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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

Zuschauer und Handelnde. 
409 
Gedanke freilich der, diese Sitte aus dem Ausdrucksbedürfnis der handelnden Per- 
sonen selbst, also psychologisch zu erklären. Tiefer greift jedoch die soziologische Er- 
klärung: die übrigen Gruppengenossen wollen es leibhaft sehen, daß der ehemalige 
Knabe mit dem Eintritt der Reife ein anderer Mensch geworden ist; solange sie das 
wicht wirklich geschaut haben, können sie sich innerlich gleichsam nicht darein finden, 
daß sie jegßt einen ganz anderen Menschen vor sich haben, und sich demgemäß nicht 
zu einer angemessenen Würdigung desselben verstehen. Auch die Erklärung des 
Schmuckes gehört hierher, und zwar sowohl des Schmuckes des menschlichen Leibes 
wie desjenigen der Geräte. Die psychologische Erklärung würde hier auf die bloße 
sinnliche Freude, das vitale Kraftgefühl des Trägers des Schmuckgegenstandes ($ 4,1) 
zurückgreifen. Auch hier führt die soziologische Erklärung weiter: wird aus irgend 
einem Motiv ein Schmuck geschägt, so wird er auch seinen Besiger in den Augen der 
Genossen heben. Die soziale Wirkung, die so vom Schmuck ausgeht, bringt damit als 
cin weiteres Motiv den Instinkt des Selbstgefühls ins Spiel und fügt so zu der ur- 
;prünglichen Freude am Schmuck einen weiteren, wahrscheinlich viel stärkeren Be- 
weggrund hinzu. 
2. Von dem bisher betrachteten wenden wir uns jegt zu einem ande- 
ren verwandten Typus. Hier treten an die Stelle der Handlungen als 
dasjenige, was durch den gesellschaftlichen Mechanismus beeinflußt wird, 
bestimmte Anschauungen, die sich auf die Angelegenheiten 
des Zusammenlebens beziehen, so die Anschauungen über Staat und Ge- 
sellschaft, Recht und Kirche, Ehe und Lebensglück und andere mensch- 
liche Angelegenheiten allgemeiner Art, ferner die Lebensauffassung 
im ganzen und, soweit sie mit ihr zusammenhängt, auch die Weltanschau- 
ung. Alle die Anschauungen, von denen hier die Rede ist, gelten zwar 
innerhalb der gesamten Gruppe, geschaffen aber werden sie nicht durch 
gleichmäßige Beteiligung aller, auch nicht durch diejenigen Teilgruppen, 
die praktisch dabei als der betroffene Teil in Frage kommen, sondern 
von den im übrigen unbeteiligten Teilgruppen. Nicht der Erlebende ; 
sondern die Betrachtenden prägen die Anschauungen und üben 
dadurch mittelbar auch Einfluß auf die entsprechende Lebensgestaltung 
aus. So werden etwa die landläufigen Anschauungen über die Zuträg- 
lichkeit der Armut nicht von denjenigen geprägt, die sie an sich selbst 
erfahren. Auch die Anschauungen über die segensreichen Wirkungen 
des Krieges und seine Unentbehrlichkeit werden zum großen Teil von 
solchen verfochten, die ihn nicht am eigenen Leibe erlebt haben. In die- 
sem Falle handelt es sich bei der Verschiedenheit der Funktionen des 
Erlebenden und des Betrachters um getrennte Personen ; in an- 
deren Fällen kann, ebenso wie bei dem vorher erörterten Typus, auch 
ein Rollenwechsel stattfinden: die Geschichte eines Krieges wird in der 
Regel von Fachmännern, aber nicht im Augenblick des Erlebens, sondern 
in einem Zustande der Betrachtung verfaßt. Dasselbe gilt z. B. auch für 
den Unsterblichkeitsglauben in seinen älteren Formen. Uns erscheint 
es als natürlich, daß dieser aus der Sehnsucht nach einer Fortdauer nach
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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