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Kartelle

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Bibliographic data

fullscreen: Kartelle

Monograph

Identifikator:
1831288826
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-230774
Document type:
Monograph
Author:
Passow, Richard http://d-nb.info/gnd/116052732
Title:
Kartelle
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1930
Scope:
176 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Kartelle
  • Title page
  • Contents
  • I. Der Kartellgriff
  • II. Über Geschichte und Anwendungsgebiet der Anbieterkartelle

Full text

— 106 
auf diesen Punkt noch näher einzugehen sein — irgendeiner, faktisch 
aus Industriellen des betreffenden Gewerbezweiges zusammengesetzten 
Kommission die Regelung der Produktions- und Absatzverhältnisse 
staatlich übertragen wird, wenn aber diese Kommission nicht als Ver- 
tretung der Gesamtindustrie, sondern in der Art einer Behörde auf- 
tritt und die davon betroffenen Industriellen die Zusammensetzung 
der Kommission und ihre Maßnahmen nicht unmittelbar zu beein- 
flussen vermögen. In solchem Falle handelt es sich zwar um eine 
Zwangsorganisation, nicht aber um ein Zwangskartell. 
4. Kein Zwangskartell liegt weiter vor, wenn der Staat zwar 
die Unternehmer eines Gebietes zwangsweise zu einem Verbande zu- 
sammenschließt, der Verband aber keine Kartellfunktionen hat. Ich 
nenne in diesem Zusammenhange die Bergbau-Hilfskassen, die Be- 
rufsgenossenschaften, Landlieferungsverbände, reine „Steuergemein- 
schaften“ u. dgl., doch ist zu bemerken, daß auch bei Zwangsver- 
bänden, die zu ganz anderen Zwecken geschaffen sind, sich häufig 
die Neigung zeigt, die ihnen vom Staate verliehene Gewalt zugleich 
im Interesse kartellartiger Maßnahmen auszunutzen *), 
5. Endlich liegt kein Zwangskartell vor, wenn der zwangsweise 
Zusammenschluß eine vollständige Verschmelzung der verschiedenen 
Unternehmungen herbeiführt. In diesem Falle müßte man von einem 
Zwangstrust sprechen. 
II. Von Zwangskartellen (und Zwang ssyndikaten) sollte man 
nur sprechen, wenn der Zusammenschluß der beteiligten Geschäfte 
direkt durch staatlichen Zwang herbeigeführt wird. Eine solche 
direkte staatliche Maßnahme ist von so wesentlicher Besonderheit, 
daß das Bedürfnis besteht, diesen Fall auch sprachlich scharf von 
anderen zu scheiden, in denen der Staat zwar indirekt auf das 
Zustandekommen eines Kartells von großem Einflusse war, es sich 
aber trotzdem um ein freies Kartell handelt. Von einem Zwangs- 
kartell kann also da nicht gesprochen werden, wo der Staat das 
Zustandekommen eines freien Kartells nur angeregt und — wenn 
auch noch so einflußreich — gefördert hat, z. B. durch direkte 
Empfehlung, durch Geltendmachung seines Einflusses als Auftrag- 
geber, durch Zollschutz, durch steuerliche Maßnahmen, durch Er- 
schwerung des Entstehens neuer Konkurrenzwerke, durch Er- 
1) Vgl. dazu das S. 103, Anm. 2 über die westfälische Berggewerkschaftskasse 
Ausgeführte, Die Schaffung der Berufsgenossenschaften hat s. Zt. vielfach den Gedan- 
ken geweckt, diese Einrichtung auch zu Kartellzwecken auszubauen. Vgl. weiterhin 
die Zitate aus Steinmann-Bucher und Wasserrab.
	        

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Kartelle. Verlag von Gustav Fischer, 1930.
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