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Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

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Bibliographic data

fullscreen: Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer

Monograph

Identifikator:
1823001769
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-220908
Document type:
Monograph
Title:
Wirtschaftssymptome
Place of publication:
Köln
Publisher:
Dumont Schauberg
Year of publication:
1930
Scope:
96 S.
graph. Darst.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Ausland
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Amerikareise deutscher Gewerkschaftsführer
  • Title page
  • Contents
  • I. Kapitel. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten
  • II. Kapitel. Aus dem sozialen Leben Amerikas
  • III. Kapitel. Die Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten
  • IV. Kapitel. Die Arberterbanken

Full text

dem sie die aufgezählten Merkmale des Siedlerkapitalismus ge- 
mein haben, wenn im Verlauf der Geschichte ihre Bevölkerung 
nach Rasse und Herkunft, nach Tradition und kulturellen Voraus- 
setzungen ebenso homogen geblieben wäre wie diejenige Austra- 
liens. Allein hier tritt die Besonderheit der rassenmässigen Zu- 
sammensetzung der Bewohner in Erscheinung. Elf Millionen 
Neger, die vor wenig mehr als einem halben Jahrhundert noch 
Plantagensklaven waren, und eine noch grössere Zahl von Neu- 
kömmlingen aus agrarischen Ländern, ohne berufliche Quali- 
fikation und mit geringen Lebensansprüchen, sind eine soziale 
Menschenkategorie, die von vornherein mit ungleichen, nach- 
teiligen Voraussetzungen in den Wettbewerb eintritt, eine Prole- 
tarierschaft nach den Wünschen und Bedürfnissen des industriellen 
Kapitalismus. So entstand dem Lande eine soziale Unterschicht, 
bei der klassenmässige und rassenmässige Benachteiligung weit- 
gehend zusammenfallen, was den Herrschenden die Trennung der 
Gesamtarbeiterschaft bedeutend erleichterte, indem die klare Linie 
der einheitlichen Interessen und des sozialen Kampfes der Gesamt- 
arbeiterschaft verwischt wurde. (Ähnliche Gründe mögen wohl 
zeitweise den sozialen Kampf in England gemildert haben, dessen 
Kolonialproletariat sich in verschiedenen Formen ebenfalls als 
unterstes Ausbeutungsobiekt darstellt, über welchem das heimische 
Proletariat als eine Oberschicht gelagert ist.) 
Und daneben blieb — der australischen Arbeiterschaft ähnlich — 
eine arbeitende Oberschicht erhalten, deren Löhne zu den untersten 
einen starken Abstand haben, die wenigstens einigermassen Teil- 
haber ist an dem allgemeinen Wohlstande des Landes, und die 
verständlicherweise dieses Gefühl auch keineswegs verleugnet. 
Staatsbürgerstolz und Freiheitsbewusstsein sind bei ihr sehr 
hoch entwickelt. Wer das Verwaltungshaus des amerikanischen 
Gewerkschaftsbundes betritt, den begrüsst eine Inschrift, welche 
lautet: „The soil of the United States is sanctified by liberty; 
the seamen and the last of the bondmen are free“ („Der Boden der 
Vereinigten Staaten ist geheiligt durch die Freiheit, der Seemann 
und der letzte der Landarbeiter sind freie Männer‘‘), und dies ist 
auch ungefähr die Schlüsselnote gewerkschaftlicher Kongress- 
reden und ähnlicher Auslassungen. Sicher ist es viel weniger 
die materielle Besserstellung durch verhältnismässig hohe 
Entlohnung, die dieser gehobenen Arbeiterschaft ein solches Ge- 
fühl staatsbürgerlicher Vollwertigkeit gibt, als vielmehr der Um- 
stand, dass ihr (formell restlos, praktisch vielfach) die Wege offen- 
liegen zu höheren Ebenen des sozialen Daseins. Dies haben wir 
ausgiebig dargelegt. 
Der Freiheitskult und die Aufstiegsaussichten haben lange Zeit 
in der oberen Arbeiterschicht auch eine Ideologie begünstigt, die 
194.
	        

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Amerikareise Deutscher Gewerkschaftsführer. Verl.-Ges. des Allg. Dt. Gewerkschaftsbundes, 1926.
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