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Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886437130
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-233012
Document type:
Volume
Author:
Hesse, Albert http://d-nb.info/gnd/13348551X
Title:
Volkswirtschaftspolitik
Volume count:
2.1902
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 544 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt IV. Das Bevölkerungswesen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Volkswirtschaftspolitik (2.1902)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Abschnitt I. Die Land- und Forstwirtschaft
  • Abschnitt II. Die stoffveredelnden Gewerbe
  • Abschnitt III. Der Handel, das Verkehrs- und Versicherungswesen
  • Abschnitt IV. Das Bevölkerungswesen
  • Abschnitt V. Armenwesen und Armenpflege

Full text

107 
werker neue Fertigkeiten einbürgerten und Betriebe einführten, die bis 
Jahin hier unbekannt waren. Hat doch Berlin Ende des 17. Jahr- 
hunderts zu einem Fünftel aus Refugi6s bestanden, und sind noch bis 
zum heutigen Tage die Juweliere, Bijouterie- und Portefeuillearbeiter 
in Hanau und Offenbach auf die Ansiedelung der französischen Flücht- 
linge zurückzuführen. So wird die Ansiedelung intelligenter und be- 
mittelter Personen im allgemeinen nur als etwas Wünschenswertes, 
volkswirtschaftlich Förderndes anzusehen sein. 
Ganz anders wird die Wirkung sein, wenn die Einwanderung aus Gefahr tiefer- 
Ländern vor sich geht, welche auf tieferer Kulturstufe stehen. Die stehender 
Vereinigten Staaten empfinden gegenwärtig äusserst intensiv das Einwanderer, 
Danaergeschenk der Negereinführung. Vor einigen Jahrhunderten waren 
lie Arbeitskräfte in hohem Masse erwünscht, und man weiss, .mit 
welchen grausamen Gewaltmassregeln die Zufuhr durchgeführt wurde. Aber 
lie menschlichen Hilfskräfte lassen sich nicht so leicht wieder beseitigen, 
wie verbrauchte Maschinen. In dem Lande mit freien Institutionen 
und politischer (Heichberechtigung wird die tieferstehende, schwarze 
Rasse zu einem Hemmnis der Kulturentwicklung. Aus dem gleichen 
Grunde liegt für den nördlichen Teil der Union in der Einwanderung 
von Chinesen, die andere Anschauungen von Moral haben und weit 
geringere Lebensansprüche machen, trotz ihrer vortrefflichen wirt- 
schaftlichen Eigenschaften eine erhebliche Gefahr vor, das sittliche 
Niveau und die gesamte Lebenshaltung der Bevölkerung mehr und 
mehr herabzudrücken. Der weisse Arbeiter kann die Konkurrenz mit 
dem genügsamen Chinesen nur aufnehmen unter Verzicht auf seine 
bisherige hohe Lebenshaltung. Die gleichen Kıfahrungen sind auf 
Java gemacht. Es wird deshalb das Verbot der Einwanderung der 
Chinesen in den Vereinigten Staaten wie in Australien u. s. w. ebenso 
zercchtigt erscheinen, wie das Verbot der Uebersiedlung russischer 
Arbeiter auf deutschen Boden, Die Heranziehung der Letzteren kann 
vielleicht momentan in ländlichen Distrikten eine Wohlthat sein, wo 
sich ein empfindlicher Arbeitermangel herausgestellt hat, aber ihre 
nachhaltige Ansiedlung würde die Löhne herabdrücken und das Auf- 
streben der unteren Klassen beeinträchtigen. 
Zu diesem wirtschaftlichen Nachteile wird noch der soziale hinzu- 
treten, dass die Hebung der Bildung und Moralität dadurch ent- 
sprechend aufgehalten wird, denn es erfordert lange Zeit und grosser 
Anstrengung, um diese Einwanderer erst auf die gleiche Bildungsstufe 
zu heben, die die heimische Bevölkerung bereits besitzt. 
Bei der Auswanderung hat man die wesentliche Unterscheidung 
zu machen, ob es sich um momentane Massenauswanderung handelt, 
lie nach kurzer Zeit wieder aufhört, oder um eine permanente 
Auswanderung, die chronisch wirkt. Die Erstere tritt mitunter infolge 
politischer oder wirtschaftlicher Krisen auf, wo eine sofortige Ent- 
lastung des Landes sich als notwendig erweist und deshalb oft durch 
Staatsmittel gefördert wird. Solch ein Fall lag vor, als in den vier- 
iger Jahren infolge der Kartoffelkrankheit in Irland die Masse der 
kleinen Pächter in Hungersnot geriet und ihnen eine Arbeitsgelegenheit 
an Ort und Stelle nicht‘ geschafft werden konnte. Hier unterstützte 
lie Regierung die Auswanderung derart, dass in wenig Jahren andert- 
halb Millionen Menschen ausgewandert waren. Dasselbe geschah, wie
	        

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Volkswirtschaftspolitik. Fischer, 1902.
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