel gilt typischerweise bei primitiven Stämmen die gleiche Regel: die 
Ergebnisse der Jagd und meist auch des Fischfanges werden in der einen 
oder anderen Art unter einen größeren Kreis von Sippen- oder Orts- 
1) Max Schmidt, Ethnologische Volkswirtschaftslehre ., 81. 
2) Werner Sombhart. Der moderne Kapitalismus I3. 193 u. 113. 74.
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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