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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

384 Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft. 
Der einzelne erhält es, ob er so tüchtig ist wie sein Vater oder nicht; er erhält weniger, 
wenn er mehr Geschwister hat, mehr, wenn er allein ist, Seitenverwandte beerbt. Und 
wie das Erbrecht für die Eltern das Motiv zur Anstrengung, so kann es für die Kinder 
der Reichen das zur Faulheit werden. Es treten sich entgegengesetzte Folgen und 
UÜberlegungen gegenüber. Und Sitte und Recht werden hievon beeinflußt werden, so 
langsam auch gerade hier veränderte Zustände zu einer Umbildung der Gewohnheiten 
und Gesetze führen. 
Welche Änderungen des Erbrechts man auch erwarten mag, wie hoch man die 
Thatsache einschätze, daß schlechte und unfähige Kinder ein reiches Erbe ohne Verdienst 
erhalten, daß der Zufall der Kinderzahl den einen reich, den anderen unbemittelt 
mache, — all' das sind mehr individuelle Zufälle, die aus keiner Gesellschaftsverfafsung 
zu beseitigen sind. Im ganzen werden wir für die Fragen der Gesellschaftsordnung nur 
auf den Durchschnitt ganzer Klafsen sehen duürsfen. Und thun wir das, so werden wir 
sagen: so lange die höheren besitzenden Klassen nicht entartet sind, so werden die Kinder 
durchschnittlich die Eigenschaften der Eltern haben. So lange also eine gewisse Parallelität 
der höheren Eigenschaften und des größeren Besitzes sich im Laufe der Generationen 
erhält, so lange wird auch das Erbrecht der Kinder innerlich berechtigt sein. Dieses 
Erbrecht wird Segen stiften, so lange es zum Instrument wird, um höhere perjsönliche 
Figenschaften bestimmter socialer Gruppen für längere Zeit zu erhalten, ja sie zu steigern. 
Wo der große Grundbesitz ausgezeichnete Staatsmänner und Generale, tüchtige unabhängige 
Lokalbeamte und Vertreter des landwirtschaftlichen Fortschritts erzieht, wo der mittlere 
Grundbesitz einen gesunden Bauernstand erhält, da erscheint auch die durch Jahrhunderte 
erhaltene ungleiche Grundeigentumsverteilung als ein berechtigtes Mittel aristokratischer 
Gesellschaftsgliederung und Erhaltung eines breiten Mittelstandes. Und wo das in den 
Händen von Kaufleuten, Bankiers und Unternehmern sich sammelnde Kapital überwiegend 
die Grundlage für ein gesittetes Bürgertum, der Anlaß zu kühner Aufsuchung neuer 
Handelswege, zur Anbahnung technischer Fortschritte, zur Begründung neuer Industrien 
wird, da wird die Erhaltung erheblicher Vermögen in denselben Familien segensreicher 
jürs Ganze sein, als wenn alles neu ersparte Kapital stets sosort gleichmäßig unter 
alle Bürger verteilt würde. 
Das Erbrecht wird so das Mittel, eine bestehende ungleiche Grundbesitz- und 
überhaupt jede Besitzverteilung zu erhalten, unter Umständen auch sie zu steigern, zumal 
wenn einzelne Kinder bevorzugt werden, oder die höheren Klassen nur eine geringe 
Kinderzahl haben. Es können dadurch auch die Klassengegensätze sich verschärfen, wenn 
.B. der Grundbesitz sehr an Wert steigt, die Pächter oder Bauern gegenüber den 
Eigentümern und Grundherren in schlechtere Lage kommen. Aber das Erbrecht schafft 
nicht die ungleiche Besitzverteilung; es erleichtert nur einzelnen die wirtschaftliche Exiftenz 
and damit auch die Anhäufung von Besitz. Es fragt sich nun, wie im Laufe der 
Senerationen die persönlichen Eigenschaften der Befitzenden zu der Größe ihres Besitzes 
sich stellen, welchen Gebrauch sie davon machen, ob zumal da, wo immer größerer Besitz 
sich in wenigen Händen anhäuft, die Leistungen, Fähigkeiten und Tugenden entsprechende 
find. Es kommt da ganz auf die Erziehung in den höheren Klassen, auf deren geistig— 
moralische Entwickelung an. Jede ältere Befitzaristokratie ist der Versuchung ausgesjetzi, 
sich dem Luxus, dem individuellen Lebensgenuß, den Lastern des vornehmen Lebens zu 
ergeben, nicht mehr zu arbeiten und auf das stolze Vorrecht der Initiatibe zu verzichten. 
Erst sind es einzelne ihrer mißratenen Söhne, oft bald auch der Durchschnitt derselben, 
der so herabsinkt, die alten Fähigkeiten und damit die Führung des Volkes verliert. 
Und doch sind ihre Glieder oft gerade in solcher Zeit in der Lage, durch geminderte 
Eheschließung und Kinderzahl, Geldheiraten und Erbrecht größere Vermögen zu sammeln. 
Die perfönlichen Eigenschasten sinkender Aristokratien sind es, welche die wichtigste Ursache 
revolutionärer, kommunistischer Bewegungen darstellen. Daß alle Aristokratien, am 
frühesten die exklusiv nach unten sich abschließenden, mit der Zeit der Gefahr der Er— 
schöpfung, der Entartung erliegen, wird sich nicht leugnen lassem
	        

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