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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

462 Die_wichtigsten historischen Formen der Gruppe. 
Range eines Dialektes zeigen. Die Gesamtheit solcher Stämme bezeichnet 
man wohl auch mit einem freilich schwankenden Sprachgebrauch als ein 
Volk. Übrigens ist bekanntlich auch die Grenze zwischen bloßem Dia- 
lekt und eigentlicher Sprache fließend; man denke z. B. an die hollän- 
dische oder dänische gegenüber der deutschen Sprache. In kleineren 
Dimensionen besteht auch zwischen derartig verwandten Stämmen oft 
noch ein persönlicher Verkehr, und es ist in diesem Fall noch ein 
schwaches Gemeinschafts- oder wenigstens ein gemeinschaftsnahes Ver- 
hältnis vorhanden. Auch bei größeren Kopfzahlen ist ein solches wohl 
noch anzunehmen: jedoch ein eigentliches tieferes Einheitsbewußtsein im 
Sinne des Nationalbewußtseins fehlt. So fehlt es bekanntlich in Indien 
und China zwischen den verschiedenen Stämmen: bei uns war es im Mit- 
telalter ebenso, und in der Neuzeit hat sich vor dem neunzehnten Jahr- 
hundert das Nationalbewußtsein nur schrittweise und in geringem Maße 
entwickelt. 
Wesentlich für den Stamm ist nach dem Gesagten nicht die Einheit des 
Blutes, die angesichts der Mischungen, der Kriege und der freiwilligen Adoptionen 
überhaupt nur in beschränktem Maße vorhanden zu sein braucht, und von der man 
auch nicht absehen könnte, wie sie in den größeren Dimensionen des Stammes (im 
Gegensag zum Familienleben) sich innerlich zur Geltung zu bringen vermöchte. We- 
sentlich ist vielmehr die Gleichheit der Kultur, diese aber nicht wegen des Bewußt- 
seins davon oder des Stolzes darauf, sondern wegen der durch sie gewährten Möglich- 
keit persönlicher Gemeinschaft. 
2. Die Nation hat sich abgesehen vom klassischen Altertum nur 
im modernen Westeuropa, und zwar hier aus einer Anzahl von Stäm- 
men heraus entwickelt. Diese haben sich seit dem Beginn der Neuzeit 
allmählich enger verbunden. Zunächst in politischer Hinsicht unter Nivel- 
lierung ihrer rechtlichen Besonderheiten und Aufhebung ihrer wirtschaft- 
lichen Absonderungen. Schrittweise nahm ferner der Verkehr auf dem 
wirtschaftlichen und geistigen Gebiete zu. Dazu kam die Spracheinheit 
in Gestalt einer einheitlichen Schriftsprache. Seit 1800 fielen dann auch 
die ständischen Absonderungen, die das Einheitsgefühl behindert hatten. 
Es stieg gleichzeitig der Verkehr und ebenso der nivellierende Einfluß 
des immer mehr eingreifenden Staates. Seit dieser Zeit trat auch die all- 
gemeine Nivellierung in Sitte und Tracht und allen sonstigen Gepflo- 
genheiten ein, die bis dahin die verschiedenen Stämme und Stände 
gesondert hatten. Dazu kam endlich die Entwicklung des nationalen 
Machtwillens, des sogenannten Nationalismus als eine sehr starke Kraft. 
Seit 1800 spricht man demgemäß wohl von einer aktiven an Stelle der 
bisherigen passiven Form der nationalen Gemeinschaft. Diese ist jegt 
wesentlich auch Willensgemeinschaft geworden, während sie vorher nur 
Gefühlsgemeinschaft war. Namentlich die französische Revolution hat
	        

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Responsible Government in the Dominions. Clarendon Pr., 1912.
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