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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Die Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

416 
Die Gruppe. 
ist z. B. die merkwürdig befreiende und anregende Wirkung, die in der 
Schaffung eines glücklichen Wortes, d. h. in der sprachlichen Fixierung 
eines Begriffs oder Urteils liegt. Jede solche Wortbildung bedeutet eine 
Fixierung, vermöge derer das Denken zur Ruhe kommt und sich selber 
gegenübertritt. Ist für den Begriff einmal das glückliche Wort gefun- 
den, so ist dieser Begriff damit zunächst aus dem Zusammenhang des 
übrigen Bewußtseins herausgelöst; damit ist die Möglichkeit einer viel 
stärkeren Verdeutlichung und Klärung gegeben. Ferner hängen sich an 
das einmal fixierte Wort wie an einen Magneten weitere verwandte Vor- 
stellungen an, so daß er zu einem Verdichtungspunkt wird, vermöge 
dessen der neu geschaffene Begriff und die damit verbundenen Urteile 
fortgesegt neue Anwendungen finden und sich selbst klären können. 
Eine ganz ähnliche Rolle spielt im Leben der Gesamtheit das Sprichwort, 
das gewisse charakteristische Züge des menschlichen Lebens an einer 
Reihe von Ereignissen immer wieder zu erkennen und im Bewußtsein zu 
fixieren ermöglicht: ohne die Formel, die es bietet, würden diese Züge 
im allgemeinen kaum beachtet werden; ohne sie würde weiter solche 
Beachtung sich nicht summieren können zu einer einheitlichen Auffas- 
sung. Endlich können wir auch die gesamte Wissenschaft unter unseren 
Gesichtspunkt stellen. Meinungen über die menschlichen und die natür- 
lichen Dinge gibt es auch außerhalb ihrer bei jedem Volk und in jedem 
Kopf. Die Wissenschaft hebt eine Reihe solcher Meinungen, die sich auf 
dasselbe Problem beziehen, zunächst aus dem natürlichen Zusammenhang 
des menschlichen Bewußtseins heraus, indem sie deren Inhalte unter ganz 
anderen, nämlich sachlichen Gesichtspunkten zusammenstellt. Sodann 
mehrt sie planmäßig den Schag aller Erkenntnisse, die sich auf dasselbe 
Problem beziehen, so daß wir auch hier die Funktionen der Isolierung 
und Verdichtung wiederfinden. 
Unsere Betrachtung bezog sich bisher nur auf die gesellschaftliche und geistige 
Seite der Kultur. Sie gilt jedoch auch für deren technische Seite, also für das Be- 
reich der Werkzeuge, Waffen, Geräte, Maschinen usw., nur daß hier an die Stelle 
seelischer Erlebnisse die Tätigkeiten des menschlichen Leibes treten. Ihnen gegen- 
über übt das Bereich der materiellen Kulturgüter ebenfalls die Funktionen der 
Isolierung und Verdichtung aus. Ein paar Beispiele mögen hier genügen. Für die 
Anfänge der menschlichen Werkzeuge ist dieser Gedanke bereits von Kapp und 
Noir& ausgeführt worden: die Werkzeuge erseßen die menschliche Hand. Diese 
ist von Haus aus ein universelles Instrument, zu einer Fülle von Verrichtungen be- 
fähigt. Jedes einzelne Werkzeug dagegen wie Meißel, Bohrer oder Messer vermag 
nur eine einzige dieser Tätigkeiten auszuüben: diese werden mithin durch die 
Objektivierung isoliert. Einer einzelnen Tätigkeit vermag sich aber anderseits das 
Werkzeug in viel höherem Maße anzupassen als die Hand, indem es von rohen 
Anfängen durch eine lange Entwicklung immer mehr vervollkommnet wird: so 
zeigt sich hier auch die Funktion der Verdichtung. Als zweites Beispiel sei die
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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