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Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

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Bibliographic data

fullscreen: Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887256288
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-242253
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung
Volume count:
2.1904
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1904
Scope:
X, 719 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Verkehr, Handel und Geldwesen. Wert und Preis. Kapital und Arbeit. Einkommen. Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik. Historische Gesamtentwickelung (2.1904)
  • Title page
  • Contents
  • Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes und der Einkommensverteilung
  • Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen lebens im ganzen
  • Index

Full text

502 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen. (960 
bäuerlichen Schulden auf, verbot jede künftige Schuldknechtschaft, kaufte die in die Fremde 
wegen Schulden verkauften Bürger auf Staatskosten zurück. Die volle Rechtsgleichheit 
in Stadt und Land wurde hergestellt; jeder Bauer durfte nun in Attika direklt klagen, 
hrauchte es nicht mehr durch seinen Patron zu thun. Die Amterzugänglichkeit wurde 
an das nach Klassen abgestufte Vermögen geknüpft. Der bäuerliche Mittelstand (die 
Zeugiten mit 100 bis 150 Morgen) wurde in Athen zum Dienst der Schwerbewaffneten 
verpflichtet; in ihrer Phalanx lag seit dem Zurücktreten des adeligen Reiterkampfes die 
militärische Macht des Staates. 
Der Kultus wurde verstaatlicht. Die Bauerngottheiten, Dionys und Demeter, 
traten in den Vordergrund, in Attika Athena, die Pflegerin des Olbaues und die Schützerin 
des Handwerkes. Fremde ließ man in Athen leichter als sonstwo zu; freie Bewegung 
jür jeden tüchtigen Mann war die Lofung; aber die Gesetze stellten doch strenge Zucht 
und Ehrbarkeit her, und die freie Ausfuhr wurde im Interesse der billigen Ernährung 
der Mäfsen für alle Rohprodukte (außer Ol in Attika) untersagt. Die kühne Handels- 
und Kolonialpolitik, sowie große Tempel-, Wasserleitungs ꝛc. Bauten, schufen Be— 
schäftigung und Verdienst, sfowie für die Verarmten neues Land in den Kolonien; die 
Schulen wurden allen zugänglich gemacht. Auch die Besitzlosen mußten in der Flotte 
gegen Lohn oder Verpflegung dienen, sie erhielten dafür aber auch Stimmrecht in der 
Volksversammlung; den Reichen wurden steigende Lasten, die Schiffsgestellung, das Aus— 
richten von Festen und Ahnliches auferlegt. Das Recht wurde aufgezeichnet, nur die 
geschriebenen Strafen durften verhängt werden. Das Gerichtswesen wurde vielfach ver— 
bessert. Der Friede wurde gesichert, die alte Blutrache zurückgedrängt. 
Die Voraussetzung für all' diese Reformen war eine starke, kühn und energisch 
gehandhabte Staatsgewalt. Die Monarchie der Tyrannis, überall als Gegner der 
Adelsherrschaft entstanden, besaß sie an sich; sie hob in Milet, Korinth, Athen zeitweise den 
Staat auf seine wirtschaftliche und politische Höhe. Aber sie konnte sich meist gegenüber 
dem Adel und der Volksgunst nicht befestigen. Wo der Freistaat blieb, half die zeit— 
weise, oft auf 10 Jahre übertragene Diktatur großer Gesetzgeber und dann die Aus— 
bildung des Amtswesens, die verbesserte Amterordnung in den Händen einer immer noch 
zroßen Aristokratie. Die Besitzlosen waren noch nicht sehr zahlreich; die rechtliche Gleich— 
heit, wie sie Solon und Kleisthenes geschaffen, gaben dem Mittelfstand die Entscheidung; 
Stadt und Land hielten sich noch die Wage; die Führung blieb den großen, dem socialen, 
demokratischen Fortschritt sich anschließenden Aristokraten wie Themistokles. Die letzten 
sdonsequenzen des demokratischen Geistes waren noch nicht gezogen. Und so entsteht in 
dem Athen von 5390 —462 das von den edelsten Aristokraten geleitete, aber doch ganz demo— 
ratische Gemeinwesen, das die materielle Voraussetzung für das griechische, damals sich 
»ildende Staatsideal wurde. Aschylos feiert den Staat als den Inbegriff aller Sitt— 
lichkeit; alle Bürger sollen im Staatsgefühl, im Leben für den Staat aufgehen; der Staat 
soll seine Thätigkeit auf alle Gebiete erstrecken; er kann es zunächst in dem kleinen 
Stadtstaat, in diesem attischen Kantonstaat, der noch als der gottesfürchtigste aller 
zriechischen Staaten gefeiert wurde, in dem Solon und Kleisthenes den soeialen Frieden 
hergestellt, Peisistratos den Bauernstand geschützt hatte. Themistokles und Aristides 
hatten die Flotte, die Seemacht und den von Athen beherrschten Delischen Bund ge— 
schaffen, woran sich ein beispielloser wirtschaftlicher Ausschwung knüpfte; er gab der 
rasch zunehmenden Bevölkerung, vor allem der städtischen, reiche lohnende Beschäftigung. 
Dieses Gleichgewicht der Stände, diese höchste wirtschaftliche Blüte, diese Erhaltung 
der Zucht, der Einsicht, der Herrschaft der Fähigften in dem demokratischen Gemeinwesen, 
lkonnte sich jedoch nicht allzu lange erhalten. Themistokles, der die Größe Athens begründet, 
der einzige, der den Seebund zu einer dauernden Großmacht erheben konnte, wurde 469 
verbannt. Die Leidenschaft für Freiheit und Individunalismus steigerte sich, die Geld— 
wirtschaft siegte und schuf rasch die größten Vermögensunterschiede; die große Sklaven— 
einfuhr erzeugte Großbetriebe, Sklavenherden in den Händen einzelner. Die Volksmenge 
purde ärmer und begehrlicher, die bewegliche Stadtbevölkerung entschied allein in der 
Volksversammlung. Hatte man früher schon das 10 jährige Archontenamt einjährig, die
	        

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