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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

460 Die, wichtigsten historischen Formen der Gruppe. 
den für seine Verwirklichung angegebenen Mitteln: aus dem Ziel 
spricht eine kollektivistische, aus dem Durchführungsplan dagegen eine 
ausgesprochen individualistische Gesellschafts- und Lebensauffassung. 
Die legtere bekundet sich schon in der großen Rolle des Gleich- 
heitsgedankens. In der Behandlung des Gleichheitsproblems 
scheiden sich nämlich, wie Spann treffend ausgeführt hat), die individua- 
listische und kollektivistische Gesellschaftsauffassung in ausgesproche- 
ner Weise voneinander. Eine starke Neigung zum Gleichheitsgedanken 
zeigt nur der Individualismus, und zwar sowohl in deskriptiver wie in 
normativer Hinsicht, d. h. sowohl zum Gedanken der gleichen Veran- 
lagung wie zur Forderung der gleichen Rechte. Er neigt insbesondere 
dazu, angeborene Unterschiede zu bestreiten oder sie nicht als wertvoll 
gelten zu lassen, als wertvoll vielmehr mur erarbeitete Eigenschaften an- 
zuerkennen. Begreiflicherweise sträubt sich das individuelle Selbst- 
bewußtsein gegen Ungleichheit da, wo keine innere Verbundenheit 
zwischen den Einzelnen besteht. Hier gibt es nämlich keinen inneren 
Ausgleich der individuellen Schwäche durch eine Gemeinschaft mit dem 
stärkeren oder überlegenen Ganzen. Der Kollektivismus dagegen braucht 
auf die Forderung der Gleichheit kein großes Gewicht zu legen, weil er 
ein echtes „Teilhaben‘ des schwächeren Einzelnen an der Stärke anderer 
oder des Ganzen kennt. Er legt statt auf Gleichheit auf Gerechtig- 
keit das Hauptgewicht, d. h. auf eine Behandlung, bei der jeder gemäß 
seiner Bedeutung für das Ganze gewürdigt wird. Eine angemessene 
Behandlung vom Standpunkt des Ganzen aus ist bei einem Zustande der 
Gemeinschaft dazu angetan, auch den Einzelnen zu befriedigen und mit 
etwaigen Ungleichheiten zu seinen persönlichen Ungunsten auszusöhnen. 
Ähnlich zeigt sich allgemein die Herrschaft des Individualismus in 
dem sozialistischen Gesellschaftsplan. Es fehlt z. B. das Verständnis für 
die Bedeutung der Berufsstände, für die Überlieferung spezieller geistiger 
und ethischer Werte in ihnen. Wir erinnern an Bebels Utopie: für die 
Würde der Arbeit hat sie kein Verständnis; sie kennt keinen Wunsch der 
Hingabe an sie; sie kennt überhaupt nichts Überindividuelles. Ihr Ideal 
ist möglichst wenig Arbeit, weil von der Arbeit als selbstverständlich und 
unvermeidlich vorausgesegßt wird, daß sie innerlich „leer“ ist, und mög- 
lichst viel Muße, und zwar lediglich für die persönliche Bequemlichkeit 
und Annehmlichkeit, mag diese auch geistige Güter zum Inhalte haben. 
Die. ausgesprochene Leere dieses Ideals erscheint als eine Projektion des 
eigenen inhaltsarmen Lebens der Arbeitermassen. Es ist dabei die be- 
sondere Färbung der Gemeinschaft bei der Arbeiterklasse zu beachten: 
die Gemeinschaft beruht hier auf Wesens- und Schicksalsgleichheit, ist 
1) Othmar Spann, Gesellschaftslehre? S. 159 fg.
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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