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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

7. Friedrich List. Charakteristik. 
17 
großen antiken Redner sagte, immer einen Stachel in der Seele des andern zurück. 
Diese lebendige, erweckende Kraft lag auch in seiner Darstellung; es war eine mächtige, 
hinreißende Volksberedsamkeit, die aus seinen Aussähen heraussprach. In seinen 
Artikeln, sagt Laube sehr treffend, war mehr als bloßes Wissen und bloßer Beweis, 
es war ein drangvolles, den Leser zwingendes Leben in diesen Aufsätzen, ein voller, 
gewaltiger Mensch ordnete, regierte, trieb, unterwarf uns hinter diesen Zeilen und Sähen, 
welche stets in künstlerischer Form stiegen und schwollen und am Ende des Artikels 
stets die höchste Löhe des Ausdrucks erreichten. Wen sie nicht überzeugten, den rissen 
sie fort, und wen sie nicht fortrissen, den bestürzten sie. Es focht in Lifts Worten ein 
Genius, welcher leider ziemlich ungekannt ist unseren Zeitungen politischen Themas. 
Nichts war trocken in Lifts Behandlung! Lind wenn man obenein weiß, daß er über 
hundert Gesichtspunkte nicht sprach, absichtlich nicht sprach, weil er sparen gelernt hatte, 
um zu wirken, wenn man aus dem persönlichen Verkehr mit ihm erkannte, daß gerade 
die von ihm verschwiegenen Gesichtspunkte die ergiebigsten, die den Patrioten wie den 
Mann des Fortschritts entzückendsten sind, dann hatte man doppelt zu bewundern: die 
Fülle des Inhalts und die weise Beschränkung in dem, was eben zu äußern, was 
eben auszuführen war. 
In einem politisch reifen Lande, wo nicht erst der Boden umzuroden und die 
Wege zu bahnen waren, hätte ein solches Streben auch seine äußere Anerkennung ge 
funden; mächtige Parteien hätten einen solchen Mann getragen, die Nation ihm den 
Wirkungskreis angewiesen, der solchen Kräften entsprach. Er hätte dort in einem Par 
lamente oder am Ministertische seine Stelle gefunden; eine einzige der großen Schöpfungen, 
die er anregte, hätte ihm dort reichlichen Lohn für das ganze Leben gebracht. Wurde 
doch in denselben Tagen, wo List in einen, traurigen Ende verkümmerte, der Mann, 
der in England den ersten Anstoß gegeben hatte zu den Pennyposten, mit einer eigens 
für ihn geschaffenen lebenslänglichen Stelle entschädigt, erhielt doch bald nachher Cobden 
von der Nation ein mehr als königliches Ehrengeschenk. In Deutschland, „wo man 
für Sänger und Klavierspieler, für Liebedienerei und zweideutige Verdienste Aus 
zeichnungen in Menge hat", wurde der Schöpfer des Eisenbahnnetzes kümmerlich ab 
gesunden, der Ratgeber und Förderer einer Menge der wichtigsten Unternehmungen 
kärglich bezahlt, und der Agitator für eine naüonale deutsche Landelspolitik mußte sein 
mühsam erworbenes Vermögen aufopfern, ohne dafür nur Dank zu finden. Es war 
ein Wort voll bitterer Wahrheit, was ihm einmal der badische Minister Winter er- 
widerte, dem er die Opfer, die er für ganz Deutschland gebracht, aufzählte. „Da 
müssen Sie sich eben an ganz Deutschland halten", — erwiderte der Staatsmann, 
konnte ihm aber nicht sagen, wo dies Deutschland zu finden war. So blieb er sein 
Leben lang, nach den glänzendsten und fruchtbarsten Schöpfungen, die er angeregt, in 
das Joch der angestrengten Arbeit eingezwängt und auf den täglich zu erringenden 
Erwerb angewiesen; nachdem er, wie seine Freunde sagten, weite Strecken unbrauch 
barer, ja ungekannter Wildnis in fruchtbares Land verwandelt hatte, mußte er „immer 
dar noch Lolz hacken", — bis die Leiden des zunehmenden Alters und der zerrütteten 
Gesundheit ihm die frische Arbeitskraft zerstörten und er der quälenden Sorge um die 
Zukunft in hoffnungsloser Melancholie erlag. „Armer Freund", rief ihm Laube nach, 
„ein ganzes Land konntest du beglücken, aber dies Land konnte dir nicht einen Acker 
Erde, konnte dir nicht ein warmes Laus geben für die traurige Winterzeit des Alters! 
Dieser Fluch des zerrissenen Vaterlandes, in welchem man so kinderleicht heimatlos 
werden kann, in welchem das Genie selbst niemand angehören darf, dieser Fluch hat 
dich im Schneestunne oberhalb Kufsteins in den Tod gejagt, und unsere Tränen, unsere 
Lorbeerkränze, was sind sie deiner verwaisten Familie?! Was sind sie den guten Bürgern 
und guten Egoisten, die sich die Fülle des Leibes streicheln und weislich sprechen: 
der Staat ist nicht für Genies vorhanden!" 
Mollat, Bolkswirtschastliches Lesebuch. 
2
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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