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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Volume

Identifikator:
1876769408
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-262860
Document type:
Volume
Author:
Cassirer, Ernst http://d-nb.info/gnd/118519522
Title:
Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit
Volume count:
Bd. 1
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Cassirer
Year of publication:
1906
Scope:
XV, 608 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Volume
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch: Die Grundlegung des Idealismus
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

474 
Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
derartigen Dilemma fangen. Sein Vergleich der Gesellschaft mit einem 
biologischen Organismus hat nur den Wert eines einfachen Gleichnisses, 
das heute fast allgemein verworfen wird. Ihm erscheinen der wirtschaft 
liche Individualismus und die persönliche Freiheit als untrennbar. Er 
teilt eine Illusion, die zu jener Zeit fast allen Volks Wirtschaftlern gemein 
sam war. Es schien damals unmöglich, über den Individualismus zu 
triumphieren, ohne die Freiheit zu zerstören. Wir wissen aber heute, 
daß diese Ideenverbindung, wie viele andere ähnliche, nicht ewig ist. Unser 
heutiges wirtschaftliches Leben, das zwischen dem Individuum und dem 
Staat eine immer größere Vielfältigkeit freier wirtschaftlicher Genossen 
schaften emporkommen sieht, beweist seine Unhaltbarkeit mit jedem 
Tage mehr. 
Es ist jetzt leicht, das aufzuzeigen, was in der Lehre Rodbertus’ 
so ausgesprochen konservative Köpfe wie die modernen Staatssozialisten 
anziehen konnte, die doch von dem Streben beseelt sind, mehr Gerechtig 
keit in unser wirtschaftliches Leben zu bringen. Es ist dies zunächst die 
von Rodbertus selbst verwirklichte Trennung der Politik von dem wirt 
schaftlichen Sozialismus und seine Abneigung gegen jede Revolution. An 
zweiter Stelle steht seine „organische“ Auffassung der Gesellschaft, die 
seihen ganzen Gedankengang durchdringt. Der Staatssozialismus nimmt 
mit ihm an, daß die Produktion und die Verteilung der Güter mehr und 
mehr den Charakter „sozialer Funktionen“ haben; mit ihm kommt er 
zu dem Schluß, daß sie sich der Kontrolle der Individuen entziehen, und 
daß sie eine immer mehr zentralisierte Leitung erfordern, die dem Staat 
übertragen werden muß. Dagegen weigert sich der Staatssozialismus, sich 
der von Rodbertus ausgesprochenen radikalen Verurteilung des Privat 
eigentums und des arbeitslosen Einkommens anzuschließen. Auf diese 
Weise wird die Umformung des „Kompromisses“ Rodbertus’ in ein 
sich selbst genügendes System zur Hauptaufgabe der Staatssozialisten. 
Anstatt hierin eine Art verkleinerten Sozialismus zu sehen, behaupten 
sie im Gegenteil, im Sozialismus eine einfache Übertreibung ihrer eigenen 
Lehre zu erblicken 1 ). 
B. Lassalle. 
Rodbertus hat dem Staatssozialismus seine grundlegende soziale 
Theorie geliefert; aber Lass alle sollte dem Gedanken der staatlichen 
Einmischung seine ganze Stoßkraft verleihen. 
Die Kürze und der Glanz seiner politischen Rolle, die Macht seiner 
*) „Der extreme Sozialismus, sagt Adolf Wagner, ist nur eine Übertreibung 
eines partiellen Sozialismus, welcher in der geschichtlichen Entwicklung des g e * 
sellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Lebens aller, besonders der Kulturvölker 
längst bestanden hat.“ (Grundlegung, 3. Ausg., Lpg. 1892, S. 756, 4. B., 2. Kap., § 29o-l
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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