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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

100 
ihrer. Als Sache können dabei natürlich auch Menschen oder sonstige 
lebende Wesen behandelt werden, wovon später ausführlicher die Rede 
sein wird. 
Die Gruppe. 
Nach der Situation, in der diese Form der Moral waltet, 
können wir das ihr entsprechende Verhältnis endlich als Jagdver- 
hältnis bezeichnen: wie das verfolgte Wild ist das Wesen, das ihr 
Objekt bildet, bar aller Ansprüche und ein bloßer Gegenstand eigener 
[nteressen. Zugleich weist diese Bezeichnung darauf hin, wie tief ver- 
wurzelt dieses Verhältnis in den menschlichen Lebensbedingungen ist; 
denn die Jagd, in der diese Moral in klassischer Reinheit zur Geltung 
kommt, ist ein normaler Lebensvorgang. Diese Moral entspringt also 
aus einer bestimmten Art von Naturzustand, nämlich einem Zustande 
des Kampfes aller gegen alle. Das ist gewiß nicht der einzige, wohl 
aber ein wesentlicher Zustand, in dem sich der Mensch seiner Umwelt 
zegenüber befindet. Die hier in Rede stehende Haltung der morallosen 
Selbstfürsorge ist also von Haus aus notwendig, weil das Leben in die- 
sem Zustande mit einem unversöhnlichen Gegensag der Interessen be- 
haftet ist. Sie behauptet sich auch bis in alle Verfeinerungen unserer 
Kultur, wenn es auch bei uns feinnervige Individuen gibt, die ihr nicht 
ins Gesicht zu schauen vermögen. Aber auch außerhalb derjenigen 
Situationen, in der sie absolut notwendig ist, tritt die gleiche Haltung 
vielfach auf als absolute Gleichgültigkeit und Willkür gegen alle Ob- 
jekte, die nicht zur Sozialwelt gehören und nicht anderweitig Objekte 
von Pflichten sind. 
Die ursprüngliche Verbreitung dieser Moralform haben wir 
lamit bereits angedeutet. Sie kommt zur Anwendung nur gegenüber 
Wesen, die nicht zur Sozialwelt gerechnet werden. Dazu können natür- 
lich auch Menschen gehören, wofern sie als völlig fremde erscheinen. 
Hierher gehört die Sklaverei, soweit sie keinen patriarchalischen Charak- 
ter besigt. Ferner gehören sonstige reine Gewaltverhältnisse hierher; 
so vielfach die Kriege von Europäern gegen Naturvölker, die vom reinen 
Vernichtungswillen bestimmt sich kaum von einer Jagd unterscheiden, 
oder Plünderungszüge zwischen Stämmen, die nur hierbei in gelegent- 
liche Berührung treten. Abgesehen vom ersten Beispiel handelt es sich 
dabei nur um vorübergehende Verhältnisse. Bei dauernder Berührung 
mildert sich nämlich in der Regel das ursprüngliche Verhältnis. 
Die drei vorstehend unterschiedenen Sozialmoralen verteilen sich 
natürlich nicht über verschiedene Individuen in einer Gruppe, sondern 
jedes Mitglied bewegt sich in jeder dieser Moralen je nach den Ver- 
hältnissen. Jedoch kann man anderseits von einem Dominieren der 
einen oder anderen Form bei jedem Individuum sprechen und danach
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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