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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

8. Friedrich List, Deutschlands größter Volkswirt. 17 
zahlreiche Reformen. Der Prozeß, der darauf gegen ihn angestrengt wurde, endete 
mit seinem Ausschluß aus der Kammer und mit der Verurteilung zu zehnmonatiger 
Festungshaft auf dem Hohenafperg. Nachdem ihm nach einigen Zwischenfällen gegen 
das Versprechen der Auswanderung der Rest der Festungshaft erlassen worden war, 
beginnt eine unstete Wanderschaft, die ihn durch die Pfalz und Frankreich über den 
Ozean in die Vereinigten Staaten führte. 
Nachdem er Lafayette auf dessen Einladung auf seinem Triumphzug durch 
Amerika begleitet hatte und mit den berühmtesten Staatsmännern bekannt geworden 
war, suchte er seinen und der Seinigen Unterhast durch den Betrieb einer Farm zu 
sichern. Als der gewünschte Erfolg ausblieb, übernahm er die Redaktion des deutschen 
Blattes „Adler" in der kleinen Stadt Reading und fand bald Gelegenheit, in die 
wirtschaftlichen Kämpfe Pennsylvaniens einzugreifen. Auf einem Ausflug in die 
„Blauen Berge" entdeckte er ein Kohlenlager, brachte rasch eine Gesellschaft mit be 
deutendem Kapital zusammen, baute eine Eisenbahn, gründete Städte und war im 
Begriffe, durch seine Tätigkeit zu Ansehen und Wohlstand zu gelangen, als der un 
widerstehliche Drang, die erworbenen Kenntnisse zum Nutzen seines Vaterlandes zu 
verwenden, ihn wieder, alle seine amerikanischen Aussichten aufgebend, in die alte 
Welt zurückführte. 
Wie er dann in Leipzig sich niederließ und dort für ein deutsches Eisenbahn 
wesen wirkte, wie er das Rotteck-Welckersche „Staatslexikon" und das „Zollvereins 
blatt" ins Leben rief, wie er in diesem und in der „Augsburger Allgemeinen Zeitung" 
mit beredten Worten für einen den ganzen Deutschen Bund umfassenden Zollverein 
eintrat, wie er, gedrückt durch die Behandlung in Leipzig, im Herbste 1837 nach 
Belgien und Frankreich sich begab und dort bei den Königen und Ministern die wohl 
wollende Aufnahme fand, die er in der Heimat entbehren mußte, wie er in Paris 
den ersten Entwurf seines „Nationalen Systems der polistschen Ökonomie" als Lösung 
der von der Akademie gestellten Preisaufgabe über Freihandel und Schutzzoll nieder 
schrieb, wie es ihn aber dort nicht litt, sondern wieder nach Deutschland zurückzog, — 
das ist alles so bekannt, daß ich nicht weiter dabei zu verweilen brauche. Im Jahre 
1841 erschien sein berühmtes theoretisches Hauptwerk: „Das nationale System der 
politischen Ökonomie". Die letzten sechs Jahre seines Lebens sind ausgefüllt mit lite 
rarischen Arbeiten und Reisen, die er als unbesoldeter Anwalt Deutschlands nach 
Österreich, Ungarn und schließlich nach dem von ihm so leidenschaftlich bekämpften 
England unternahm. 
Friedrich Lifts Verdien st e um die Volkswirtschaft nach 
der theoretischen und praktischen Seite sind so weittragend, 
daß wir ihn als den größten deutschen Volkswirt bezeichnen 
dürfen. In einer Zeit, in der in Deutschland wie anderwärts alle West sich be 
mühte, die kosmopolitischen und individualistischen Lehren des Schotten A. Smith 
nachzubeten und zu verbreiten, obwohl Deutschland für sie keineswegs reif war, hatte 
er den Mut, deren Einseitigkeit nachzuweisen und zu bekämpfen. Er war der erste 
realistisch denkende Volkswirt. Er erkannte, daß dieselben Maßregeln und Gesetze 
nicht für alle Völker und Entwicklungsstufen gleichermaßen sich eignen, sondern aus 
dem Volke und aus der Zeit herauswachsen müssen. 
Ist es nicht beschämend, daß dieser Mann nahezu dreißig Jahre nach seinem 
Tode den Fachgelehrten so gut wie unbekannt oder wenigstens von ihnen nicht ver 
standen und berücksichtigt war, bis Eugen Dühring ihn auf den Platz stellte, der ihm 
gebührt? Die ganze ethisch-historisch-realistische Richtung der jüngeren deutschen Na 
tionalökonomie, auf die wir als den wichtigsten Fortschritt in der Dogmengeschichte 
dieser Wissenschaft stolz sind, ist in Lifts zahlreichen Schriften verkörpert, nicht dem 
Namen, aber dem Wesen nach. Ist es nicht merkwürdig, daß sie sozusagen neu ent- 
Mollat, Volkswirtschaftliches Quellenbuch. 4. Aufl. 2
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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