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Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
178263682X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-177433
Document type:
Monograph
Author:
Vierkandt, Alfred http://d-nb.info/gnd/118804472
Title:
Gesellschaftslehre
Edition:
2., völlig umgearb. Aufl
Place of publication:
Stuttgart
Publisher:
Enke
Year of publication:
1928
Scope:
XI, 484 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • 1. Kapitel. Die sozialen Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft
  • Zweites Kapitel. Die Abstufungen der Gesellschaft (Gemeinschaft und "Gesellschaft")
  • Drittes Kapitel. Die Gruppe
  • Viertes Kapitel. Die wichtigsten historischen Formen der Gruppe
  • Index

Full text

bp. 
78 Die sozialen. Anlagen des Menschen und das Wesen der Gesellschaft. 
Verhältnissen einen Trieb zum Meiden auslöst ($ 18, ;) oder den Kampf- 
instinkt in Bewegung segt. Daß im legteren Fall gerne eine Schuld bei dem 
Schwachen gefunden wird, die ein Recht zum Kampf gibt, entspricht na- 
türlich der allgemeinen menschlichen Neigung zur Ideologie. Und zwar 
kann sich der Kampftrieb sowohl in individueller wie in kollektiver 
Form betätigen: das legtere, falls der Anstoß erregende Gegenstand als 
Schädigung für die Gruppe empfunden wird. Das Ausstoßen aus dem 
Stamm hat hierin wahrscheinlich seine legte Wurzel. Es weist auf ver- 
wandte Erscheinungen bei geselligen Tieren hin, nämlich die Tötung 
kranker und schwacher Tiere durch die übrigen, falls wir diese als sicher- 
gestellt betrachten dürfen. Zum Teil tritt der Kampftrieb jedenfalls auch 
aus Funktionsbedürfnis in Tätigkeit. Daß er sich in diesem Falle be- 
sonders gegen den Schwachen richtet, ist begreiflich, weil dieser das be- 
quemste Ziel für ihn darstellt, besonders bei solchen Menschen, die ihrer- 
seits selbst irgendwie schwach sind und für den Mangel ihrer Behaup- 
tungsfähigkeit nach einem Ausgleich verlangen. „Menschen, die sich in 
der Gesellschaft nicht sicher fühlen“, sagt Niegsche!), „benugßen jede Ge- 
legenheit, um an einem Nahegestellten, dem sie überlegen sind, die Über- 
legenheit öffentlich, vor der Gesellschaft zu zeigen, zum Beispiel durch 
Neckereien.“ Man denke auch an den bekannten Zusammenhang zwischen 
dem Kriechen nach oben und dem Treten nach unten. Auch der Typus 
des Sündenbocks, sowohl historisch in mancherlei Formen des Gruppen- 
lebens verkörpert wie im persönlichen Leben täglich zu beobachten, ge- 
hört hierher: „Der Mensch, dem etwas mißlingt, führt dieses Mißlingen 
lieber auf den bösen Willen eines anderen als auf den Zufall zurück. Denn 
an Personen kann man sich rächen, die Unbilden des Zufalls muß man 
hinunterwürgen“?), 
3. Die Funktionslust, d. h. die reine Freude am Kampfe um 
seiner selbst willen, ist überhaupt von großer Bedeutung für die weite 
Verbreitung des Kampfes. Wie nichtig ist oft der Anlaß zu einem hef- 
tigen und erbitterten Streit. Die Erklärung liegt hier in dem Satz: Wo 
kein Zündstoff vorhanden ist, da wird er irgendwie hergestellt. Das gilt 
besonders von den Fällen, in denen die Gelegenheit zum Kampfe erst 
aufgesucht wird, wie bei den Kirmesfesten unserer Bauern. Auf Funk- 
tionslust beruht auch der verbreitete „leise, oft kaum bewußte, rasch ver- 
fliegende Anreiz, einer Behauptung oder Aufforderung, namentlich wenn 
sie uns in kategorischer Form entgegentritt, die Verneinung entgegen- 
zusegen“. (Simmel.) Ebenso enthält der Kordeliatypus einen Hauch von 
Funktionslust in sich. Auch jene Oppositionsnaturen sind anzuführen. 
1) Menschliches, Allzumenschliches I Nr. 329. 
2) Ebenda Nr. 370.
	        

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Gesellschaftslehre. Enke, 1928.
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