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Die Entwicklung der Weißgerberei

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Bibliographic data

fullscreen: Die Entwicklung der Weißgerberei

Monograph

Identifikator:
883887894
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-6560
Document type:
Monograph
Author:
Ebert, Georg
Title:
Die Entwicklung der Weißgerberei
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
A. Deichert'sche Verlagsbuchhandlung
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XL, 408 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
3.Teil. Die ökonomische Gestaltung der Weißgerberei
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Entwicklung der Weißgerberei
  • Title page
  • Contents
  • 1.Teil. Die Rohstoffe
  • 2.Teil. Die Produktionsprinzipien
  • 3.Teil. Die ökonomische Gestaltung der Weißgerberei
  • 4.Teil. Die topographischen und hygienischen Verhältnisse der Weißgerberei
  • 5.Teil. Der Markt

Full text

224 
Im Falle des siegreichen Ausganges der Zunftkämpfe läßt sich also 
immer das völlige Beiseiteschieben des religiösen Charakters zugunsten 
der mächtig im Vordergrund stehenden politischen Funktionen beobachten; 
wenn aber umgekehrt der siegreiche Adel die Handwerksverbände sprengt, 
dann ist die Brüderschaft die Form, in welcher sich die aufgelöste Zunft 
wieder zu sammeln sucht; auch hierfür bietet Lüttich ein interessantes 
Beispiel; dort waren 1684 die geschworenen Handwerke jeder politischen 
Bedeutung beraubt worden, und nun suchten sie beim Erzbischof um 
die Erlaubnis zur Gründung einer Brüderschaft nach, zwecks Unter 
stützung der kranken oder arbeitsunfähigen Kameraden x ). 
Wegen der Gleichartigkeit der treibenden Motive bei der Bildung 
von Brüderschaft und Handwerk sind beide ursprünglich nicht scharf 
geschieden fl. Noch 1580 finden wir im Würzburger Statutenbuch bei 
dem Handwerk der Weißgerber: „Zum Sechsten sind uff diesem Hand 
werk zwei lange Kerzen die man in den Prozessionen um die Nacht 
trägt..., dann haben sie vier Kluppen Kerzen und sechs kleine Kerzen, 
die sie zum Begräbnis brauchen" 3 ), und in einer Königsberger Weiß 
gerber-Ordnung von 1582 heißt es ebenfalls: Wenn die Companey 
würde zusammenkommen und ihr „bruderbier" zusammentrinken 4 ), oder, 
Wann die Companey zusammenkommt, soll keiner Messer oder Gewehr, 
kurz oder lang, in die „Brüderschaft" bringen fl. Später aber werden 
Brüderschaft und Handwerk scharf geschieden. Die Gebühren teilen sich 
z. B. in einer Weißgerberordnung aus der Mitte des 17. Jahrhunderts 
in der folgenden Weise „dem Handwerk einen reichsthaler, sodann der 
Brüderschaft vor wachs in die Kirchen 1 fl."fl. Erst im 18. Jahr 
hundert verschwindet die Brüderschaft ganz, aber ihre Gebote sind teil 
weise immer noch in kraft, sogar noch das Gebot, den Leichnam eines 
verstorbenen Milmeisters zu Grabe zu tragen. So sollen in Augsburg 
um die Wende des 18. Jahrhunderts nach den Ordnungen für die 
Weißgerber sechs junge Meister den Leichnam zu tragen angehalten 
sein fl, und im Kirchhainer Statut für die Weiß- und Sämischgerber 
innung noch des Jahres 1853 finden wir die Bestimmung: „Stirbt ein 
Jnnungsgenosse, oder die Ehefrau eines Jnnungsgenossen, so haben die 
jüngeren Genossen nach der jedesmaligen Anordnung des Obermeisters 
die Leiche zu Grabe zu tragen" fl. 
Wir haben damit in großen Zügen die Entwicklung der öffent- 
fl Bormans 1863, S. 79. fl I. f. N. 1909, Bd. XXXVII, S. 741. 
fl Würzburg 1580, S. 490. 
fl Königsberg 1582, 2tens. fl Königsberg 1582, Iltens, 
fl Würzburg 1660—83, 3tenS; G. 2217, anno 1661, 2tens. 
fl Augspurg ca. 1800. 
fl Kirchhain 1853, g 9.
	        

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Die Entwicklung Der Weißgerberei. A. Deichert’sche Verlagsbuchhandlung, 1913.
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